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Ausstellung in Frankfurt

Frankfurt: Dem Rassenwahn entkommen

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Das Historische Museum in Frankfurt nimmt den schwarzen Deutschen Theodor Wonja Michael ins biografische Kabinett auf.

Als Theodor Wonja Michael am 19. Oktober 2019 starb, war er Träger des Bundesverdienstkreuzes. Als er am 15. Januar 1925 in Berlin geboren wurde, hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass sein Leben einmal so erfolgreich verlaufen, geschweige denn dass er den Rassenwahn der Nationalsozialisten überhaupt überleben würde. Denn Michael war ein schwarzer Deutscher. Das Historische Museum widmet ihm jetzt eine Ausstellung in seinem biografischen Kabinett.

Es sei das erste Mal, dass dem Leben eines schwarzen Deutschen im biografischen Kabinett Raum gegeben werde, sagte Museumsdirektor Jan Gerchow anlässlich der Eröffnung der Präsentation zum Leben von Theodor Wonja Michael. Die Schau über den Schauspieler, Journalisten und späteren Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, der 2018 wegen seines Engagements als Zeitzeuge das Bundesverdienstkreuz bekam, steht im Kontext einer Ausstellungstrias, die von Donnerstag, 9. Dezember, an im Historischen Museum zu sehen sein wird. Alle drei Ausstellungen befassen sich mit Frankfurt und dem Nationalsozialismus.

Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) begrüßte es in ihrer Eigenschaft als Dezernentin für Diversität, Antidiskriminierung und gesellschaftliches Zusammenleben, dass das Historische Museum mit Theodor Wonja Michael einen Afrodeutschen ins biografische Kabinett aufgenommen hat. Rassismus und Antisemitismus seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen, schwarze Menschen würden oft immer noch nicht als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger anerkannt.

Führungen

Das Historische Museum öffnet am Donnerstag, 9. Dezember, unter dem Titel „Frankfurt und der NS“ drei Ausstellungen zu dem Thema.

Wer mehr über Theodor Wonja Michael erfahren will: Die Kuratorin Ismahan Wayah bietet im kommenden Jahr am Mittwoch, 26. Januar, und Mittwoch, 23. März, jeweils um 19 Uhr Führungen durch das biografische Kabinett an.

www.historisches-museum-frankfurt.de

Michael wurde im Dritten Reich seine deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, obwohl er in Berlin geboren und seine Familiengeschichte eng mit Deutschland verbunden war. Sein Vater Theophilius Wonja Michael stammte aus Kamerun, das damals deutsche Kolonie war, 1884 kam er nach Berlin, heiratete seine Frau Martha. Das Paar bekam vier Kinder, Theodor, 1925 geboren, war das jüngste.

Seine Mutter starb früh. Der Vater musste die Familie allein durchbringen. Für Geld ließ er notgedrungen seine Kinder in den berüchtigten Völkerschauen auftreten, in denen Afrikaner wie im Zoo ausgestellt wurden, „Theodor war damals drei“, erzählt Ismahan Wayah, die Kuratorin der Präsentation.

1934 starb auch Michaels Vater. Die vier Geschwister wurden getrennt. Sein Bruder und seine beiden Schwestern schafften es nach Frankreich und entkamen so der Verfolgung. Theodor blieb bei einer Pflegefamilie in Berlin. Er konnte als Schwarzer keinen Schulabschluss machen und wurde für staatenlos erklärt. Er arbeitete als Hotelpage und Komparse in Propagandafilmen der UFA, die die Kolonialzeit glorifizierten. 1943 wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet und kam in ein Lager. Dort musste er um sein Leben bangen, und es quälte ihn die Angst zwangssterilisiert zu werden.

Nach seiner Befreiung ging Theodor Wonja Michael nach Frankfurt. Als Staatenloser kam er in ein „Displaced Persons Camp“ in Niederrad. Sein Ziel war, in die USA auszuwandern. Er lernte seine Ehefrau Elfriede kennen. Die Familie zog nach Butzbach. Er arbeitete als Schauspieler, als Schwarzer wurden ihm nur stereotype Rollenangebote gemacht. „Er erzählte, dass ihm immer das Baströckchen hinterhergetragen worden sei“, erzählt Ismahan Wayah, die Michael noch selbst kennengelernt hat. Mit Hilfe eines Stipendiums gelang es ihm, Volkswirtschaft zu studieren und eine Karriere aufzubauen. Mit Rassismus wurde er immer wieder konfrontiert.

In einem Interview berichtet er von einem Erlebnis in einer Straßenbahn. Ein Mann pöbelte ihn an. Michael wusste sich zu wehren. „Ich sagte zu ihm: ‚Zu jung für ein Altnazi, zu alt für ein Neonazi, aber immer noch ein Nazi.‘“

Der schwarze Deutsche und Zeitzeuge Theodor Wonja Michael hat im biografischen Kabinett einen Platz gefunden.

Rubriklistenbild: © christoph boeckheler*

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