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Mellak Bouali hat eine Tonne eingehängt, da bringt Mustafa Tokus schon die nächste, und Kollege Alkhateed wuchtet weitere zur Leerung heran. Mit Mund-Nasen-Schutz ist diese schwere Arbeit nicht zu machen. Foto: Maik Reuß

Corona-Pandemie

So drastisch hat sich die Arbeit der FES-Männer durch Corona verändert

Für die Männer der FES in Frankfurt ist die Arbeit in Corona-Zeiten noch härter als sonst. Darum sind sie aktuell einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt.

  • Corona-Krise in Frankfurt verändert Arbeit der FES
  • Höhere Infektionsgefahr für Mitarbeiter
  • Auch die Arbeit der Müllabfuhr ist systemrelevant

Frankfurt - "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir Arbeit haben - in Zeiten, in denen viele Menschen in Kurzarbeit versetzt worden sind." Sagt das Team der FES, das am Mittwoch die Biomüll-Tonnen in Sossenheim leert. Die Männer sind systemrelevant: Bliebe der Müll liegen, würde das innerhalb kurzer Zeit zu potenziellen Krankheitsherden führen. 

Corona in Frankfurt: Höhere Infektionsgefahr bei FES-Mitarbeitern

Das heißt aber auch, dass sie sich erhöhten Gefahren einer Infektion aussetzen müssen, die bei allen Sicherheitsvorkehrungen nicht ganz auszuschließen sind: Die Angst fährt immer mit. Weniger die, sich selbst anzustecken. Müllwerker, die an der frischen Luft körperlich arbeiten, verfügen in der Regel über eine gute Konstitution. Aber die, möglicherweise Angehörige anzustecken.

FES Frankfurt während Corona-Krise: Früher anfangen, später aufhören

Damit das möglichst nicht passiert, haben sie tiefgreifende Änderungen in Kauf genommen. An den Arbeitsabläufen hat sich zwar nicht viel geändert. "Aber Treffen vor oder nach der Arbeit sind beispielsweise nicht mehr möglich." Die Kantine wurde geschlossen, die Duschräume ebenso: "Wir gehen direkt nach der Arbeit nach Hause und duschen dort." Die Schichtpläne wurden zeitlich entzerrt, damit sich die verschiedenen Lademannschaften möglichst nicht begegnen. Die ersten Arbeitsgruppen bei der FES nehmen schon um 5.30 Uhr ihre Arbeit auf, manches Dienstende rutscht nach hinten. Feste Teams sollen dafür sorgen, dass im Falle eines Falles nur dieses aussetzen muss und der Rest der Belegschaft weiterarbeiten kann. Bisher gab es lediglich eine Infektion im Unternehmen, zwei weitere Mitarbeiter wurden in diesem Zusammenhang vorsichtshalber in Quarantäne geschickt.

FES-Mitarbeiter in Frankfurt müssen wegen Corona-Krise flexibel sein

Innerhalb eines Teams muss man sich vertrauen: Während der Fahrten vom Depot zu den Sammelstellen sitzt es zusammen, anders geht es nicht. Die Mitfahrt auf den Trittbrettern an der Außenseite oder Plexiglaslösungen im Führerhaus würden letztlich zu einem höheren Gesundheitsrisiko führen, erklärt FES-Sprecher Stefan Röttele. "Man muss flexibel sein, beispielsweise auch mit dem Mittagessen", berichten die Mitarbeiter. Derzeit sei Ramadan, daher falle dieses Problem zumindest bei den Kollegen mit muslimischem Glauben weg. Trotzdem sind die Einschränkungen, insbesondere was die sozialen Kontakte im Unternehmen betrifft, notgedrungen groß. Ein Wermutstropfen: Die soziale Gemeinschaft spielt in diesem Beruf eine besonders wichtige Rolle.

Auswirkung durch Corona: Mehr Müll in Frankfurt

Auch am Müllaufkommen* lasse sich ablesen, dass sich Gravierendes verändert hat. Die Biomülltonnen sind voller, weil mehr im Garten oder auf dem Balkon gearbeitet wird. "Im Restmüll macht es ebenfalls etwas aus." Konkret lasse sich das noch nicht in belastbaren Zahlen bemessen, da die Osterfeiertage oder der Frühjahrsputz auch in Jahren ohne Corona Einfluss auf die Müllmengen der Haushalte haben. Fest steht aber, dass Corona auch die FES vor Herausforderungen stellt: "Beim Gewerbeabfall liegt der Rückgang bei über 40 Prozent. Durch die Zunahme beim Hausmüll wird das auf keinen Fall ausgewogen", so Röttele.

Corona in Frankfurt: Arbeiten mit Mundschutz

Einerseits, andererseits - das hört man von den Müllwerkern häufiger: "Die Straßen sind leerer, man kommt schneller durch. Außerdem haben die Autofahrer, die hinter uns vielleicht einmal warten müssen, mehr Geduld und hupen weniger." Einerseits. Denn andererseits stehen nun mehr Autos am Straßenrand und machen ein Durchkommen manchmal nur noch schwer möglich.

Der Mundschutz ist ebenfalls ein zweischneidiges Thema. Auf der einen Seite wurden die Mitarbeiter mit Schlauchschals ausgestattet, die schnell über den Mund und die Nase gezogen werden können. Außerdem spendete die Initiative "Cup2gether" jüngst 1300 Mund-Nase-Masken, genäht von 240 Ehrenamtlichen. Im Außeneinsatz an der frischen Luft aber besteht die Gefahr, sich beim Zurechtrücken mit schmutzigen Arbeitshandschuhen ins Gesicht zu fassen. Außerdem kann eine Maske die Luftzufuhr bei harter Arbeit erschweren. Im Führerhaus scheint das Tragen der Masken dagegen sinnvoll.

Auswirkungen der Corona-Krise in Frankfurt: Höhere Wertschätzung für die FES

Die Wertschätzung der Menschen habe sich erhöht. Ein bisschen zumindest, berichten die Männer in Orange: "Vielleicht wird die Müllabfuhr jetzt nicht mehr so sehr als selbstverständlich angesehen." Vor allem ältere Menschen wüssten die Arbeit zu schätzen und bedankten sich häufiger. Das ist eine ihrer großen Hoffnungen: Dass die systemrelevanten Berufe auch nach der Krise mehr Anerkennung erhalten. Wenngleich sie anmerken, dass man sich für Anerkennung allein nichts kaufen kann. Dafür ist der Job krisensicher. Da ist es wieder, das einerseits, andererseits. Abfahrt Richtung Michaelstraße: Die Männer müssen weiter, um ihren Zeitplan einhalten zu können. 

In zehn Stadtteilen läuft seit 1. April die 2. Phase eines Tests: Die Biotonne wird wöchentlich geleert. Dieser Service kostet nichts zusätzlich. Die FES möchte herausfinden, ob sich die Biomüllmenge steigern lässt, wenn Küchenabfälle im Sommer keine zwei Wochen haben, um in der Tonne ihr Aroma zu entfalten. Diese Straßen gehören dazu.

Von David Schahinian

Seit 1995 ist Philipp Roche als Müllmann bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH beschäftigt, seit mittlerweile elf Jahren auf dem Wertstoffhof in der Weidenbornstraße. Bald geht er in Rente. Kollegen wie Stammkunden bedauern das.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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