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Auch auf der Großen Eschenheimer Straße heizen Pilze.

Corona-Krise

Corona unterm Heizpilz: Die Frankfurter Gastronomie rüstet auf

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Lokale wappnen sich in Zeiten von Corona mit Decken, Schirmen und Heizpilzen für die kalte Jahreszeit. Viele Besucher haben aber keine Sorge, sich in den Gastraum zu setzen.

  • Trotz fallender Temperaturen setzen Frankfurter Cafés und Restaurants weiterhin auf Außenbereiche.
  • Bei manchen wächst in der Corona-Pandemie die Skepsis gegenüber dem Aufenthalt in geschlossenen Räumen.
  • Die Anschaffung von Heizstrahlern, Planen und Zelten bedeutet für Frankfurter Lokale Mehrkosten.

Frankfurt – Ob auf der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel, in der Weißadlergasse oder auf der Fressgass: Für ihre Gäste haben Café- und Restaurantbesitzer trotz trüben Wetters und kühlen Temperaturen am Samstag um die Mittagszeit auch draußen gedeckt. Teils mit Heizpilzen und Plastikplanen haben sie ihre Außenbereiche winterfest gemacht. Auf manchen Stühlen liegen gleich mehrere Decken.

Frankfurter Cafés und Restaurants: Mit Heizpilzen und Planen gegen Corona

Cemile Bayram sitzt mit ihrem Mann Rahman vor der Tapas-Bar „Fiesta“ an der Ecke Kaiser-/Elbestraße. Vor ihnen auf dem Tisch stehen Gläser mit frischem Minz- und Ingwertee. Eine Flamme des Gasheizstrahlers hinter Glas lodert neben der 31-Jährigen, die sich ganz nah dran gesetzt hat. „Der hat uns bei der Kälte angezogen“, sagt Bayram. „Weil mir immer kalt ist“, ergänzt sie. Über ihrem Mantel hat sich die Schifferstädterin einen breiten Schal geschlungen, der über ihre Beine reicht. Das Paar aus der Pfalz, das aus Anlass seines ersten Hochzeitstages ein Wochenende in Frankfurt gebucht hat, hat trotz erhöhter Corona-Ansteckungszahlen weniger Bedenken sich auch reinzusetzen. „Ich bin Raucher, deshalb haben wir uns rausgesetzt“, sagt Rahman Bayram.

Einige Meter weiter, die Kaiserstraße runter Richtung Innenstadt, wurden vor einem indischen Restaurant Planen um den kompletten Terrassenbereich gespannt. Niemand ist dort zu sehen, wie vor den meisten Lokalen auf der Straße um diese Zeit. Eine Ausnahme bilden zwei Männer vor einem italienischen Restaurant, die Pizza und Salat essen. Wie vor zahlreichen Gaststätten sind dort die Sonnenschirme aufgespannt. Im Halbdunkel haben sich die Männer nah an einen Heizstrahler gesetzt, neben ihnen auf dem Tisch liegen Stift und Zettel mit ihren Kontaktdaten zur Nachverfolgung. „Aus Gewohnheit“ würden sie draußen verweilen. „Besser und frischer“ sei dort die Luft, sagt einer der beiden. Wegen Corona sei es nicht, winkt der andere ab. „Bei Minusgraden“ würden sie auch reingehen.

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Café trinken und Essen gehen während Corona: „Alles ist besser als drinnen“

Lebhafter als in der Kaiserstraße geht es in der Weißadlergasse zu. Wie gewohnt sitzen viele Leute entlang der Seitenstraße, die vom Roßmarkt abzweigt, vor diversen Einkehrmöglichkeiten. Auffällig ist ein graues Zelt, das Gastronom Thomas Klüber vor seinem Lokal, dem „Walden“, aufgebaut hat. 2000 Euro habe es gekostet, berichtet er. „Das gewinnt keinen Schönheitspreis, in dem Favela-Style“, sagt Klüber. Um noch Luft zirkulieren zu lassen, habe er nicht alle Seitenwände montieren lassen, fügt der 55-Jährige hinzu.

In einer hinteren Ecke des Zeltes haben es sich Jan Zipfel und Susanne Hoffmann bequem gemacht. Bei Kaffee, Säften, Karotten- und Mandarinenkuchen sitzen sie zusammen. „Es ist auf jeden Fall die bessere Variante, als ganz draußen zu sitzen“, sagt Zipfel, während der Heizstrahler hinter ihm das Innere des Zeltes wärmt. Die dicke Daunenjacke ganz geschlossen, fügt der 44-Jährige hinzu: „Alles ist besser als drinnen, da bin ich super unentspannt und habe Angst zu atmen.“ Auch seine Begleiterin sitzt derzeit lieber nicht in geschlossenen Räumen. „Ich bin sowieso immer draußen und habe immer die Hitze“, sagt die 58-jährige gebürtige Norddeutsche, die in ihrer leichten Jacke an diesem Tag aus ihrem Stadtteil Sachsenhausen herüberspaziert ist. Die Heizstrahler sieht das Duo aus Umweltschutzgründen kritisch. Nada Antamni, Service-Leiterin des Walden, sagt dazu: „Wir waren die ganze Zeit auch dagegen.“ Nun sei eine Beheizung des Außenbereichs nicht anders möglich. Angst um ihre Gesundheit hätten die beiden Gäste indes weniger, wollten sich das Virus aber nicht einfangen, um niemanden anzustecken, sagen Zipfel und Hoffmann. Den Zettel mit ihren Kontaktdaten haben sie schon ausgefüllt. Gastronom Klüber sagt: „Wo Mickey Maus oder Donald Duck drauf steht, lassen wir den Zettel unauffällig zurückgehen.“ Dies sei bei seinen Gästen jedoch noch nicht vorgekommen.

Das Café Ypsilon auf der Berger Straße setzt auf Zelte mit Heizpilzen.

Frankfurter Gastronomie in der Corona-Krise: „Irgendwie über den Winter kommen“

Neben aufgespannten Schirmen sind am Samstag vor dem Walden auch die Markisen an der Fassade ausgerollt. „Ich habe außerdem einen Windfang bestellt, so 1,75 Meter hoch, um den Eingangsbereich noch ein bisschen einzukasten“, sagt Klüber. „Virenkiller“ und „Luftwäscher“ habe er im Innern zur vorhandenen Belüftungsanlage installieren lassen. Für ihn sei es momentan nur wichtig, „irgendwie über den Winter zu kommen und es mit der gesamten Mannschaft bis zum Frühjahr zu schaffen“.

Winterkleidung empfiehlt er Gästen, die draußen sitzen möchten. Das hat ein Paar auf der Fressgass schon beherzigt. Mit Mützen und dicken Jacken sitzen sie vor der „Foccaceria“ an einem kleinen Tisch. Freie Tische des Bistros, die von Plastikplanen umhüllt und mit Heizpilzen ausgestattet sind, hat das Paar links liegen lassen. Zu ihrer Tischwahl und der aktuellen Situation möchten sie sich aber nicht äußern. (Von Clemens Dörrenberg)

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