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Kita-Mitarbeiterinnen, Amtsleute, Ordnungshüter, die Beschäftigen des öffentlichen Dienstes demonstrieren am Dienstag auf und am Eisernen Steg.

Öffentlicher Dienst

Demo für mehr Respekt

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Am Eisernen Steg in Frankfurt fordern die Beschäftigten im öffentlichen Dienst Aufmerksamkeit ein. Und eine Gehaltserhöhung um 4,8 Prozent.

Der Eiserne Steg leuchtet am Dienstag in Verdi-Rot. Zumindest kurz. Die Gewerkschaft hat die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zum Streik aufgerufen. Die Demo geht um 12 Uhr mittags von Dribbdebach (Sachsenhausen) nach Hibbdebach. Am nördlichen Mainufer sammeln sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Corona-Abstand. Rund 500 sind es, schätzt Verdi-Mann Ferhat Taysi.

Die Menge ruft: „Was sind wir? Unverzichtbar!“ Einer murmelt: „Unsichtbar“. Galgenhumor, sicher. Aber die Diskrepanz zwischen nicht und schnell zu übersehen ist genau der Grund, warum sich so viele Menschen auf den Weg gemacht haben. „Es geht gar nicht so sehr ums Geld“, sagt ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. „Es geht um Respekt.“

Er habe „einen Zettel“, auf dem stehe, dass er unverzichtbar sei. Das Andenken an den Lockdown hat er sich aufgehoben. Mehr als über Buchstaben auf Papier würde er sich über ein bisschen mehr Gehalt freuen. Wobei er es noch vergleichsweise gut habe. In unteren Tarifgruppen arbeiteten Kollegen für weniger als 2000 Euro Brutto. „Was soll man in Frankfurt damit anfangen?“

Verdi fordert für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten des Bundes und der Kommunen unter anderem eine Anhebung der Einkommen um 4,8 Prozent beziehungsweise einen Mindestbetrag von 150 Euro monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Und keine „Sonntagsreden“, wie Mareike Müller vom Betriebsrat der Stadt Frankfurt es formuliert.

Ein zähes Ringen. „In zwei Verhandlungsrunden haben die Arbeitgeber kein Entgegenkommen gezeigt“, schimpft Gewerkschaftssekretär Ferhat Taysi. Und das, wo es sich doch um die Menschen handele, die in der Corona-Krise das Gemeinwohl am Leben gehalten haben.

„Wenn wir während des Lockdowns gestreikt hätten, hätten wir schneller was erreicht“, sagt ein anderer Mitarbeiter der Stadtverwaltung dazu. Daran hätte aber im Traum niemand gedacht, denn: „In den sozialen Berufen arbeiten eben sozial eingestellte Menschen.“

Dass in der Krise kein Geld da sei, hält Verdi-Mann Tom Winhold schlicht für eine „ökonomische Unwahrheit“. Nach Steuerschätzungen seien 2021 wieder Einnahmen wie 2019 zu erwarten. Zudem kompensiere der Bund die Einnahmeausfälle der Kommunen.

Höchste Zeit also, zu protestieren, finden auch die Erzieherinnen und Erzieher von Kita Frankfurt. „Wir wollen zeigen, dass wir als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stark sind und uns nicht alles gefallen lassen“, sagt eine Erzieherin. Die Arbeitsbelastung sei hoch, die Zahl der Kolleginnen und Kollegen zu klein. „Wir müssen den Beruf attraktiver machen“, sagt sie.

Das beginne bei der Ausbildung, ergänzt ein Kollege. Da brauche es eine Vergütung. „Damit die jungen Leute nicht zwei Jahre für Umme arbeiten.“ Und ende beim Arbeitsschutz. Kostenlose Corona-Tests seien schön und gut. Zum Arzt müssten die Erzieherinnen und Erzieher aber in ihrer Freizeit gehen.

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