REG-Momem-boeckh_100820
+
Alex Azary wartet seit Jahren auf die Eröffnung seines „Museum of Modern Electronic Music“.

Museumsprojekt

Das Momem will durchhalten

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
    schließen

Das geplante Museum für elektronische Musik hofft auf eine Eröffnung an der Hauptwache noch in diesem Jahr. Die Macher sind sicher: „Das wird schon geil.“

Clubs und Museen haben ihre Probleme mit der Corona-Pandemie, beide Kulturrichtungen jeweils auf ihre Art. Hier kommt ein Projekt, das irgendwie beides ist: das Momem, Frankfurts geplantes, weltweit einzigartiges Museum für moderne elektronische Musik. Seit Jahren warten Fans auf die Eröffnung an der Hauptwache.

Sie werden noch länger warten müssen. Aber immerhin: Das Virus hat das Momem nicht zum Schweigen gebracht – im Gegenteil. „Es gibt viel Licht und viel Schatten zurzeit“, sagt Alex Azary vom Betreiberverein Friends of Momem, „aber wir machen unverzagt weiter und sind überzeugt: Das wird schon geil.“ Nach Möglichkeit noch in diesem Jahr.

Grundzüge und Meilensteine der Technokultur soll das Museum einst zeigen. Finanzierungsfragen waren nach langem Hin und Her mit der Stadt im Winter endlich geklärt – da kam Corona. „Eigentlich wollten wir vor dem Sommer eröffnen“, sagt Azary, der das Ganze mit einem Freundeskreis aus DJs und anderen Musikgrößen schon vor mehr als fünf Jahren anstieß.

„Die Renovierung sollte bis April fertig sein und wir hatten eine Kooperation mit der Musikmesse vereinbart.“ Abends, das war der Plan, sollte das Momem zur „Musikmesse-City-Lounge“ werden, noch ohne Museumsausstattung, nur mit kleiner Anlage und Bar.

Derlei Pläne waren mit Corona-Beginn bekanntlich hinfällig. „Anfang März war uns klar: Das wird alles nichts“, blickt Azary zurück. Doch die Arbeiten hinter den Kulissen liefen weiter. Zwar langsamer als geplant – was in vier bis fünf Wochen geschehen sollte, hat nun vier bis fünf Monate gedauert –, aber was vom ehemaligen Kindermuseum noch in den Räumen übrig war, ist weg. „Jetzt kommt Bauphase zwei: Wir bauen die Momem-Basics ein.“

Farbe in der Schweiz angerührt

Dass es während des Lockdowns nicht schneller ging, lag an denselben Problemen, die alle hatten: Bauarbeiter konnten nicht gleichzeitig in die Räume, Firmen stellten zeitweise den Betrieb ein, und es gab ganz spezifische Ursachen: Eine besondere Farbe für den Innenanstrich musste eigens in der Schweiz angerührt werden, weil die hiesige Filiale des Unternehmens nicht arbeiten konnte, die eidgenössische Dependance aber schon.

„Im Vergleich dazu, was andere wegen Corona erleiden müssen, kommen wir glimpflich davon“, sagt Azary. Dass das Museum beispielsweise noch kein Personal eingestellt hatte, erwies sich für alle Beteiligten als Glücksfall – so musste niemand entlassen werden. Die Gesamtfinanzierung ist freilich wieder ins Schwanken geraten. Kooperationspartner, die ihren Beitrag leisten wollten, hätten jetzt Schwierigkeiten, und passende Corona-Zuschusstöpfe für das Momem gebe es nicht. Die Kosten laufen weiter, die erhofften Einnahmen aus dem Betrieb bleiben aus.

Wie auch immer: Noch in diesem Jahr, hoffen die Momem-Macher, könnte es losgehen, je nach Entwicklung der Pandemie. Die Beschränkungen für Veranstaltungen gelten derzeit bis Ende Oktober. Ein Risiko will das Museumsteam auf keinen Fall eingehen. Immerhin rechnet es für die große Eröffnung mit 3000 bis 5000 Besuchern draußen vor dem Momem, rund um die Hauptwache. Hinein darf natürlich nur ein Bruchteil der Leute gleichzeitig. Dennoch: „Wir werden alles mit Augenmaß planen“, sagt Alex Azary: „Wir wollen keine Opernplatzzustände.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare