Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

_02112020BergerHang09_124400
+
Verlieren in Zeiten von Corona mehr Menschen in Frankfurt ihre Wohnung, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können? 

Wohnen

Pandemie ohne Effekt auf Wohnungsverluste

  • Bascha Mika
    vonBascha Mika
    schließen

Das Sozialdezernat Frankfurt vergleicht die Wohnungsverluste von 2020 mit 2019, um mögliche Effekte der Pandemie auszumachen. Doch die Zahlen bleiben ähnlich.

Verlieren in Zeiten von Corona mehr Menschen in Frankfurt ihre Wohnung, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können? Diese Frage hat sich das Sozialdezernat der Stadt gestellt und einige Zahlen mit denen des Vorjahres verglichen. Die Ergebnisse zeigen keine Zunahme von Kündigungen oder Räumungen.

„Momentan haben nicht mehr Menschen als vorher ihre Wohnung verloren“, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Demnach habe es bis September dieses Jahres 731 Räumungsklagen beim Amtsgericht Frankfurt gegeben. 2019 waren es im selben Zeitraum 856 Klagen.

Auch die Zwangsräumungen haben laut Stadt nicht zugenommen. Bis zum 25. November waren in diesem Jahr 588 Zwangsräumungen angekündigt (2019: 674). Bis Ende Oktober wurden 331 Zwangsräumungen durchgeführt (2019: 391). Die niedrigeren Zahlen, so Birkenfeld, ließen sich sicherlich auch darauf zurückführen, dass es Vermietern von April bis Juni bundesweit untersagt war, Mietern wegen Mietschulden zu kündigen. Eine fristlose Kündigung seitens des Vermieters ist sonst bereits ab der zweiten ausstehenden Monatsmiete möglich, sagt die Dezernentin.

Auch beim städtischen Fachteam von der Beratungsstelle „Hilfen zur Wohnungssicherung“ hätten weniger Menschen um eine Beratung gebeten. Bis Ende Oktober gab es 1733 Beratungen in verschiedenen Fallstadien. Im Jahr zuvor waren es noch 2379. Zwar wisse sie nicht, ob noch viele Klagen beim Gericht aufgelaufen und noch nicht bearbeitet seien, oder ob es zu einer verspäteten Kündigungswelle komme, aber vorerst habe Corona in Frankfurt nicht dazu geführt, dass mehr Menschen als üblich ihre Wohnung verloren. Die Zahlen würden zeigen, dass die Menschen in Frankfurt zurzeit mehr Priorität auf die Mietzahlung legen. Auch könne das Geld wegen des Lockdowns nicht für andere Dinge ausgegeben werden.

Beratung angeboten

Damit auch in den kommenden Monaten möglichst wenige Bürgerinnen und Bürger ihre Wohnung verlieren, weist das Sozialdezernat explizit auf die Hilfen zur Wohnungssicherung hin. Das dortige Fachteam berate Menschen, die kurz vor einer Kündigung stehen, denen bereits gekündigt wurde oder wo bereits ein Termin für eine Zwangsräumung besteht. „Man sollte sich so schnell wie möglich Hilfe holen“, sagt Birkenfeld. Dem Team der Beratungsstelle rund um Jürgen Hees ist es seit 2010 gelungen, die Zahl der Räumungen deutlich zu reduzieren.

Die Mitarbeitenden sprechen nicht nur mit den Mieter:innen, sondern auch mit den Vermieter:innen und versuchen zu vermitteln. „Manchmal kann man die Kündigung noch heilen“, sagt Hees. Wo die Vermieter:innen mitspielen, übernimmt die Beratungsstelle die Mietschulden, so dass es nicht zu einer Räumung kommen muss. Den Betrag zahlen die Mieter:innen dann in Raten zurück. Schlussendlich muss immer auch geschaut werden, welche zusätzlichen Hilfen des Staates man beantragen kann, um künftig die Miete bezahlen zu können.

2019 hat das Sozialamt rund zwei Millionen Euro an Mietrückständen übernommen. Bis Ende Juni dieses Jahres waren es 800 000 Euro. Die Übernahme von Mietschulden sei an kein Budget gekoppelt, sagt die Sozialdezernentin. So könne die Stadt auch bei ungewöhnlich vielen Fällen allen Menschen helfen. Dass die kommenden Monate für die Menschen in Frankfurt, aber auch generell in Deutschland, schwieriger werden, davon ist die Dezernentin überzeugt. „Die Bedarfsgemeinschaften werden steigen“, sagt sie. Das müsse in Frankfurt aber nicht zu mehr Wohnungskündigungen führen.

Vom 18. Dezember bis 4. Januar herrscht hier übrigens der Frankfurter Frieden. In diesem Zeitraum wird kein Gerichtsvollzieher eine Wohnungsräumung durchführen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare