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Die hessischen Clubs wünschen sich, dass die Gäste ohne Maske tanzen dürfen. Foto: Felix Kästle/dpa
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Die hessischen Clubs wünschen sich, dass die Gäste ohne Maske tanzen dürfen.

Frankfurt

Realitätsferne Corona-Regeln: Clubs in Hessen werden ihre Tanzflächen nicht öffnen

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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  • Kathrin Rosendorff
    Kathrin Rosendorff
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Durch die neuen Corona-Regeln in Hessen darf in Clubs ab Donnerstag (19.08.2021) wieder getanzt werden. Ob das passiert, bleibt abzuwarten.

Frankfurt – Ab Donnerstag (19.08.2021) darf in den Innenräumen der hessischen Clubs wieder getanzt werden. Aber die meisten Tanzflächen werden wohl leer bleiben. Die neuen Corona-Vorschriften seien realitätsfern, sagt ein Sprecher der Initiative „Clubs am Main“. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verteidigt hingegen die Beschlüsse des Landes.

Die Nachricht aus Wiesbaden klang zunächst vielversprechend: Von diesem Donnerstag an darf in den Innenräumen der hessischen Clubs wieder getanzt werden. Aber die meisten Tanzflächen werden wohl leer bleiben. „Die Politik verkündet eine große Eröffnungswelle, aber in der Realität ist das überhaupt nicht umsetzbar“, sagt Victor Oswalt von „Clubs am Main“.

Frankfurt: Bedürfnisse der Clubs schlagen sich nicht in neuen Corona-Regeln nieder

Die Initiative vertritt die Interessen von 15 Clubs in Frankfurt und Umgebung sowie von Veranstalter:innen, DJs und Künstler:innen. Die Batschkapp, das Silbergold oder das Tanzhaus West zählen zu den Mitgliedern. „Bislang sieht es nicht so aus, als ob einer unserer Clubs jetzt seine Tanzfläche aufmachen wird“, sagt Oswalt. Die Fünf-Quadratmeter-pro-Gast-Regel sei wirtschaftlich nicht rentabel. „Es dürfen einfach zu wenige Leute rein. Und welcher Gast möchte allein in einem fast leeren Club mit Maske tanzen?“

Oswalt ärgert sich, dass die Clubs zwar mit der Landesregierung seit Monaten im Dialog stehen, sich ihre Bedürfnisse in der am Dienstag (17.08.2021) beschlossenen neuen Corona-Verordnung aber nicht niedergeschlagen haben. „Die Verordnung ist im luftleeren Raum erlassen worden, ohne die Clubs zunächst zu befragen, ob das überhaupt umsetzbar ist.“

Bislang durfte nur auf den Außenflächen getanzt werden, drinnen mussten die Gäste in abgetrennten Bereichen an Tischen sitzen. Jetzt dürfen sie auch tanzen – mit Maske, Abstand und Impf- oder Genesenennachweis oder einem maximal 48 Stunden alten negativen PCR-Test. Die Betreiber:innen wünschen sich mehr Spielraum: „Ein Club muss beispielsweise sagen können: ‚Wir lassen nur Geimpfte und Genesene rein.‘ Aber es darf ohne Maske und ohne Einlassbeschränkung getanzt werden“, sagt Oswalt.

Neue Corona-Regeln für Hessen: Clubs in Sorge vor Superspreader-Events

Dass Nichtgeimpfte einen kostenpflichtigen PCR-Test vorweisen müssen, findet er richtig. Schließlich sei das Impfangebot sehr groß. Beispiele aus den Niederlanden zeigten, dass Schnelltests nicht ausreichten. „Wir wollen nicht zum Superspreader-Event werden. Wir wollen unserer Verantwortung nachkommen. Wir wünschen uns eine Verordnung wie in Baden-Württemberg.“ Dort hatte die Landesregierung am Dienstag verkündet, dass in Clubs auf der Tanzfläche und im Sitzbereich unter bestimmten Bedingungen die Maskenpflicht entfällt. Darauf hatte sich das Gesundheitsministerium mit Vertretern der Clubszene und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands verständigt.

In Baden-Württemberg müssen die Clubs ein Muster-Hygienekonzept erstellen. Die Gäste müssen sich zur Kontaktnachverfolgung über eine App registrieren. Clubs mit Lüftungskonzept dürfen ihre Räume zu 100 Prozent auslasten, solange sie sich an die 3G-Regel halten,also nur Gäste reinlassen, die geimpft oder genesen sind oder einen PCR-Test vorweisen können. Clubs ohne ausreichende Lüftungskapazitäten dürfen nur Geimpfte und Genesene einlassen und ihre Räume zu lediglich 70 Prozent auslasten.

Neue Corona-Regeln für Clubs und Diskotheken: Al Wazir verteidigt den hessischen Weg

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verteidigte am Mittwoch auf Anfrage der Frankfurter Rundschau den hessischen Weg: Die Infektionszahlen stiegen, zugleich seien immer mehr Menschen durch eine Impfung geschützt. Deshalb habe die Landesregierung das Tanzverbot für die Innenräume von Clubs und Discotheken aufgehoben. „Allerdings mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen.“

Lesen Sie hiezu auch: Kommentar Realitätsferne Gesetze

Gerade bei den Jüngeren sei die Impfquote unterdurchschnittlich. „Gleichzeitig haben wir in der Vergangenheit gesehen, vom Après-Ski in Ischgl ganz am Anfang bis zu einem Festival in Utrecht Anfang Juli 2021, dass wir es mit potenziellen Superspreader-Events zu tun haben.“ Die 3G-Regeln plus Abstand und Hygiene sollten davor schützen. Beim Tanzen sei der Abstand von eineinhalb Metern nicht einzuhalten - daher die Fünf-Quadratmeter- und Maskenpflicht. „Clubs und Diskotheken werden damit wie eine Kneipe oder ein Restaurant behandelt.“

Auch dort gelte bis zum Sitzplatz Maskenpflicht. „Dass die Clubbetreibenden abwägen müssen, ob sich unter diesen aus unserer Sicht nötigen Rahmenbedingungen eine Öffnung wirtschaftlich lohnt, ist sehr gut nachvollziehbar“, sagte Al-Wazir. „Der Königsweg heraus aus der Pandemie“ sei die Impfung. (Jutta Rippegather und Kathrin Rosendorff)

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