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Einkaufen im Corona-Lockdown: Stefan Seufer bietet in der Töngesgasse in Frankfurt Reparaturen und Ware wie Rasierer am Schaufenster zum Verkauf an.
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Einkaufen im Corona-Lockdown: Stefan Seufer bietet in der Töngesgasse in Frankfurt Reparaturen und Ware wie Rasierer am Schaufenster zum Verkauf an.

Einkaufen in der Innenstadt

Corona-Lockdown in Frankfurt: „Kleine Läden könnten ganz verschwinden“

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Während des Corona-Lockdowns bieten einige Läden in der Frankfurter Innenstadt Schaufenster-Shoppen an. Doch das reicht für viele nicht aus.

  • Viele Läden in der Frankfurter Innenstadt bangen wegen des Corona-Lockdowns um ihre Existenz.
  • Wer in Corona-Zeiten in der Innenstadt einkaufen will, kann über „Click&Collect“ anrufen und abholen.
  • Ladenbesitzerin verzweifelt: „Der Einzelhandel droht komplett aus der Innenstadt zu verschwinden“.

Manchmal bekäme er auch etwas unmoralische Anrufe, erzählt Klaus-Peter Müller, Schlafsystem-Abteilungsleiter bei Betten Zellekens in der Sandgasse unweit der Frankfurter Zeil. „Manche Kunden fragen mich, ob sie nicht doch heimlich in den Laden kommen und mal schnell Probeliegen dürfen, aber das geht natürlich nicht“, sagt Müller am Donnerstagmittag und lacht.

Was aber trotz Lockdowns geht: an der Tür mit viel Abstand und Maske die Ware persönlich abholen, wenn Kundinnen und Kunden sie sich eben nicht nach Hause liefern lassen wollen. Sie können telefonisch oder über den Webshop auf Rechnung bestellen. „Aber sie können auch direkt und spontan aus unserem Schaufenster auswählen und dann auch gleich hier bezahlen. Das ist neu.“ Die Artikel im Schaufenster sind alle nummeriert. Die Kissenbezüge aus Satin haben beispielsweise die Nummer 29.

Frankfurt: Einkaufen im Corona-Lockdown – Anrufen und abholen

„Alle 14 Tage dekorieren wir die Schaufenster neu“, sagt Müller, der in Kurzarbeit ist. Wie werde das Angebot angenommen? „Es geht was. In der Berliner Straße ist es hingegen für die Läden ganz schlimm, weil deren Kund:innen vorwiegend Touristen sind - und die fehlen.“ Während Betten Zellekens montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist, sind viele Einzelhändler in der Frankfurter Innenstadt nur an drei Tagen in der Woche und dann auch nur zwischen 11 und 14 Uhr für Abholungen geöffnet.

In der Töngesgasse bieten einige Läden das sogenannte „Click&Collect“ an. So auch bei Body&Beach, dort muss man aber dienstags anrufen und bestellen, bevor man die Ware abholen kann. Viele Kundinnen und Kunden kommen zum Braun-Kundendienst, der ebenfalls in der Töngesgasse ist.

Haarschneider sind im Corona-Lockdown in Frankfurt beliebt

Ein Mann lässt seinen Rasierer reparieren, den er in einer halben Stunde wieder abholen kann. Eine Kundin aus Maintal ist extra nach Frankfurt gefahren, weil sie Rabatt beim Einkauf von elektronischen Zahnbürsten bekommt, wenn sie die alten abgibt. „Wir wollen Präsenz zeigen. Und wir haben auch viele ältere Kunden, die eben nicht online bestellen können“, sagt Geschäftsführer Stefan Seufer.

Je länger der Lockdown andauere, desto mehr Leute kämen persönlich vorbei. „Der Haarschneider ist unser Klopapier, seitdem die Friseure geschlossen sind“, erzählt er. Er betont auch, dass gerade ältere Menschen auch kämen, weil sie Kontakt suchten und Einkaufen auch eine Beschäftigung im eintönigen Lockdown-Alltag sei.

Laden-Besitzer aus Frankfurt: „Wenn der Lockdown weitergeht, wird es eng“

Seufer hat wenig Verständnis dafür, dass er im Corona-Lockdown als kleiner Einzelhändler nicht Kundinnen und Kunden in den Laden lassen darf. „Gerade wir als kleine Einzelhändler hätten doch die Möglichkeit, Kunden einzeln und mit FFP-2-Maske kontrolliert in den Laden zu lassen. Gegenüber beim Aldi laufen die Leute nur mit Schal über dem Gesicht rein, und es sind sehr viele Menschen gleichzeitig im Laden. Das finde ich nicht richtig .“

Seufer betont: „Hier in der Straße steht vielen kleinen Einzelhändlern das Wasser nicht nur bis zum Hals, sondern fließt über die Augen.“ Bislang sei es ihnen als Einzelhändler nicht mal möglich gewesen, die Staatshilfen überhaupt zu beantragen. „Angeblich geht das Mitte Februar. Der Lockdown geht seit Dezember.“ Seit fast 35 Jahren führt er sein Geschäft. „Wenn der Lockdown weitergeht und die Hilfen nicht kommen, wird es auch bei uns in zwei, drei Monaten eng.“

Frankfurter Laden: Im Corona-Lockdown sind besondere Kondome beliebt

Schlange stehen die Leute fast täglich bei Zara in der Börsenstraße. „Ich bin hier, weil ich mir die Versandkosten sparen will. Aber ich ärgere mich, weil die Verkäuferin so ungeduldig ist, weil ich nicht gleich die Bestellnummer wusste“, so eine Kundin.

Unweit der Konstablerwache in der Vilbeler Straße bieten neben dem Webshop-Angebot, den es schon vor Corona gab, Sandra Maravolo und Kathi Leiber vom Frauen-Erotikladen „Inside her“ auch Schaufenster-Shoppen an. „Vorhin hat eine Kundin angerufen, sie will gleich Gleitgel abholen“, so Leiber.

Auch besondere Kondome seien gefragt. „Aber auch Dessous wie der Bracli-Perlenstring, der Toy und Reizwäsche gleichzeitig ist, sind im Lockdown beliebt“, sagt Maravolo. Sie sagt auch, dass der Lockdown unterschiedliche Auswirkungen auf das Liebesleben bei Paaren habe. „Du bringst dich um oder du liebst dich eben. Viele sind jetzt neugieriger, probieren Fesselspiele. Paare haben jetzt mehr Zeit für Sex.“

Je länger der Corona-Lockdown in Frankfurt, desto zurückhaltender das Shopping-Verhalten

Aber desto länger der Lockdown andauere, desto zurückhaltender sei das Shopping-Verhalten. „Viele fürchten auch um ihre Jobs, das merkt man schon. Beim ersten Lockdown gab es noch einen starken Anstieg beim Verkauf im Webshop. Das ist nicht mehr so“, so Leiber. Maravolo betont: „Uns fehlt der stationäre Verkauf. Das kann weder der Webshop noch das Schaufenster-Shoppen ersetzen.“

Dies bestätigt auch Marijana Biscanic, Geschäftsführerin der Damenboutique „Noée Fashion“ in der Schillerstraße. Auch sie und ihre Schwester bieten echtes und virtuelles Schaufenster-Shoppen (per Videocall) an. Und auch wenn die Kundinnen das Angebot gerne annähmen, sei es doch mehr als eine harte Zeit für sie. „Es ist eine Katastrophe. Wir fühlen uns absolut alleingelas-sen. Wir haben bislang keine Staatshilfe, außer die einmalige Soforthilfe von 10 000 Euro bekommen, aber Corona läuft jetzt seit einem Jahr. Unsere Fixkosten wie Miete übernimmt der Staat nur anteilig. Und das bei den extrem teuren Innenstadt-Mieten“, so Biscanic.

Frankfurt: Kein Weihnachtsgeschäft während des Lockdowns

Auch sei wegen des Lockdowns das Weihnachtsgeschäft ausgefallen. „Und wir sind auf der Winterware hängengeblieben. Die Kartons der Frühjahrskollektion sind schon da. Aber wie sollen wir das nun bezahlen?“ Viele ihrer Kundinnen vermissten das Shoppen, sagt ihre Schwester Michaela Hrgovic. Aber es gebe eben keinen Grund, in die Innenstadt zu kommen. Kinos und Restaurants seien zu. Und es sei eben keine Wohngegend und viele im Homeoffice.

Biscanic betont: „Wenn wir Mitte Februar wieder öffnen dürften, kämen wir noch mit einem blauen Auge davon. Aber wird der Lockdown um acht bis zehn Wochen verlängert, weiß ich nicht, ob es uns danach noch gibt.“ Das wäre kein Einzelschicksal. „Der kleine Einzelhandel droht komplett aus der Innenstadt zu verschwinden.“ (Kathrin Rosendorff)

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