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Frankfurt: Das düstere Kapitel des MAK

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Von: Andreas Hartmann

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Eine kostbare Goldschmiedearbeit aus der Sammlung Max von Goldschmidt-Rothschild, heute in Los Angeles.
Eine kostbare Goldschmiedearbeit aus der Sammlung Max von Goldschmidt-Rothschild, heute in Los Angeles. © MAK

Das Frankfurter Museum beschäftigt sich 2022 mit der Enteignung des Sammlers Max von Goldschmidt-Rothschild in der NS-Zeit.

Der jüdische Bankier Maximilian von Goldschmidt-Rothschild (1843–1940) war ein leidenschaftlicher Sammler schöner Dinge. „Seine Sammlung galt als eine der besten Deutschlands“, sagt Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst (MAK). In der NS-Zeit wurden dem hochbetagten Frankfurter sein Palais an der Bockenheimer Landstraße, der dazugehörige Park und die rund 1500 Kunstobjekte seiner Sammlung abgepresst. Von Goldschmidt-Rothschild starb als Untermieter seiner prachtvollen Villa, die Sammlung teilten Frankfurter Museen unter sich auf, wie Wagner K berichtet.

Auch sein eigenes Haus, das damalige Museum für Kunsthandwerk, erhielt Spitzenstücke. Nach dem Krieg wurden die meisten Kunstobjekte an die Erben zurückgegeben, die Spurensuche dauert aber an. Das MAK widmet Max von Goldschmidt-Rothschild nun vom 5. November bis zum 26. Februar 2023 die erste Ausstellung überhaupt, wie Wagner K bei der Vorstellung des Jahresprogramms sagte.

Dazu reisen Reliquien und Gläser, Goldschmiedearbeiten, Gemälde und Möbel aus internationalen Museen nach Frankfurt. Man wolle die Provenienzforschung, also die Suche nach früheren Eigentümer:innen, die das Museum leiste, „als Grundsteinlegung für einen in die Zukunft reichenden Erinnerungspfad“, formuliert Wagner K.

Für das laufende Jahr plant das Museum daneben einen bunten Strauß an weiteren Ausstellungen. Zu sehen sind unter anderem „Mythos Handwerk“ in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer (29. April bis 11. September), Fotografien von Norbert Schoerner (14. Mai bis 18. September) und die Werkschau „Zeitzeugenschaft“ zum 90. Geburtstag der bekannten Frankfurter Künstlerin E. R. Nele (24. September bis 8. Januar 2023). Darüber hinaus versucht das Museum, das Phänomen der Preisexplosion bei digitaler Kunst zu entschlüsseln (Unblock Gaudi. Digitale Kunst via Blockchain, 26. Mai bis 24.Juli).

Das Museum hat seine Öffnungszeiten zugunsten von Schulklassen in der Pandemiezeit stillschweigend eingeschränkt. Damit Schülerinnen und Schüler mit dem pädagogischen Programm „Das Angewandte Klassenzimmer“ vormittags unter sich sind und so das Infektionsrisiko verringert werden soll, öffnet das MAK an Werktagen erst um 12 Uhr.

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