1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Dankbar für die Erinnerung an Blanka Zmigrod

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hanning Voigts

Kommentare

Renée Salzman, eine Nichte von Blanka Zmigrod, ist extra aus Israel eingereist, um ihrer Tante zu gedenken.
Renée Salzman spricht bei der Gedenkveranstaltung für ihre Tante Blanka Zmigrod © Christoph Boeckheler

Ende Februar wurde in Frankfurt an die Auschwitz-Überlebende Blanka Zmigrod erinnert, die vor 30 Jahren ermordet worden war. Ihre Nichte Renée Salzman ist noch voller Eindrücke von ihrem Besuch am Main.

Zum Glück, sagt Renée Salzmann, sei ihr nicht mehr so kalt. Seit sie wieder zu Hause in Israel sei, scheine durchgehend die Sonne, und es herrschten angenehme 24 Grad. „Ich habe in Deutschland sehr gefroren, das muss ich sagen“, berichtet die 69-Jährige. Doch auch wenn sie nun das Wetter in Ra’anana nördlich von Tel Aviv wiederhabe, sei sie in Gedanken noch in Frankfurt, sagt die Unternehmerin. Sie sei emotional stark aufgewühlt. Und leider habe sie auch immer noch Alpträume.

Eine Woche lang war Renée Salzman Ende Februar mit ihrem Mann zu Besuch in Hessen. Sie besuchte Frankfurt und Wiesbaden, traf alte Freund:innen und schloss neue Bekanntschaften. Die Unternehmerin war in der Region, um an ihre Tante Blanka Zmigrod zu erinnern, eine Cousine ihrer Mutter, die für Salzman lange Zeit wie eine zweite Mutter war. Die 1924 als deutschsprachige Jüdin im polnischen Chorzów geborene Zmigrod hatte zur Zeit des Nationalsozialismus mehrere Konzentrationslager überlebt und ab 1960 in Frankfurt eine neue Heimat gefunden. Am 23. Februar 1992 war sie im Kettenhofweg im Frankfurter Westend von einem schwedischen Neonazi ermordet worden.

Erinnern kostet Kraft

Zmigrods Schicksal war in der Stadt lange in Vergessenheit geraten, erst durch das Engagement des Publizisten Ruben Gerczikow war seit dem vergangenen Jahr wieder verstärkt an sie erinnert worden. Am 23. Februar, ihrem 30. Todestag, hatten 100 Menschen am Tatort im Kettenhofweg an Zmigrod erinnert, darunter Renée Salzman und ihr Bruder Leon Stzabelski, der aus Neuss in Nordrhein-Westfalen angereist war. Tags zuvor war im Beisein von Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) eine Gedenktafel für Blanka Zmigrod eingeweiht worden.

Berichte

Die Frankfurter Rundschau hat seit Anfang vergangenen Jahres mit mehreren Texten über die Initiative von Ruben Gerczikow und das Gedenken an Blanka Zmigrod berichtet. Den umfangreichsten Text über sie und ihre Nichte Renée Salzman kann man im Netz unter www.fr.de/zmigrod-deutsch weiterhin nachlesen.

Für Leser:innen aus Israel hat die FR diesen Text extra auf Hebräisch übersetzen lassen, er steht im Netz unter www.fr.de/zmigrod han

Die Zeit in Deutschland sei für sie sehr intensiv gewesen, sagt Renée Salzman. Seit sie vor einem Jahr das erste Mal von Ruben Gerczikow und seiner Gedenkinitiative für ihre Tante gehört habe, habe sie extrem viele Kontakte geknüpft, ihre Reise vorbereitet, neu über das Leben ihrer Tante nachgedacht und recherchiert. „Das ein unheimlicher Stress für mich, das ganze Jahr“, sagt Salzman. In gewisser Weise sei sie schon „seelisch erschöpft“ in Frankfurt gelandet, auch die Gedenkkundgebung sei für sie unheimlich emotional gewesen.

Endlich Aufmerksamkeit

Zugleich nehme sie auch viele positive Eindrücke mit. „Ich bin sehr gerührt über die Aufmerksamkeit, die Blanka gegeben wurde“, sagt Salzman. Dass Oberbürgermeister Peter Feldmann und Abgeordnete des Bundestages an der Kundgebung teilgenommen hatten, freue sie sehr, und ebenso, dass in Frankfurt nun endlich an das Schicksal ihrer Tante erinnert werde. Sie hoffe, „dass man laut genug war, um solche Dinge in der Zukunft zu verhindern“.

Ruben Gerczikow und der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Linke), die sich für eine Erinnerung an Blanka Zmigrod stark gemacht hatten, werde sie ihr Leben lang dankbar sein, so Salzman. Nur wegen Gerczikow, der mit einer Petition die Einrichtung der Gedenktafel gefordert hatte, sei sie von Israel nach Frankfurt gekommen. Als sie im vergangenen Jahr in Ra’anana von Gerczikows Initiative gehört habe, habe sie sofort beschlossen, ihn zu kontaktieren. „Wenn sich schon ein Fremder diese Mühe macht, wie kann ich still sein?“

Hoffen auf weitere Aufklärung

Obwohl Blanka Zmigrod nun - 30 Jahre nach ihrem Tod - wieder im Gedächtnis der Stadt Frankfurt verankert ist, lässt Salzman das Thema keine Ruhe. Sie hat immer noch Fragen zum Mord an ihrer Tante, etwa was aus dem Schmuck geworden ist, den Zmigrod am Tag ihres Todes trug.

Salzman hofft, bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft Akteneinsicht erwirken zu können, um die letzten offenen Fragen zum Tod ihrer geliebten Tante beantwortet zu bekommen. Bevor sie alles wisse, was sie in Erfahrung bringen könne, sagt Salzman, werde sie keine Ruhe finden.

(Hanning Voigts)

Auch interessant

Kommentare