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Frankfurt: Debatte über Wandbild in der Paulskirche

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Von: Florian Leclerc

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„Der Zug der Volksvertreter“ (1991) von Johannes Grützke in der Paulskirche. Foto: Rolf Oeser
„Der Zug der Volksvertreter“ (1991) von Johannes Grützke in der Paulskirche. Foto: Rolf Oeser © ROLF OESER

Soll der „Der Zug der Volksvertreter“ von Johannes Grützke in der Paulskirche bleiben? Dazu sind zwei unterschiedliche Positionen aus dem Frankfurter Magistrat zu hören.

Die Frage, die der Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf (SPD) stellte, löste im Magistrat eine Debatte aus: Soll das Kunstwerk „Der Zug der Volksvertreter“ (1991) von Johannes Grützke in der Wandelhalle der Paulskirche bleiben oder entfernt werden? Das wollte er in der Fragestunde des Stadtparlaments wissen.

Die Antwort von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) fiel eindeutig aus. Das Rundbild, etwa 30 Meter lang und drei Meter hoch, das den VIP-Raum in der Wandelhalle von außen ziert, sei „eine Symbiose mit dem Ausstellungsort“ eingegangen, sagte sie. Hartwig verwies auf den Wettbewerb von 1987, den Johannes Grützke mit seiner figuralen Malerei gewonnen hatte. Jörg Immendorf kam mit einem in Orange gehaltenen Panorama damals auf Platz zwei, A. R. Penck mit einem Fries aus schwarzen Figuren und Zeichen auf Platz drei.

Zwei Stadträte - zwei Positionen

„Johannes Grützkes Wandbild hat nichts von seiner Aktualität und Wirkung verloren“, sagte Hartwig. Es zeigt, wie etwa 160 Abgeordnete in schwarzen und grauen Anzügen im Jahr 1848 in die Nationalversammlung einziehen, die in der Paulskirche tagte. Die Abgeordneten tragen die Kaiserkrone und ihren hingerichteten Kollegen Robert Blum. Frauen, Kinder, ringende Männer, Bauern, ein Schmied, ein Schaf und Schweine tauchen auf. „Johannes Grützke hat sich selbst in diesem Reigen als weiß gekleideter Kobold verewigt“, weiß die neue Ausstellung in der Wandelhalle.

„Es ist ein bedeutendes Stück Kunstgeschichte, auf das Frankfurt stolz sein kann“, sagte Hartwig. „An den Männern, der fleischlichen, sinnlichen Körperlichkeit lässt sich die Geschichtsmacht ablesen.“ Im Zuge der Sanierung der Paulskirche sollte es aber besser beleuchtet werden.

Der ehrenamtliche Stadtrat Bernd Heidenreich (CDU) bezog eine Gegenposition. Ob das Gemälde dem architektonischen Entwurf von Rudolf Schwarz für die wiederaufgebaute Paulskirche entspreche, fragte er rhetorisch. „Diese Frage wird von der Expertenkommission ergebnisoffen zu diskutieren sein.“ Aus seiner Sicht mache das Bild „den Eindruck eines weltfremden, gescheiterten Honoratiorenparlaments“. Dass die Abgeordneten „am Elend des Volkes vorbeilaufen, entspricht nicht ihren Leistungen“, sagte er. Denkbar sei, das Bild im Haus der Demokratie zu zeigen.

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