1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Das Auto gegen ein Fahrrad tauschen

Erstellt:

Von: Steven Micksch

Kommentare

Künftig soll es mit dem Rad zur Arbeit gehen.
Künftig soll es mit dem Rad zur Arbeit gehen. © ROLF OESER

Bis zu 20 Projektteilnehmende aus Frankfurt pendeln vier Wochen lang mit dem E-Bike zur Arbeit. Sie sollen anschließend dauerhaft vom Fahrrad überzeugt sein, hoffen die Projektverantwortlichen. Die Teilnehmenden haben unterschiedliche Gründe, um mitzumachen.

Noch etwas unsicher angesichts der neuen Möglichkeiten stehen ein paar der Teilnehmenden des Projekts „PendlerratD-Plus“ am Montagabend neben ihren E-Bikes. Sie machen sich vertraut mit der Technik, mit der Gangschaltung und gucken, dass alles sitzt. Am Ende fuhren aber alle 16 Männer und Frauen aufgeregt und zufrieden durch die Frankfurter Straßen. Vier Wochen lang dürfen sie nun die E-Bikes ausführlich testen und für ihren Weg zur Arbeit nutzen. Den Radverkehr attraktiver gestalten, sicherer machen und Deutschland zu einem Radpendlerland zu machen – das hat sich das vom Bundesministerium für Digitalisierung und Verkehr geförderte Projekt auf die Fahnen geschrieben. Es ist Teil des Nationalen Radverkehrsplans, und nun soll Frankfurt auch Teil der Forschung werden.

Mindestens 200 Pendler:innen sollen dafür jeweils für vier Wochen vom Auto auf das E-Bike umsteigen. Nach Möglichkeit sollen in Frankfurt die 16 Teilnehmenden auf 20 aufgestockt werden. „Wir haben vorrangig nach Autofahrern als Teilnehmer gesucht“, sagt Isabell Falke vom PendlerratD-Forschungsteam. Diese sollen nach Möglichkeit täglich das geliehene Rad für den Arbeitsweg nutzen und die Strecke per Handy-App tracken. Wer fleißig strampelt, kann im Bonusprogramm in der App Gutscheine und Sachpreise erradeln. Dabei kommt es auf gefahrene Kilometer, Höhenmeter und Anzahl der Fahrten an. Die Forschungsgruppe aus Heilbronn schaut am Ende, wie nachhaltig das Ganze war, was die meiste Motivation gab, und was abschreckte. Nach vier Wochen geht der Versuch in einer anderen Stadt weiter. 2023 wird das Ganze auch in Norddeutschland stattfinden.

Die App

Per „PendleratD“-App fürs Handy können die Teilnehmenden ihre Strecken messen lassen. Dabei zählt aktuell nur die Strecke von zu Hause zur Arbeit und andersherum. Künftig sollen aber auch Freizeitfahrten belohnt werden, weil jeder Verzicht aufs Auto Gesundheit und Umwelt nutzen.

In der Applikation können teilnehmende Arbeitgeber auch Challenges starten, um den Mitarbeitenden extra Ziele vorzugeben und diese zu belohnen.

Auch nach der Pilotphase können die Teilnehmenden die App weiter nutzen. Später sollen noch Gesundheitsfunktionen (koppeln von Fitness-Apps) und ein Monitoring (wie viel CO2 hat mein Weg heute gespart?) hinzu kommen.

Das Monitoring kann bereits jetzt im Internet von allen Menschen ausprobiert werden. Auf der Internetseite pendlerratd.com gibt es unter „Monitoring-Modul“ den Umstiegsrechner. Er zeigt auch wie viel Geld und Emissionen man sparen könnte. mic

Darüber hinaus sollen durch VR-Experimente Erkenntnisse zur Sicherheit im Straßenverkehr gewonnen werden und durch die begleitende Kampagne „Miteinander“ die Kommunikation zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmer:innen verbessert werden. Die Forschenden versuchen außerdem, Ideen für einen friedlichen und respektvollen Umgang im Verkehr zu sammeln.

Für die Teilnehmenden aus Frankfurt war laut Umfrage am Montag häufig das Testen eines E-Bikes das Hauptmotiv zur Teilnahme. Auch die Frage, ob man den Arbeitsweg entspannt per Rad bewältigen könne, soll überprüft werden. Schließlich wurde auch der Fitness- und Umweltaspekt genannt.

Damit die vier Wochen problemlos klappen, gab es neben dem Fahrrad auch noch ein Ladegerät, Schutzhelm, Satteltasche, Fahrradschloss und Handtuch dazu. Bei einem digitalen Pendlerstammtisch sollen Erfahrungen und Probleme während der vier Wochen besprochen werden.

Bereits 2019 bis 2021 gab es in Stuttgart und Heilbronn einen solchen Feldversuch. Dabei wurden 120 000 Kilometer geradelt und häufig auch Umwege in Kauf genommen, um die beste Strecke zur Arbeit zu haben. 85 Prozent wollten danach weiter pendeln.

Auch interessant

Kommentare