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Kontrollierte Heroinabgabe gibt es bereits in Frankfurt.

Drogenpolitik

Crack auf Rezept kommt gut an

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Der Gesundheitsdezernent in Frankfurt, Stefan Majer, schlägt einen Modellversuch für die kontrollierte Crackabgabe an Schwerstabhängige vor - und erntet viel Zustimmung.

Viele positive Reaktionen erhält Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) für seine im FR-Interview erhobene Forderung nach einem Modellversuch einer kontrollierten Crackabgabe an Schwerstabhängige. Voraussetzung sei, dass das Modellprojekt vom Bund genehmigt werde.

Gabi Becker, Geschäftsführerin der Integrativen Drogenhilfe, findet, der Vorschlag gehe in die richtige Richtung. „Es ist dringend notwendig, die Menschen aus der Illegalität rauszuholen.“ Die Drogenabhängigen seien den Spielregeln des lebensbedrohlichen Schwarzmarkts ausgesetzt. „Die Dealer verkaufen die Cracksteine aus dem Mund heraus beispielsweise direkt in die Pfeife der Konsumenten. Da gibt es keinen Verbraucher- und keinen Gesundheitsschutz.“ Außerdem gebe es für Crack, anders als bei Heroin, keine Substitution. Becker betont, bei Crack handele es sich selbstverständlich um eine absolut gefährliche Substanz. „Es geht auch nicht darum, dass es Crack an jedem Kiosk geben, sondern eben kontrolliert und reguliert an Süchtige abgegeben werden soll.“ Ein solcher Schritt gehe aber nicht von heute auf morgen, sondern müsse sorgfältig durchdacht werden. „Es müssten auch viele Fragen geklärt werden. Zum Beispiel, woher man das Crack bekommt.“

Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Römer, Ursula Busch, betont, sie sei froh über Majers konkreten Vorschlag. „Wir fordern schon länger, dass es eine Fortentwicklung des Frankfurter Wegs gibt. Wir hätten uns aber gewünscht, dass dieser Vorschlag schon früher und nicht erst am Ende dieser Wahlperiode gekommen wäre.“ Denn ob die Crackvergabe der richtige Weg sei, müsse zunächst auch mit Fachleuten diskutiert werden und dann rechtlich einwandfrei sein.

Schmitt: Crack ist eine der zerstörerischsten Drogen

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende, Christoph Schmitt, findet Majers Vorschlag nicht gut. „Ich bin sehr überrascht über Herrn Majers Vorschlag. Das ist gesundheitlich nicht zu verantworten. Crack ist eine der zerstörerischsten und schlimmsten Drogen. Das Ziel sollte es doch sein, Cracksüchtige von der Droge wegzubringen. Herr Majers Lösungsansatz wirkt sehr resignierend. Wir müssen was machen, aber Crack zu verteilen ist nicht die Lösung.“

Martin Kliehm, der Frakionsvorsitzende der Linken, findet Majers Vorschlag eine „super Sache“. „Das ist total sinnvoll. Denn Cracksüchtige haben einen hohen Beschaffungsdruck. Nach zwei, drei Stunden müssen sie sich die nächste Pfeife besorgen. Eine kontrollierte Abgabe würden ihnen helfen, aus dem Beschaffungsdruck und der Verelendung rauszukommen.“ Falle der Beschaffungsdruck weg, könnten sie wie einige Konsumenten, die im bereits bestehenden Heroinabgabe-Programm dabei seien, einem Job nachgehen und sich eine Wohnung leisten. „Sie müssten dann nicht mehr auf der Straße leben und sich auch nicht prostituieren.“

Ähnlich sieht es Jürgen Klee, Fachbereichsleiter Drogen bei der Frankfurter Aidshilfe. „Die kontrollierte Abgabe von Drogen ist eine gute Möglichkeit, den Schwerstabhängigen ein menschenwürdiges Leben und Überleben zu ermöglichen und die Situation im Frankfurter Bahnhofsviertel zu entspannen. Solch ein Programm kann zu einer gesundheitlichen Stabilisierung beitragen – diese ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass sich neue Perspektiven für die Betroffenen entwickeln können.“

Die FDP-Fraktionschefin, Annette Rinn sagt, ihre Partei sei grundsätzlich offen für Majers Vorschlag und wolle diesen Weg zumindest nicht verschließen. „Es wäre eine Möglichkeit, der Beschaffungskriminalität Herr zu werden.“ Für Birgit Ross, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, ist es „ein wunderbarer Vorstoß, denn die Humanität steht im Fokus“.

Eine kontrollierte Crackabgabe könnte die Ausschreitungen in Frankfurt reduzieren. Das findet neben Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) auch George, der selbst von der Droge abhängig ist.

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