Frankfurt: Geschäftsführerin Anja Döbritz-Berti in der Galerie Hanna Bekker vom Rath.
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Geschäftsführerin Anja Döbritz-Berti in der Galerie Hanna Bekker vom Rath.

Kunst

Gallery Weekend soll zum Erlebnis werden

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Anja Döbritz-Berti, Geschäftsführerin der Galerie Hanna Bekker vom Rath, setzt Hoffnung in den Saisonstart der Frankfurter Galerien.

Die Tür zur Galerie Hanna Bekker vom Rath in der Braubachstraße 12 nahe dem MMK steht offen. Herein weht kühlende Luft, die über das offene Fenster wieder entweicht. „Wir machen Durchzug“, sagt Geschäftsführerin Anja Döbritz-Berti. Das hat mit Corona zu tun und damit, den Besucherinnen und Besuchern, die von Infektionssorgen geplagt sind, den Schritt über die Türschwelle zu erleichtern.

Am Freitagabend um 18 Uhr beginnt die neue Saison der Frankfurter Galerien mit zahlreichen Eröffnungen. Der Saisonbeginn setzt sich am Samstag und Sonntag fort. 43 Galerien und zwölf weitere Ausstellungsorte nehmen teil, in der Innenstadt, im Westend, in Sachsenhausen, im Ostend und im Bahnhofsviertel.

Das Gros der Galerien verteilt sich über die Fahrgasse, die Braubachstraße und den Weckmarkt. Anja Döbritz-Berti hofft, dass viele auch bei Hanna Bekker vom Rath vorbeischauen. „Wir schenken Getränke in Gläsern aus, achten aber darauf, dass die nicht zweimal benutzt werden, aber auf Häppchen müssen wir in diesem Jahr verzichten.“ Damit niemand etwas anfasst und liegen lässt.

Am heutigen Montag werden die Kunstwerke der Sommeraustellung „Lustwandel“ abgehängt. Dann reist Robert Klümpen, Künstler und Kunstprofessor an der Kunsthochschule Halle an, um gemeinsam mit Christina Veit, die die Galerie führt, die Gemälde aufzuhängen. Kleine Formate und zwei Meter große Bilder sind dabei, expressionistisch und farbenfroh, Größen der Kunstgeschichte zitierend, zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit wechselnd.

Bei der Eröffnung von „Voll da“ am 4. September wird der Künstler Robert Klümpen anwesend sein, allerdings mit Maske – wie die anwesenden Gäste. Für Anja Döbritz-Berti und Christina Veit steht fest, dass die persönliche Begegnung mit dem Künstler, der Dialog zwischen Galeristin und Kunstinteressierten, den Reiz des Galerieerlebnisses ausmachen. „Ich erwarte, dass dieses Event wieder unser treues Stammpublikum anzieht“, sagt Christina Veit. „Die Stadt hat uns zwei schöne Bänke vors Haus gestellt, auch da können sich die Menschen aufhalten.“

Saisonstart der Galerien

Beim 26. Saisonstart der Galerien beteiligen sich 43 Galerien und 12 weitere Veranstaltungsorte in der Stadt.

Das Ausstellungsprogramm ist am Freitag, 4. September, 18 bis 21 Uhr, sowie am Samstag und Sonntag, 5. und 6. September, von 11 bis 18 Uhr.

Veranstalter ist „The Frankfurt Art Experience“. Auf der Website frankfurtexperience.art können Besucherinnen und Besucher Karten für die Diskussionsreihe „Talks“ und die Führungen „Walks“ kaufen. Tickets für die „Talks“ kosten fünf bis zehn Euro, Tickets für die „Walks“ zehn Euro. Die „Talks“ finden im „LSTNR-Space“ in der Großen Eschersheimer Straße 16 statt. Die „Walks“ führen durch Stadtteile, in denen sich Galerien und Offspaces befinden. fle

Nebenan ist das Auktionshaus Döbritz, das Anja Döbritz-Berti leitet. Eine Auktion im Juni sei gut gelaufen, erzählt sie. Vor allem per Telefon und Online seien zahlreiche Objekte verkauft worden, zu Preisen im drei- bis vierstelligen Bereich. „Bis zu 3000 Euro sind die Kundinnen und Kunden bereit auszugeben, bei hochpreisigen Kunstwerken ist eine Zurückhaltung zu spüren.“

Sie begründet das mit der Corona-Pandemie. Die Menschen müssten ihr Geld zusammenhalten. Die nächste Auktion mit Gemälden, Skulpturen, Silber, Möbeln, Porzellan ist am 24. Oktober.

Die Zurückhaltung bekommen auch die Frankfurter Galerien zu spüren, die in den vergangenen Monaten deutlich weniger Besucherinnen und Besucher zu verzeichnen hatten. Erst ab Juni seien wieder mehr Menschen in die Galerie Hanna Bekker vom Rath gekommen, etwa 60 pro Woche, sagt Christina Veit. „Wir schauen aber halbwegs optimistisch in die Zukunft.“ In die Galerie kämen etwa gleich viele Menschen, die ein Kunstwerk kauften, und solche, die einfach nur schauen wollten. „Das teilt sich etwa 50 zu 50 auf“, sagt sie. Vom Saisonbeginn erhofft sich Christina Veit einen Schwung für die Branche, die unter der Corona-Pandemie gelitten hat. „Das Frankfurt Gallery Weekend soll zeigen, dass Frankfurt nicht nur tolle Museen hat, sondern auch erstklassige Galerien“, sagt sie.

Wie schon im vergangenen Jahr wird der „LSTNR-Space“ auf dem Gelände des früheren Rundschau-Hauses in der Großen Eschenheimer Landstraße 16 zu einer Ausstellungsfläche für zahlreiche Galerien. Besucherinnen und Besucher können sich Kunstwerke anschauen und kaufen oder an einem der „Talks“ teilnehmen, in denen etwa über „Strukturwandel – wie krisenresistent ist der Kunstmarkt?“ gesprochen wird. Veranstalter ist „The Frankfurt Art Experience“, die auch kuratierte Führungen anbietet. Die Guides begleiten die Gäste in die Galerien oder laufen mit ihnen durch Stadtteile und machen in Galerien und Offspaces halt. Auch der ADFC Frankfurt macht mit.

Anja Döbritz-Berti und Christina Veit loben diese Art der Kunstvermittlung. „Wir spüren immer noch eine gewissen Schwellenangst bei manchen Besuchern, die lässt sich mit den Führungen leichter überwinden.“

Die Tür in der Galerie Hanna Bekker vom Rath stehe ohnehin offen.

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