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Frankfurt: Clemens Greve, der Brückenbauer

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Der Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung Clemens Greve im Holzhausenschlösschen.
Der Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung Clemens Greve im Holzhausenschlösschen. © Rolf Oeser

Clemens Greve von der Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen in Frankfurt setzt auf Vertrauen.

Als der Geschäftsführer Clemens Greve vor 25 Jahren zum Bewerbungsgespräch ins Holzhausenschlösschen gekommen ist, ist ihm als Erstes der Satz vorne an der Säule aufgefallen. Dort steht ein Zitat von Friedrich Fröbel, dem Gründer der Kindergärten. „Mitleben ist die echte und wahre Erziehung.“ Für Greve bedeutet das, dass er bei den Angeboten der Frankfurter Bürgerstiftung darauf achtet, etwa in Bildungsprojekten wertvolle Erfahrungen für Kinder zu schaffen.

Als Erwachsener könne man bei dieser Erfahrung dann begleiten. Zum Beispiel habe er so auch immer wieder Inspiration für seine Kindergeschichten mit dem Schlosskater Ferdinand gefunden. „Mich reizen Wortspiele. Wenn Kinder mit Sprache spielen, entstehen tolle Wortkreationen. Es macht mir so viel Freude, zu spüren, dass sie mit Sprache etwas entwickeln können, mit dem dann die Kinder selbst und wir Erwachsene Freude haben“, sagt er.

Seine Arbeit lebt von den Begegnungen und dem Zusammenführen von Menschen. Wenn man ihm zuhört, versteht man, dass das Programm der Stiftung seit Jahren so viele Bürger und Bürgerinnen erreicht, weil der Geschäftsführer an die Menschen denkt und überlegt, was die großen und kleinen Frankfurter Bürger:innen brauchen. Bald wird beispielsweise der Adventskalender bei weihnachtlicher Musik und Kinderpunsch eröffnet. Greves Leidenschaft für Literatur und Musik offenbart sich nicht nur durch seine Arbeit in der Bürgerstiftung. Er hat das Orgel-, Cello- und Klavierspielen gelernt und zitiert wortgenau Hannah Arendt oder Hilde Domin.

Wenn der 56-Jährige über seine Arbeit und sein Leben spricht, merkt man, dass der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Potenzialen im Mittelpunkt seines Schaffens steht. Es geht ihm darum, Brücken zu bauen, junge Menschen an Musik heranzuführen. Eine Stiftung sei auch ein wunderbarer Ort, um Raum zu schaffen, in dem Bürger:innen gehört werden könnten und in der auch Kritik geäußert werden dürfe, so Greve.

Das „Mitleben“ spielt aber auch im Umgang mit Erwachsenen eine Rolle: Interessierte merkten, ob sie sich mit ihren Ideen und Vorstellungen einbringen könnten. „Die Menschen sollen das Gefühl haben, dass das Holzhausenschlösschen ihr Bürgerschlösschen ist. Der Stifter Adolph von Holzhausen hat damals in seinem Testament geschrieben, er möchte den Park für die Familien aus dem Nordend öffnen, die keinen Garten haben, damit die sich dort erholen können. Wenn Menschen erkennen, dass sie etwas über mehrere Generationen weitergeben können, ist das toll.“

Was ihn dazu antreibt, sich seit 25 Jahren für die Stiftung einzusetzen? Seinen Ursprung hat seine heutige Lebenseinstellung vielleicht schon in einer Zeit, als er das Holzhausenschlösschen nur vom Cover einer Schallplatte kannte. Er wuchs als Sohn eines Tierarztes in der Nähe von Trier auf, erzählt von einer glücklichen Kindheit, in der er oft seine Großmutter besuchte, viel musizierte und sehr viel Zeit in der Buchhandlung seiner Patentante verbrachte. Besondere Menschen, Begegnungen in der Musik, Literatur und Kunst motivierten ihn bis heute.

Auch wenn der Vater von Zwillingen in seiner Arbeit sehr aufgeht, weiß er: „Zeit und Raum zu schaffen, ist eine Art zu geben. Wenn ich nach Hause gehe und den Schlüssel in der Tür umdrehe, stelle ich mich darauf ein, ganz für die Familie da zu sein, wenn ich die Tür aufmache“.

Der Hobbyornithologe bietet am Wochenende auch Friedhofsführungen für Kinder, Schulklassen und Familien an, wobei es ihm wichtig ist, dass die Teilnehmenden sich mit sich selbst und dem Reichtum an vielen interessanten Symbolen auseinandersetzen. „Wenn Kinder Fragen stellen, hat man schon so viel gewonnen. Das ist ganz anders als wenn man nur dozierend tätig ist.“

Für ihn sei wichtig, dass das komplett durch Spenden finanzierte Stiftungsprogramm auch Familien anspreche, die sich sonst nicht in Kulturhäuser trauten, dass sich im Holzhausenschlösschen Menschen von Literatur, Musik und Kunst berühren ließen, Vertrauen zueinander fänden, miteinander im Diskurs blieben.

„Vertrauen, dieses schwerste Abc“, so habe es Hilde Domin gesagt, mit der Greve zusammen das Buch „Nachkrieg und Unfrieden“ herausgegeben hat. „Sie buchstabieren etwas für sich selbst, versuchen das mit anderen zu teilen und begeben sich gemeinsam auf einen neuen Weg. Und daraus entwickelt sich dann Vertrauen. Wenn sie mit Stiftungen kooperieren und mit vielen Menschen täglich in den unterschiedlichsten Stiftungsprojekten zusammenarbeiten, müssen sie das genauso machen,“ lautet sein Credo.

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