1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Cirque du Soleil begeistert mit Akrobatik auf dem Eis

Erstellt:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

In einem rasenden Tempo liefern die Künstler:innen ihre Choreos auf dem Eis ab.
In einem rasenden Tempo liefern die Künstler:innen ihre Choreos auf dem Eis ab. © Michael Schick

Der Cirque du Soleil beeindruckt mit seiner neuen Show „Crystal“ in der Frankfurter Festhalle. Das Publikum reist sogar aus Belgien an, um die Mischung aus Luftakrobatik, Eislauf und bunten Alice-im-Wunderwelt-Zirkus zu sehen.

Manchmal weiß man gar nicht, wo man nun hinschauen soll, um nichts zu verpassen: Zu dem Artisten, der auf einen immer höher werdenden Turm aus Stühlen hinaufklettert, oder unten zu den Eiskunstläufer:innen, die parallel beeindruckende wie synchrone Choreographien mit Stühlen oder, später in der Show, mehrfache Rückwärtssaltos und Pirouetten auf dem Eis abliefern. „Das ist wahnsinnig schön und energiegeladen, aber ich fühle mich etwas überfordert, weil so viel gleichzeitig passiert“, sagt eine Zuschauerin, die aber auch betont: „Es ist beeindruckend, was für eine Körperbeherrschung diese Künstler haben.“

An diesem Mittwochabend ist die Frankfurter Premiere der neuen „Cirque du Soleil“-Show „Crystal“ in der Festhalle. Während die vorderen Reihen belegt sind, bleiben weiter hinten einige Plätze frei. Seit 1984 gibt es den kanadischen Cirque du Soleil, der in Québec begonnen hat. Seitdem laufen parallel weltweit viele Shows. Erstmals geht es bei der 42. Produktion nun für die Artist:innen aufs Eis.

Es ist eine Mischung aus Akrobatiknummern, Eiskunstlauf und Zirkus. Die knallbunte Show erinnert an eine Alice-im-Wunderland-Welt. Die Protagonistin ist Crystal: Eine rothaarige Teenagerin, die in der realen Welt gemobbt wird. Ihre Mitschüler:innen sagen Dinge wie: „Crystal, du bist komisch.“ Crystals Gedanken und Gefühle werden von einer weiblichen Stimme auf Deutsch über die Lautsprecher erzählt. Sie sagt: „Ich will in einem Buch leben.“ Und weil sie es nicht mehr aushält, schreibt sie sich mit ihrem Stift in ihre eigene Traumwelt. „Ich laufe auf Schlittschuhen davon.“ Und dann bricht unter ihr das Eis (dank der Lichteffekte) und sie in die Unterwasser-Fantasiewelt ein.

Bevor die eigentliche Show losgeht, dürfen Zuschauer:innen einen der Artisten, der einen umgekehrten Eimer auf dem Kopf trägt, mit Schneebällen bewerfen. Das amüsiert viele, manche können gar nicht mehr aufhören zu lachen. Andere finden das oder Slapstick-Nummern wie den Tanz eines Clowns mit einer Laterne in der ersten Hälfte der Show „goofy“, also albern, wie eine belgische Zuschauerin sagt. „Mich faszinierte hingegen, wie sich Crystal auf einer riesigen Schaukel in luftiger Höhe mit den Schlittschuhen so elegant bewegt. Diese Nummer ist technisch beeindruckend“, sagt die 23-Jährige, die selbst 15 Jahre lang Eiskunstlauf gemacht hat. Die Artistin auf der Schaukel ist der Trapez-Star Emma Stones.

Neben der belgischen Zuschauerin sitzt ihr Freund, ein Eishockeyspieler: „Wir sind extra aus Belgien nach Frankfurt gekommen, um die Show sehen zu können, denn dort läuft sie nicht. Wahnsinn, wie rasant sie übers Eis laufen“, sagt der 23-Jährige über eine eingebaute Eishockey-Szene. Eishockeyspieler springen über Rampen, es gibt Rückwärts-Salti auf Kufen. Auch Jonglage-Nummern fehlen nicht.

Der zweite Teil der knapp zweistündigen Show (20 Minuten dauert die Pause) ist mehr Artistik, Tanz, mehr „Wow“-Effekt, von Stangenakrobatik hin zu Luftakrobatik am Trapez und Menschenpyramiden. „Im ersten Teil ziehen sich manche Nummern“, sagt eine Frankfurter Zuschauerin. „Der zweite Teil ist actionreicher und hat mir besser gefallen.“ Es gibt Live-Musiker und Sounds vom Band.

Crystal in der Frankfurter Festhalle

Noch bis einschließlich diesen Sonntag, 13. November, gastiert der Cirque du Soleil in der Frankfurter Festhalle. Ludwig-Erhard-Anlage 1.

Die Vorstellungen sind an diesem Freitag um 16 und 20 Uhr. Am Samstag gibt es gleich drei Shows, jeweils um 12, 16 und 20 Uhr. Am letzten Tag, dem Sonntag, sind die Aufführungen um 13 und um 17 Uhr. Die Show dauert etwas über zwei Stunden inklusive einer zwanzigminütigen Pause.

Die Tickets kosten zwischen 59,80 und 110,40 Euro. Es gibt sie unter anderem auf www.eventim.de oder bei der Tickethotline: 069 / 134 040 0 . rose

Eine Dame, die mit einer Senior:innen-Gruppe aus Bad Soden-Salmünster mit dem Zug angereist ist, sagt: „Die ganze Show ist außergewöhnlich.“ Eigentlich wollte die 72-Jährige sie schon vor zwei Jahren sehen. „Freunde haben mir und meinem Mann, das zu unserem 70. Geburtstag geschenkt.“ Dann kam die Pandemie. An diesem Abend ist ihr 72. Geburtstag. „Leider lebt mein Mann jetzt nicht mehr, also bin ich heute ohne ihn da. Das ist emotional nicht einfach“, sagt sie und ihre Augen glänzen. Aber sie sei froh, hier zu sein. „Die Geschichte, dass Crystal sich in ihre eigene Welt mit einem Stift schreibt, finde ich toll.“

Eine andere Zuschauerin sagt: „Ich finde es nicht so einfach, der Geschichte zu folgen. Warum tauchen da plötzlich Büromenschen mit Aktentaschen auf der Eisfläche neben Artisten mit bunten Badekappen auf einem Spielplatz auf?“ Eine Frau ein paar Reihen vor ihr sagt: „Das sind Figuren aus Crystals Universum. Man muss sich halt etwas auf die Geschichte konzentrieren, dann versteht man sie auch.“ Crystal trifft auf verschiedene Persönlichkeiten ihrer selbst, dargestellt von verschiedenen Artistinnen. Eine davon ist die Eistänzerin Hjordis Lee.

Zwischendrin gibt es auch eine lässige Stepptanz-Nummer auf Eis. Perfekt durchgestylt ist eine Büro-Szene, in der das stupide Funktionerenmüssen mit einem Schreibmaschinen-Sound und hervorragender Choreo des Ensembles dargestellt wird. Die Sätze von Crystal über das Leben erinnern oft etwas an Poesialbumsprüche: „Es ist leicht hinzufallen, aber schwer wieder aufzustehen.“

Im zweiten Teil wird es sehr romantisch: Crystal, die statt Schulrock jetzt ein blaues Retro-Mieder-Turnhöschen trägt, trifft auf ihre erste Liebe. Der schönste Moment der Show ist, als sie von ihrem Traummann, der an roten Vertikaltüchern in der Höhe kopfüber elegant entlang turnt, einhändig in die Höhe gehoben wird. Dazu läuft eine eigens für die Show komponierte Version von Beyoncés „Halo“. Es ist eine Mischung aus Luftakrobatik und Pas de Deux auf dem Eis.

Am Ende des Abends gibt es vom Publikum stehenden Applaus. Eine Zuschauerin sagt: „Das war atemberaubend.“ Eine andere sagt: „Den Atem hat es mir nicht geraubt, aber es war beeindruckend.“

Die rothaarige Protagonistin Crystal wird gemobbt, also erschafft sie sich ihre eigene Fantasiewelt.
Die rothaarige Protagonistin Crystal wird gemobbt, also erschafft sie sich ihre eigene Fantasiewelt. © Michael Schick

Auch interessant

Kommentare