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Frankfurt: Das Leben mit kleinen Zügen genießen

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Von: Fabian Böker

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Die Waldbahn fährt am Karussell des Wäldchestags vorbei – zumindest im Kleinformat.
Die Waldbahn fährt am Karussell des Wäldchestags vorbei – zumindest im Kleinformat. © christoph boeckheler*

Die Modellbaufreunde Riederwald gehen ihrem Hobby mit großer Leidenschaft nach, Zurzeit bauen sie die historische Waldbahn zwischen Schwanheim und Neu-Isenburg nach

Ein Montagabend im November. Um die vereinbarte Adresse in der Straße Am Erlenbruch zu finden, muss man durch den Hof auf die Rückseite – und dann doch anrufen. Hinter einer unscheinbaren Glastür schließlich eröffnet sich eine Welt, die vielleicht von manchen Menschen belächelt wird. Die aber vor allem von einer Sache lebt: von Leidenschaft.

Willkommen in der Welt der Modellbahnfreunde Riederwald. Wer jetzt denkt, dass hinter der Glastür einfach nur ein paar Männer sitzen, die den ganzen Abend lang eine Spielzeugeisenbahn über Miniaturgleise fahren lassen, der oder die täuscht sich. Zwar kommt auch das manchmal vor, aber die meiste Zeit verwenden die Mitglieder des Vereins darauf, ihre Anlagen zu bauen, zu erweitern, zu reparieren und zu pflegen. Und dabei legen sie eine ungeheure Liebe zum Detail an den Tag.

Das aktuelle Projekt, an dem die Mitglieder arbeiten, ist die Waldbahn Frankfurt. Die verkehrte von 1889 bis 1929 zwischen Neu-Isenburg und Schwanheim (siehe zweiter Text) und wird seit Februar nachgebaut. Damals musste der Verein seine seit der Gründung im Jahr 2015 genutzten Räumlichkeiten im Hochbunker in der Schäfflestraße verlassen und fand in erwähntem Haus Am Erlenbruch eine neue Heimat. Die fest installierte Großanlage aus dem Bunker konnte nicht mit umziehen, also begann ein neues Vorhaben.

An diesem arbeitet nun unter anderem Peter Fritz. Auf die Frage, wie lange er und seine Mitstreiter:innen wohl daran sitzen werden, sagt er lachend: „Das wird nie fertig.“ Aber dazu später mehr. Was er recht konkret benennen kann, ist die Arbeitszeit für eine Schwanheimer Wagenhalle, die er bereits fertig nachgebaut hat: etwa 150 Stunden. In sanftem Ton erklärt Fritz, der auch Vorsitzender des Riederwälder Vereinsrings ist, wie das ablief. „Ich habe spezielle Platten, die ich zurechtschneide. Daraus werden die Wände und die Decke für die Halle. Dazwischen bringe ich kleine Stangen an, aus Folien mache ich die Fenster. Ganz am Ende bastele ich noch die Türen, die dann sogar automatisch geöffnet werden können.“ Klingt einfach, dauert aber eben seine Zeit und bedarf ruhiger Hände.

Die Vorlage zum Nachbau stammt von historischen Fotos, die sich Fritz besorgt hat. Auf dieselbe Art und Weise widmete er sich dem eigentlichen Herzstück einer solchen Anlage, den Bahnen. „Auf einem Nachbau einer Frankfurter Bahnstrecke sollten schon auch Frankfurter Straßenbahnen fahren“, formuliert Fritz den Anspruch. Das Problem: Solche Bahnen kann man nicht einfach kaufen oder selbst bauen. Aber da Peter Fritz nicht erst seit ein paar Tagen in diesem Bereich aktiv ist, hatte er dafür schnell eine Lösung. Er kaufte einfach eine Modellausgabe einer Kölner Straßenbahn, nahm sich Fotos des Frankfurter Vorbilds und gestaltete das rheinische Gefährt um – sowohl farblich als auch in Bezug auf die Ausstattung. „Die Kölner Bahn hatte vorne nur eine Lampe, die Frankfurter aber zwei. Also musste das geändert werden.“

Klingt alles etwas nerdig, aber das sehen Fritz und Vereinsvorsitzender Andre Fay nicht so. „Wir sind keine Nietenzähler“, sagen beide unisono und lachen. Nietenzähler? „Das sind manche unserer Kollegen bei anderen Vereinen. Wenn eine Bahn von 1824 an der linken Seite 13 Nieten hatte und sie entdecken irgendwo einen Nachbau mit 14, dann weisen sie mit Nachdruck darauf hin.“

Das macht Andre Fay nicht. Er hat stattdessen beim Besuch im Vereinsheim das große Ganze im Blick. Schaut mal hier, wo noch etwas fehlt, schaut mal dort, wo noch etwas verbessert werden könnte. Er berichtet, dass der Nachbau der Waldbahn auf insgesamt sechs Modulen stattfindet. 6,60 Meter lang wird die Anlage sein, wenn sie fertig ist, und rund 60 Zentimeter breit. Unten drunter versteckt sich die Technik, und auch bei der geht es um viele Details. Denn es gibt nicht einfach nur einen einzigen Schalter, den man drückt, und dann fahren die Bahnen, sondern für jede Bahn einen Schalter. Und dann noch einen für jede Weiche. Bei 6,60 Meter mal 60 Zentimeter auf sechs Modulen kommen da einige Schalter zusammen.

Aber diese Technik und das, was man mit ihr auslöst, fasziniert Andre Fay und Peter Fritz schon seit der Kindheit. Fay kam durch seinen Vater dazu, der eine Modelleisenbahn hatte. „Während der Jugendzeit trat das Hobby dann mal in den Hintergrund“, sagt er und lächelt verschmitzt. Später wurde es aber wieder Teil seines Lebens. Als die Bahn seines Vaters verkauft wurde, entdeckte Fay auch, was es alles so an Zubehör gab – und ging immer öfter auf Sammelbörsen. Später trat er dann einem Modellbauverein im Bad Homburger Stadtteil Gonzenheim bei – und traf dort auf Peter Fritz.

Der Verein und die Ausstellung

Die Modellbahnbahnfreunde Riederwald wurden am 1. Januar 2015 gegründet, damals von vier Personen.

Bis Februar dieses Jahres residierte der Verein im Hochbunker in der Schäfflestraße, danach folgte der Umzug in ein Haus Am Erlenbruch 8. Der Zugang erfolgt über die Schulze-Delitzsch-Straße.

Seit Mai gilt der Verein auch als e.V., wartet aber noch auf die endgültige Zulassung. Aktuell hat er 13 Mitglieder. Die treffen sich jeden Dienstag und Freitag um 19.30 Uhr. Auch Gäste sind nach vorheriger Anmeldung willkommen.

Am Samstag und Sonntag , 3. und 4. Dezember, richten die Modellbahnfreunde ihre nächste Ausstellung und Börse aus. Die findet in der Walter-Richter-Halle in der Schäfflestraße 20 statt, am Samstag von 13 bis 17 Uhr, am Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Für die Ausstellung sucht der Verein wegen einer kurzfristigen Absage noch eine große oder mehrere kleine Gastanlagen. Wer dabei helfen kann oder generell Fragen zum Verein hat, kann sich per E-Mail an info@ modellbahnfreunde-riederwald.de wenden. Alle Infos gibt es unter www. modellbahnfreunde-riederwald.de bö

Auch der war schon als Kind der Leidenschaft für Modellbahnen verfallen, sammelte später Eisenbahnen und baute in seinem Keller die Strecken zusammen. Nun macht er das im Verein, ist fast jede Woche da. „Manchmal sind wir hier zu sechst, manchmal aber auch alleine. Wir bauen, basteln, tüfteln, quatschen aber auch mal. Oder lassen die Bahnen einfach fahren.“ Wenn Fritz das sagt, spürt man die kindliche Begeisterung, die er sich bis heute bewahrt hat.

Samantha kann die nicht so wirklich teilen. Dabei ist sie genau wie Fritz Mitglied im Verein. Die 25-Jährige will ihren Nachnamen nicht nennen. Aber sie erzählt, wie sie zum Modellbauverein kam, obwohl „mir der Eisenbahnaspekt eigentlich ziemlich egal ist“.

Sie ist für die künstlerischen Arbeiten zuständig. Sie und ihre Mutter kannten Fritz und Fay, sie wurde dann in der Vergangenheit immer wieder mal gefragt, ob sie etwas gestalten könnte. Und so kam sie auf den Geschmack, „weil ich ja auch nie das Ergebnis meiner Arbeiten sehen konnte“. Also ist sie jetzt regelmäßig im Vereinsheim und beim aktuellen Projekt für den Wäldchestag zuständig, der entlang der Strecke aufgebaut wird. Dort gibt es alles zu sehen, was so einen Wäldchestag ausmacht.

Und wenn es heißt alles, dann ist auch wirklich alles gemeint. Ein Riesenrad, ein Kettenkarussell, ein Kinderkarussell, Schiffschaukeln. Aber es gibt auch eine Bude mit Fischbrötchen, einen Trailer für die Schausteller:innen, einen von Pferden gezogenen Brauereiwagen der – was sonst – Binding-Brauerei und einen mobilen Toilettenwagen für Damen und Herren. Die einzelnen Elemente gibt es zu kaufen, aber natürlich nicht in der Gestalt, wie sie jetzt hier stehen.

„Den Trailer habe ich komplett umlackiert“, erzählt Samantha, einem Fahrgeschäft hat sie diverse Fähnchen angesteckt, unter anderem eine von der Eintracht. Der Brauereiwagen wurde durch ihre Detailarbeit zu einem mit Lokalkolorit, das Highlight aber ist die Imbissbude. Auch die gab es von der Form her so zu kaufen, allerdings als Hähnchen-Imbiss. Das sollte nicht so bleiben. Also wurde Samantha aktiv, klebte ein Holzdach drauf, nannte den Imbiss zum „Ochse am Spieß“ um – und brachte genau das im Inneren an: einen Ochsen am Spieß, der sich auf Knopfdruck sogar dreht.

Das kann bei der Ausstellung am 3. und 4. Dezember ausprobiert werden. An die große Technik werden die Besucher und Besucherinnen nicht dran gelassen, aber sie können per Knopfdruck Fahrgeschäfte in Gang setzen, Beleuchtungen an- und ausschalten oder auf einer Teststrecke auch mal eine Bahn fahren lassen. Auch Fragen werden gestellt, nach Details auf dem nachgebauten Wäldchestag-Gelände etwa.

Eine Frage, die der Verein noch beantworten muss, ist die nach seiner Zukunft. Denn für gewöhnlich dürften Modellbauvereine nicht gerade die sein, die erheblichen Zulauf von jungen Menschen haben. Peter Fritz und Andre Fay sind da aber zuversichtlich. Ja, man habe rund um die Corona-Zeit zwei jüngere Mitglieder verloren. „Dafür haben wir seit unserem Umzug aber auch wieder vier neue Mitglieder gewonnen“, freut sich Fay. Was ihn wiederum nicht wundert, „denn während Corona haben wir oft gehört, dass sich viele Menschen wieder eine Eisenbahn gekauft haben“.

Es kann also gut sein, dass es demnächst weitere Hilfe beim Bau der Waldbahn-Nachbildung gibt. Und die würde gerne gesehen werden, „denn selbst, wenn alle Module irgendwann fertig sind, können wir jederzeit was anbauen, ändern, neu gestalten“, so Peter Fritz. Bis zur Ausstellung werde nur ein Teil fertig sein, danach werde es zum Jahresprojekt des Vereins. Denn, wie er bereits sagte: „Das wird nie fertig.“

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