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Verkehrsdezernent Klaus Oesterling in der Diskussion mit IHK-Präsident Ulrich Caspar .und Bernd Ehinger, dem Präsidenten der Handwerkskammer (von links).

Autofreie City

SPD debattiert: Wie wird die Verkehrswende in Frankfurt aussehen?

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Die Frankfurter SPD debattiert um eine autofreie City. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling fordert CDU und Grüne auf, „nicht einzuknicken“.

Frankfurt - Es ist ein neues politisches Format, das die Frankfurter SPD an diesem Wochenende erprobt. Zum ersten Mal organisiert sie eine Versammlung zwischen den Parteitagen, die auch Bürgerinitiativen und Nichtmitgliedern offensteht. Und um die Umwälzung vollkommen zu machen, wird die Veranstaltung nicht nur auf Facebook und Twitter begleitet, sondern es gibt im Haus am Dom in Frankfurt gar eine ungewöhnliche Podiumsdiskussion. Zum ersten Mal bei der SPD sitzen die Präsidenten von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer mit Aktivisten vom Radentscheid und vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) zusammen. Katja Böhne, die Sprecherin der Frankfurter Buchmesse, unternimmt den Versuch, dieses Aufeinandertreffen zu moderieren – kein leichtes Unterfangen.

SPD Frankfurt diskutiert über Verkehrswende

Wie könnte eine Verkehrswende in Frankfurt aussehen, weg vom Auto, hin zu Fahrrad, Zu-Fuß-Gehen, Bussen und Bahnen? Böhne skizziert die bittere Wirklichkeit mit Zahlen aus der Studie „Mobilität in Deutschland“ des Bundesverkehrsministeriums. Ein Auto wird im Durchschnitt nur 22 Kilometer am Tag bewegt, 97 Prozent des Tages ist es geparkt. Aber es ist das beliebteste Verkehrsmittel, 75 Prozent aller Erwachsenen nutzen es regelmäßig.

Das beliebteste Fahrzeug der Deutschen ist das Sport Utility Vehicle (SUV). Es wird immer breiter und erlebt immer höhere Zulassungszahlen. Vor diesem Hintergrund prallen die Ansichten zur Verkehrswende hart aufeinander. Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Rhein-Main, fordert auch weiter freie Fahrt für Handwerker und Lieferanten. Jeden Tag würden in Frankfurt mindestens zwei Millionen Flaschen Mineralwasser gebracht: „Die müssen rein in die Stadt.“

Frankfurt: Verkehrswende mit Vorbild Singapur?

Ehinger verlangt, „in großem Stil Park-and-Ride-Plätze am Rande der Stadt“ zu bauen. IHK-Präsident Ulrich Caspar möchte „attraktive Fahrrad-Schnellverbindungen“ in der Stadt, zum Beispiel auf dem Kettenhofweg. Er will aber zugleich „keine Reduzierung der Fahrspuren“ für Autos. Für die Kunsthistorikerin Katharina Knacker vom Radentscheid beginnt das Umdenken im Kopf. Sie beschreibt, dass es in Zonen, aus denen das Auto verdrängt wurde, „mehr Umsatz“ für die Wirtschaft gebe. Caspar widerspricht sofort: „Das kann man so pauschal nicht sagen.“ Bertram Giebeler, der verkehrspolitische Sprecher des ADFC, skizziert das Beispiel Singapur. Wer dort überhaupt Auto fahren wolle, müsse zuvor einen Parkplatz nachweisen und 15 000 Dollar zahlen.

SPD Frankfurt will Radwege ausbauen

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bleibt bescheidener. Er will 2020 den Ausbau der Radwege auf der Friedberger Landstraße anpacken. Und er erwartet von CDU und Grünen im Römer, „nicht wieder beim ersten Widerstand einzuknicken und davonzulaufen“. Großer Beifall.

VON CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT

Zum Fahrplanwechsel wurde die S-Bahn-Station Gateway Gardens in Betrieb genommen. Es läuft aber noch nicht alles rund, vieles ist noch ein Provisorium.

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