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Beteiligung an russischem Flughafen: Fraport gerät unter Druck

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Von: Florian Leclerc

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Von der Sperrung des europäischen Luftraums ist der Passagierverkehr in Frankfurt laut Fraport aktuell nur gering betroffen. Foto: Renate Hoyer
Von der Sperrung des europäischen Luftraums ist der Passagierverkehr in Frankfurt laut Fraport aktuell nur gering betroffen. © Renate Hoyer

Die Flughafenbetreiberin Fraport ist am zweitgrößten Flughafen Russlands in Sankt Petersburg beteiligt. Eine Initiative fordert, den Betrieb aufzugeben.

Frankfurt – Die Bürgerinitiative Sachsenhausen fordert die Flughafenbetreiberin Fraport auf, sich vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu distanzieren und den Betrieb des Flughafens in Petersburg aufzugeben. „Unser Appell an Fraport: Schließen Sie sich in dieser schwierigen Zeit als eines der großen deutschen Unternehmen der weltweiten Solidarität an“, sagte Ursula Fechter, eine Sprecherin der Bürgerinitiative Sachsenhausen.

Fraport hält 25 Prozent der Anteile am Betreiberkonsortium Northern Capital Gateway für den Flughafen Pulkowo in Sankt Petersburg. Der Flughafen ist der zweitgrößte Flughafen in Russland – nach dem Flughafen in Moskau. Seit 2010 ist Fraport an dem Flughafen Pulkowo beteiligt, der Vertrag läuft über 30 Jahre.

Fraport: Kein Personal in Sankt Petersburg vor Ort

Fechter wies darauf hin, dass sich andere Unternehmen wegen des Ukraine-Konflikts aus Russland zurückzögen. Der britische Erdölkonzern BP werde seinen Anteil an Rosneft, dem wichtigsten Erdölförderer Russlands, aufgeben. Der Erdölkonzern Shell löse seine Joint Ventures mit dem Staatskonzern Gazprom auf. Das betreffe die Förderung von Flüssig-Erdgas (LNG) auf der Insel Sachalin und die Beteiligung an der Pipeline Nord Stream 2. Hinzu komme das Ende von Gemeinschaftsunternehmen mit Gazprom Neft. Auch die Messe Frankfurt veranstalte in diesem Jahr keine Messen und Veranstaltungen in Russland.

Wie Unternehmenssprecher Jürgen Harrer ausführte, bestünden Fraports Aufgaben am Flughafen in Sankt Petersburg in der Übermittlung von Know-how und der Erbringung von Management-Leistungen – beides ruhe derzeit. „Wir haben vor Ort kein Fraport-Personal eingesetzt, und es gibt zurzeit keine geschäftlichen Aktivitäten – damit auch keine Beratung und keinen Transfer von Know-how nach Russland“, teilte der Fraport-Vorstand den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem internen Rundschreiben mit. „Der Angriff russischer Streitkräfte auf die Ukraine ist durch nichts zu rechtfertigen. Wir alle verurteilen diesen Krieg als das, was er ist: ein bewaffneter Angriff auf einen souveränen Staat und dessen Volk, ein klarer Bruch des Völkerrechts“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Flughafen Frankfurt von Sperrung des russischen Luftraums nur gering betroffen

Von der Sperrung des europäischen Luftraums sei der Passagierverkehr in Frankfurt aktuell nur gering betroffen. In dieser Woche seien lediglich 32 Abflüge verschiedener russischer Passagier-Airlines ab Frankfurt geplant gewesen. Über Zwischenstopps sei die Reise nach Russland derzeit noch möglich. Nur vereinzelt warteten Passagiere im Transit auf ihre Heimreise.

Anders sehe es für die Fracht aus: Das Cargo-Aufkommen mit Russland habe am gesamten Frachtaufkommen einen geringen Anteil. Insbesondere die Airbridge Cargo sei als russischer Frachtcarrier ein wichtiger Kunde. „Dieses Cargo-Aufkommen kommt in diesen Tagen zum Erliegen. Abwarten werden wir müssen, welche Auswirkungen der Krieg und die Sanktionen auf das Sommergeschäft an unserem Flughafen Antalya haben wird, denn Russland und die Ukraine sind dort üblicherweise die stärksten Urlaubsquellmärkte“, heißt es.

Fraport: Auswirkungen von Wirtschaftssanktionen gegen Russland noch unklar

Ob die internationalen Wirtschaftssanktionen gegen Russland auch Fraports Beteiligung am Flughafen in Sankt Petersburg betreffen werden, sei derzeit noch unklar. „Klar ist aber, dass der russische Angriff für ein etwaiges künftiges Engagement der Fraport in Russland eine sehr schwere Hypothek ist.“

Um die Bevölkerung in der Ukraine zu unterstützen, habe Fraport 100 000 Euro für Luftfahrt ohne Grenzen gespendet. Ein erster Hilfskonvoi habe den Frankfurter Flughafen am Mittwoch verlassen, sagte Harrer. (Florian Leclerc)

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