1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Demo für mutige Studierende im Iran

Erstellt:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Kundgebung auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Uni. Sie war Teil der weltweiten Aktion „Iranian Scholars for Liberty“ .
Kundgebung auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Uni. Sie war Teil der weltweiten Aktion „Iranian Scholars for Liberty“ . © christoph boeckheler*

250 Menschen protestieren auf dem Campus der Goethe-Uni gegen das Mullah-Regime und für den Mut von Studierenden un Schüler:innen im Iran

Die Demonstrierenden auf dem Campus Westend stampfen zum Rhythmus der Musik mit dem Fuß auf und singen laut mit. Aus den Boxen klingt an diesem Mittwochnachmittag die Ballade Baraye, die zum Sound der iranischen Revolution geworden ist, genauso wie eine Neuversion von Michael Jacksons „They don’t care about us“. Demonstrierende halten die Namen von Inhaftierten hoch: „Jafar Zoumkazehi“ und „Hamed Roudini“ stehen auf einem Zettel. Klein gedruckt auch: „Mehr als 15 000 Menschen im Iran droht die Hinrichtung.“

Die Kundgebung an der Frankfurter Goethe-Universität ist Teil einer weltweiten Aktion. Die „Campus Rally for Iran“ findet an diesem Tag an über 200 Universitäten statt – unter anderem in Frankreich, Italien, Kanada und den USA.

In Frankfurt sind es laut Polizei 250 Menschen, die auf die Situation im Iran aufmerksam machen wollen: Bei dieser Kundgebung stehen alle Menschenrechte, die unterdrückten Frauen, aber vor allem das Schicksal der Schüler:innen und Studierenden im Iran im Fokus. Organisiert haben die Demo Frankfurter Studierende, unter ihnen auch Ehemalige. Eine Sprecherin ist Donna von der Gruppe „Generation Azadi“. „Wir wollen ein Zeichen setzen, was an den Unis und mit den Studierenden im Iran passiert.“

Nicht nur sie, sondern auch andere Redner:innen und Studierende finden es ein trauriges Zeichen, dass bei der Demo in Frankfurt niemand vom Uni-Präsidium dabei ist. Eine Forderung ist: „Erlassen Sie eine offizielle Aussage mit anderen Hochschulen, in der der Angriff auf die akademische Gemeinschaft im Iran verurteilt wird.“

Die Idee der weltweiten Aktion stammt von Universitätsangehörigen: Studierende, Mitarbeiter:innen und Lehrende, die sich „Iranian Scholars for Liberty“ nennen. Sie betonen in den sozialen Medien und auf ihrer Website, dass viele Schüler:innen und Studierende entweder vom Unterricht suspendiert wurden oder ihnen der Zutritt zum Campus verweigert worden sei. Viele von ihnen seien verhaftet worden. Sie fordern unter anderem, dass die Regierungen dieser Welt das iranische Regime nicht weiter finanziell unterstützen.

Rednerin Donna liest einen Brief von iranischen Studierenden vor. Darin berichten sie, wie ein Medizinstudent entführt und brutal zusammengeschlagen wurde. Doch wie die Studierenden betonen: „Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen.“ Diese Menschen sind nicht umsonst gestorben. Das Mullah-Regime werde sie nicht mehr zum Schweigen bringen. Videos, die von protestierenden Studierenden im Iran gedreht wurden, denen ihr Mut ihr Leben kosten kann, sind auf einer Leinwand zu sehen.

Die Demonstrierenden rufen immer wieder „Frauen, Leben, Freiheit“. Seit dem Tod der 22 Jahre alten Kurdin Mahsa Amini im September ist das der Ruf im Iran und weltweit bei Demos. Das Mullah-Regime reagiert bislang immer weiter mit Gewalt. Selbst die iranischen Revolutionsgarden, der militärische Arm der Mullahs, musste inzwischen eingestehen, dass Hunderte Menschen, darunter Kinder, ums Leben gekommen sind. In Frankfurt sind unweit der Demonstrierenden viele Gedenkkerzen gestellt, neben jeder einzelnen gibt es ein Schwarz-Weiß-Foto und die Namen von jungen Opfern wie Abolfazl Adinezahdeh: Der 16-Jährige wurde mit 24 Schüssen in Maschhad getötet.

Das Regime spricht offiziell von 300 Toten, Menschenrechtsorganisationen wie Iran Human Rights gehen von mindestens 416 Getöteten aus. In den Reden in Frankfurt sind die erzwungenen Geständnisse für Taten, die die Inhaftierten nie begangen haben, aber auch die vom US-Nachrichtensender CNN berichteten Vergewaltigungen von Frauen und Männern Thema.

Bewegende Worte spricht Tara Moradi von den Frankfurter Grünen. Sie berichtet, dass ihr Großvater im Iran ermordet wurde, ihr Vater geflohen ist. „Mein größter Wunsch ist, dass die Menschen im Iran auch mich befreien. Ich mit meinem Vater die Gräber meiner Großeltern besuchen kann und so unsere Wunden gemeinsam heilen.“

Auch interessant

Kommentare