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Das riesige Arbeitsplatzangebot hat zuletzt immer mehr Menschen nach Frankfurt gelockt. Doch die Krise trifft die Stadt schwer.

Stadtentwicklung

Frankfurt: Metropole wächst kaum noch – Corona-Pandemie trägt ihren Teil bei

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Jahr für Jahr ist Frankfurt zuletzt stark gewachsen. Doch die Corona-Krise bremst die Einwohnerentwicklung stark ab.

  • Frankfurt verzeichnet 2020 bislang nur einen Bruchteil des Wachstums der vergangenen Jahre.
  • Die Corona-Pandemie trägt ihren Teil zum geringen Wachstum bei.
  • Die Nachbarstadt Offenbach ist sogar etwas geschrumpft.

Frankfurt - Frankfurt hat im ersten Halbjahr erstmals seit vielen Jahren kaum Einwohnerinnen und Einwohner hinzugewonnen. Genau 758.917 Menschen waren nach Zahlen des städtischen Statistikamts am 30. Juni mit ersten Wohnsitz in der Stadt gemeldet. Das waren lediglich 343 mehr als ein halbes Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2019 war die Zahl der in der Stadt Gemeldeten noch um 4.473, im Gesamtjahr sogar um 10.726 gestiegen.

Corona-Pandemie bremst Wachstumstrend in Frankfurt ab

Seit 2002 ist Frankfurt, unter anderem wegen des sehr großen Arbeitsplatzangebots, von Jahr zu Jahr stark gewachsen. 2014 wurde erstmals die Marke von 700.000 Menschen mit Hauptwohnsitz geknackt, im vergangenen Jahr zählte die Stadt erstmals in ihrer Geschichte mehr als 750.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das städtische Statistikamt prognostizierte damals, dass schon Mitte dieses Jahrzehnts 800.000 Menschen in Frankfurt leben könnten. Eine Modellrechnung des statistischen Landesamts kam für das Jahr 2040 sogar auf 871.000 Menschen. Entsprechend hoch schätzt die Politik den Bedarf an Wohnungen ein, die zusätzlich zu den jetzt schon fehlenden entstehen müssen, um den Bedarf zu decken.

Doch nun bremst die Corona-Pandemie diesen Wachstumskurs jäh ab. Deutlich weniger Arbeitsplatzwechsel verbunden mit weniger Zuzügen nach Frankfurt und durch Einreiseverbote geschlossene Grenzen hätten dazu geführt, dass das Bevölkerungswachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 92 Prozent einbrach, sagt der für Statistik zuständige Stadtrat Jan Schneider (CDU). Zugleich betont der Dezernent: „Frankfurt wächst in schwieriger Zeit weiter, wenn auch etwas langsamer als zuvor.“ Zumal es sein könne, dass mehr Menschen im ersten Halbjahr nach Frankfurt zogen, als in der Statistik auftauchten. Weil das Bürgeramt vom 17. März bis 4. Mai nur im Notbetrieb arbeitete, sei es möglich, dass Zuzüge noch nachträglich gemeldet würden, sagte er.

Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft in Frankfurt sinkt

Erstmals seit mehr als zehn Jahren ist die Zahl der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die in Frankfurt leben, gesunken. Sie ging nach Zahlen des städtischen Statistikamts im Vergleich zum Jahresende um 420 zurück, lag Ende Juni bei 226.972. Auch das erklärt das Amt unter anderem mit den Reisebeschränkungen. Stark sank etwa die Zahl der in Frankfurt lebenden Japanerinnen und Japaner. Zudem gibt es einen Sondereffekt. Wegen des Brexits haben nach Beobachtung des Statistikamts offenbar relativ viele in Frankfurt lebende britische Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen.

In der Nachbarstadt Offenbach, die wie Frankfurt zuletzt von Jahr zu Jahr kräftig gewachsen war, hat die Corona-Krise sogar bereits zu sinkenden Zahlen geführt. Wie die Stadt bereits vor einigen Wochen meldete, sank die Zahl im zweiten Quartal um 475 Menschen und rutschte damit wieder unter die Rekordmarke von 140.000 Menschen. (Christoph Manus)

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