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Frankfurt: Impfnachweise in Restaurants - „Corona-Kontrollen? Lächerlich“

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Von: Thomas Stillbauer

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Im Hedwig Kaffeehaus werden die Impfzertifikate sehr genau kontrolliert. Das ist nicht überall so.
Im Hedwig Kaffeehaus werden die Impfzertifikate sehr genau kontrolliert. Das ist nicht überall so. © Monika Müller

Eine FR-Umfrage zeigt: Lokale gehen häufig sorglos mit dem Impfnachweis um. Wenige scannen, kaum Ausweiskontrollen.

Frankfurt am Main - Auf die FR-Gemeinde ist Verlass. Wir wollten wissen: „Hat man Sie nach Ihrem G gefragt?“, also: Wurden Ihre Corona-Dokumente kontrolliert bei Restaurantbesuchen und anderen Innen-Aufenthalten – geimpft, genesen, getestet? Und Sie haben zahlreich geantwortet. Ergebnis bisher: ziemlich durchwachsen.

„Kontrollen? Lächerlich“, urteilt etwa Paul C. „In keinem einzigen Fall bin ich nur annähernd korrekt kontrolliert worden.“ Sein Impfzertifikat sei nie ordnungsgemäß gescannt worden, niemand habe nach seinem Ausweis gefragt, um sicherzustellen, dass der Impfnachweis seiner ist.

FR-Umfrage zu Corona-Kontrollen in Restaurants: „Zutiefst undemokratisch und höchst bedenklich“

Solche Berichte schickten viele von Ihnen, aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, quer durch alle gastronomischen Stile und Einrichtungen. Weil wir Sie baten, uns das jeweilige Lokal zu nennen, das wir aber nicht veröffentlichen wollen, gibt es zweierlei Kritik. Sie sei entsetzt darüber, „dass Sie Ihre Leser:innen öffentlich dazu auffordern, Restaurants und andere Einrichtungen zu nennen, in denen das Personal nicht corona-konform handelt“, schreibt Marla S.: „Abgesehen davon, dass es gerade in der Hektik der Gastronomie einmal vorkommt, dass bei der Kontrolle etwas ,durchrutscht‘ (wir sind alle nur Menschen), finde ich diesen Aufruf zur Denunziation zutiefst undemokratisch und höchst bedenklich.“

Dagegen Leser Reimund K.: „Warum wollen Sie die Namen der Etablissements nicht veröffentlichen? Wollen Sie Ihren Lesern vorenthalten, wo man hingehen kann und wohin nicht? Wenn schon unsere Politiker nicht Tacheles reden, erwarte ich das zumindest von Journalisten.“

„QR-Scanner im Auge“: Ausweis wird kein einziges Mal verlangt

Erstens: Wir denunzieren niemanden. Die Namen der Restaurants interessieren uns für den Fall, dass es Anlass gibt, einem Sachverhalt mit Recherchen nachzugehen. Zweitens: Wir veröffentlichen niemals Beschwerden ohne Gegenrecherche. Daher bleiben die Lokale hier anonym.

Leser Felix V. schreibt: „Signifikant auffällig ist das Nichtkontrollieren in Schnellimbissrestaurants mit Sitzgelegenheiten in geschlossenen Räumen. (...) Unsere Ausweise mussten wir nicht ein einziges Mal vorzeigen.“ Es werde zu wenig kontrolliert in Frankfurt, und nur in einem einzigen Restaurant am Flughafen seien QR-Codes gescannt worden. „Alle anderen haben anscheinend einen QR-Code-Scanner im Auge verbaut und benötigen keine App dafür“, wundert sich Felix V.

Impfnachweis-Kontrolle in Bädern: gut

Vorbildliche Kontrollen werden aus den Schwimmbädern gemeldet, etwa aus den Titus-Thermen in Frankfurt, aber auch aus dem Riedbad, wie Ulrike G. schreibt: „Da wird nicht nur der Impf- und Teststatus genau geprüft, sondern auch der Personalausweis.“ Restaurants besuche sie jedoch nicht mehr, „nachdem ich mehrmals gar keine oder schlampige Kontrollen erlebt habe“. Siegfried H. aus Rodgau erging es ähnlich: „Meine Erfahrung bei Besuchen in Cafés und Restaurants ist, dass ich als Gast in der Mehrzahl der Fälle auf die Mitarbeiter:innen zugehen muss. Dann kommt als Reaktion ein ,Ach ja‘.“

Weitere Zuschriften

aus Ihren vielen Einsendungen veröffentlichen wir in den nächsten Ausgaben, die Auswertung läuft. Wer ebenfalls Erfahrungen mitteilen möchte, schreibt eine E-Mail an stadtredaktion@fr.de, bitte mit der Betreffzeile „Corona-Kontrolle“.

Gute Erfahrungen machte Lothar L. in einem Steakhaus in der Innenstadt: „CovPass-Kontrolle inklusive Sichtung des Personalausweises. Bedienungen trugen Masken. Alles Top.“ Ebenfalls zufrieden ist Elisabeth B. mit den Kontrollen, teils mit Ausweis, in Restaurants und Veranstaltungsorten in Sossen-, Zeilsheim, Unterliederbach, Höchst und Hofheim. Angelika S. hingegen erlebte in Darmstadt dies: „Auf meine Frage, ob die Bedienung nicht auch den Personalausweis sehen möchte, entgegnete diese, ,wir glauben unseren Gästen‘.“

„Ein schwaches Zeichen im Kampf gegen Corona“

Als die FR-Leserin anmerkte, sie könnte ja den Impfnachweis von einer Freundin gescannt haben, gab die Bedienung zurück: „Den Personalausweis dürfen wir gar nicht sehen, das verstößt gegen den Datenschutz!“ Angelika S.: „Das ist sowohl falsch als auch irreführend und ein schwaches Zeichen im Kampf gegen Corona.“

Wer ein Stammlokal hat wie Jochen M. aus Frankfurt, hat es da leichter: „Gleich nach der Eingangstür wurden wir gebeten, unsere Covid App oder den Impfpass vorzuzeigen. Das reichte, da unsere Namen bekannt waren.“ (Thomas Stillbauer)

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