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Frankfurt Corona-Testzentren: „Viele, die sich mit Symptomen testen lassen, sind positiv.“

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Von: Judith Köneke, Kathrin Rosendorff

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Das Testzentrum in der Frankfurter Innenstadt hat Sommerpause.
Das Testzentrum in der Frankfurter Innenstadt hat Sommerpause. © Renate Hoyer

In den Testzentren in Frankfurt herrscht unterschiedlich viel Betrieb, aber seitdem man zahlen muss, kommen weniger Menschen. Die Quote der Positiven ist dennoch recht hoch.

In einem Corona-Testzentrum unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs bildet sich eine Schlange, ein kleiner Junge liegt erschöpft ohne Maske am Boden. Die Eltern sind mit der Anmeldung beschäftigt. Ähnlich viel los ist Anfang der Woche in drei Testzentren in Bockenheim. „Sie sind positiv. Wollen Sie gleich den kostenlosen PCR-Test machen?“, fragt eine Mitarbeiterin einen Mann ziemlich laut. Der hinter ihm in der Schlange Wartende nimmt erstmal Abstand. „Ich bin nur hier, weil ich eine rote Warn- app habe und jetzt ein paar Kollegen positiv getestet wurden.“ Eine Frau sagt: „Ich lasse mich fast täglich testen. Immer, wenn ich meine Mutter im Krankenhaus besuchen will. Heute, weil meine Familie krank ist.“ Ein Mitarbeiter eines Testcenters auf der Leipziger Straße berichtet, dass hier täglich rund 150 Tests durchführen. „Das schwankt von Woche zu Woche. Aber gerade ist wieder mehr los.“

Das Gesundheitsamt Frankfurt teilt auf FR-Anfrage mit, dass das Infektionsgeschehen in der Stadt seit zwei Wochen insgesamt rückläufig sei. Das könne aber durch die aktuellen Schulferien und die damit verbundene Reisezeit begünstigt sein. Die Anzahl belegter Intensivbetten der an COVID-19 erkrankten Patient:innen habe sich in den vergangenen zwei Wochen verdoppelt.

Im Testcenter an der Messe steht am gleichen Vormittag niemand an. „Hier ist mehr am Wochenende los, wenn die Menschen sich für den Besuch bei den Großeltern oder im Pflegeheim testen lassen“, erzählt die Mitarbeiterin, sagt aber auch, dass die meisten, die ansonsten kommen, Symptome hätten. „Neu ist, dass viele berichten, dass sie unter Erbrechen und Durchfall leiden.“ Laut Studien sind Übelkeit und Erbrechen aber keine omikronspezifischen Symptome, sondern können seit Beginn der Pandemie auftauchen. „Ich habe zwei Tage lang nur gebrochen. Ich habe geweint, weil ich so erschöpft war. Und meine Stimme war weg“, berichtet eine junge Frau, die einen PCR-Test im Testcenter am Hauptbahnhof macht.

Mit Symptomen zum Test

In den Testzentren in der Innenstadt ist ebenfalls wenig Andrang. Das Testcenter in der Berliner Straße hat Sommerpause, so steht es auf einem Zettel an der Tür. In der Corona-Warn-App, die auch Testzentren listet, sind die Sommerferien aber nicht notiert. Im My Zeil sind in den beiden Testzentren nur vereinzelt Menschen. Eine Mitarbeiterin erklärt, pro Tag kämen um die 50 Menschen. „Die, die kommen, haben meist Symptome und sind dann auch meist positiv getestet.“ Verwirrung herrsche aber immer noch bei der Bezahlung. „Die Leute denken, dass der Schnelltest immer drei Euro kostet. Aber das stimmt nicht.“ Denn das gelte nur für Leute, die einen Nachweis für Veranstaltungen brauchten, oder weil sie jemanden, der über 60 Jahre alt ist, am gleichen Tag besuchen wollen oder eine rote Warnapp hätten. Wenn man aber nur Symptome habe, zahle man bei ihnen im Regelfall 9,50 Euro. Kostenlose Tests gibt es noch für Kinder unter fünf Jahren, für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen, bei Besuchen im Krankenhaus oder Pflegeheim, für Pflegende, Schwangere im ersten oder zweiten Drittel. Oder auch für Menschen, die sich freitesten lassen wollen oder mit einer infizierten Person im Haushalt leben.

Inzidenzen in Frankfurt

Die aktuelle Inzidenz für Frankfurt liegt bei 435,4.

Im Kalenderwochenvergleich (KW29 vs. KW30) verzeichnet das Gesundheitsamt Frankfurt einen Rückgang gemeldeter Fälle um 18,6 Prozent.

Die höchsten Altersinzidenzen werden derzeit für die Altersgruppen der 20- bis 39-Jährigen (841) sowie der 40- bis 59-Jährigen (851) dokumentiert. Der deutlichste Rückgang der Inzidenzen lässt sich für die schulpflichtigen Altersgruppen beobachten.

Zurzeit sind nach Angaben des Gesundheitsamts 140 Testzentren in Frankfurt aktiv. jkö/rose

Auf der Berger Straße sind gegen Mittag auch keine Schlangen vor den Testzentren. Immerhin drei gibt es noch zwischen Bornheim Mitte und Bethmannpark. Ein großes am Merianplatz hat geschlossen, die Räume sind schon komplett ausgeräumt. Ein älterer Mann wartet bei Medical Vital auf sein Ergebnis. Er möchte seine Ehefrau im Krankenhaus besuchen und braucht jedes Mal einen Test. Hier bekommt er ihn auch ganz analog.

Seit 2020 gebe es schon in das Center, es sei quasi als Außenstelle der Praxis von Dr. Rummel in Sachsenhausen gegründet worden, erklärt eine Mitarbeiterin. Es kämen immer noch viele zum Testen. Vor allem für den kostenlosen PCR-Test, den dürften nicht alle Zentren machen. Natürlich arbeite man auch profitorientiert, aber der Schwerpunkt liege auf der Praxis, da könne man auch durchhalten, besser als so manches andere Zentrum, trotz hoher Miete. So lange eine schwarze Null auf der Abrechnung stehe, mache man weiter. Und der Mietvertrag sei monatlich kündbar.

Ihrer Erfahrung nach treffe die neuere Variante oft Ältere, von Mitte 70 bis Mitte 90, wenn auch relativ mild. Viele seien danach aber schlapp und sehr lange positiv, mitunter 14 Tage bis zu drei Wochen. Vielleicht läge es auch daran, dass es viele Altenwohnanlagen in der Gegend gebe und sie analoge Bescheinigungen und Registrierungen anböten. Von den Besucher:innen der Altenheime hört sie ganz unterschiedliche Vorgaben, bei manchen darf der Test nicht älter als 12 Stunden sein, bei einem sogar nur sechs, bei anderen 72, das sei aber zu lang, findet sie.

Abwarten bis zum Herbst

Ein Mitarbeiter eines der Testzentren, das geschlossen wurde, erklärt, warum sie zugemacht haben: „Rund hundert Menschen, die sich am Tag testen lassen wollten - das rechnet sich nicht.“ Nicht bei einer hohen Miete und mit viel Personal. Namen und Center möchte er nicht preisgeben. Von den hundert Menschen, die täglich gekommen seien, seien bestimmt 25 positiv gewesen, ein deutliches Ergebnis, meint der Mann. In Hochzeiten hätten zwischen 800 und 1000 Menschen das Testcenter besucht. Man lagere nun alles ein und warte ab, wie es im Herbst aussehe. Und mache dann vielleicht an einem anderen Standort wieder auf.

Covi-Medical betreibt vier Testzentren in Frankfurt. Ein Sprecher teilt mit, dass sie, seitdem die Tests kostenpflichtig sind, einen Rückgang der Schnelltests um 25 bis 30 Prozent verzeichnen. „Aber wir sehen keinen Rückgang bei der Anzahl positiver Testergebnisse.“ Bei den Schnelltests seien aktuell rund 20 Prozent positiv. Bei den PCR-Tests sehen sie eine steigende Tendenz. „Insgesamt liegt der Anteil der positiven PCR-Ergebnisse seit Juni konstant bei mehr als 70 Prozent.“ Interessant sei der Blick auf die Selbstzahler-PCR-Tests. Das sind Menschen, die sich freiwillig testen, um etwa in den Urlaub zu fahren, nicht weil sie Symptome haben. Bei denen liegt die Positivrate bei 30 Prozent.

„Die Dunkelziffer dürfte aktuell ziemlich hoch sein, weil sich viele Menschen ohne oder mit milden Symptomen aufgrund der größeren Hürden nicht testen lassen.“

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