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Da steht der Peter: 32 Meter hoch und 80 Jahre jung. Ende Oktober steht er in Frankfurt.

Weihnachtsmarkt in Frankfurt

Die perfekte Fichte? Christbaum Peter (80) schmückt den Römer 

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Traditionell spalten sich am Christbaum des Weihnachtsmarkts auf dem Römer die Meinungen. Das Casting für den Neuen dauerte entsprechend zwei Jahre. Er kommt aus Bad Orb. 

Frankfurt/Bad Orb – Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH Frankfurt, ist begeistert. „Er steht da wie ein junger Gott“, sagt er, als er den diesjährigen Weihnachtsbaum für die Mainmetropole erstmals in natura sieht. 

Diesmal kommt der Weihnachtsbaum aus Bad Orb und wenn man den Worten Fedas glauben möchte, dann ist es seit vielen Jahren der erste Baum, an dem man nichts nachjustieren muss. Gesetzt den Fall, dass beim Transport nichts passiert. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Zunächst ging es beim Besuch im Bad Orb darum, den richtigen Baum auszuwählen.

Die Wahl war diesmal von vornherein auf nur zwei Bäume beschränkt. Üblicherweise stehen drei Nadelgehölze zur Wahl, doch in Bad Orb machten höhere Mächte diesen Plan zunichte. Am 18. August gab es ein starkes Unwetter, das einen aus dem Baumtrio zerstörte. Die gebrochene Fichte war mit 37 Metern und einem Alter von etwa 120 Jahren ein stattliches Exemplar. So konnte die Delegation aus Frankfurt nur noch zwei Fichten begutachten.

Weihnachtsmarkt in Frankfurt: Baum kommt erneut aus dem Spessart

Bevor es jedoch tiefer in den Wald geht, noch ein paar Worte zum Herkunftsort des Weihnachtsbaumes. Ja, der Baum kommt wieder aus dem Spessart und nein diesmal nicht aus Schlüchtern (wobei speziell die Tourismusregion Spessart 2018 den Baum stellte), sondern eben aus Bad Orb. 

Die Kurstadt im Main-Kinzig-Kreis ist wohl fast jedem Frankfurter ein Begriff. Kaum ein Kind, das nicht mindestens einmal im Schullandheim auf der Wegscheide übernachtete. Und die Wegscheide liegt eben bei Bad Orb. 10 500 Einwohner aus 23 Nationen hatte die Stadt bei der jüngsten Zählung. Bad Orb lebt hauptsächlich vom Tourismus.

Da steht der Peter: 32 Meter hoch und 80 Jahre jung. Ende Oktober steht er in Frankfurt.

Zu sehen gibt es einiges. Da wäre das Gradierwerk inmitten des Kurparks. Das heutige Freiluft-Inhalatorium bietet ein salziges Klima, wie man es sonst von der Ostsee kenne, verrät Stefan Schreiber vom Hauptamt der Stadt. Früher wurde mit diesem und zehn weiteren Werken die Salzkonzentration in der Sole erhöht. Salz war ein wichtiges Gut im historischen Bad Orb. 

Außer dem Gradierwerk gibt es noch eine Therme, zahlreiche Fachwerkhäuser, eine Flowtrail-Strecke (spezielle Mountainbike-Strecke) sowie die kleine Emma – wobei sie mit drei Tonnen und 96 Jahren gar nicht so klein wirkt. Emma ist nämlich eine Dampfkleinbahn und verkehrt an den Wochenenden auf einem sieben Kilometer langen Stück zwischen Bad Orb und Wächtersbach. Vorbei an Häusern, Feldern und Wäldern.

Suche nach Christbaum für Frankfurter Römer läuft seit 2017

Und damit wären wir beim eigentlichen Highlight: dem Stadtwald von Bad Orb. Mit einer Fläche von etwa 2244 Hektar (22,4 Quadratkilometer) ist er zwar kleiner als der in Frankfurt (5785 Hektar, wobei nur 3866 innerhalb der Stadtgrenze liegen), aber er bietet eben noch deutlich höhere Fichten. So geht es durch den Wald zum ersten potenziellen Kandidaten für den diesjährigen Weihnachtsbaum.

 „Ich habe seit 2017 gesucht, welcher Baum infrage kommt“, erzählt Stadtförster Florin Federspieler. Seit jener Zeit wussten die Bad Orber, dass sie wohl in naher Zukunft mal wieder den Baum stellen dürfen. Bevor die Gruppe den ersten Baum erreicht, dringt Gesang an die Ohren der Delegation. Auf dem Waldweg kommt ihnen ein Mann in historischen Gewändern entgegen. Er stellt sich als Bader vor und bietet an, die Gruppe zu führen – warum auch nicht? Doch hinter der nächsten Biegung sind schon wieder Stimmen zu hören.

Weihnachtsmarkt in Frankfurt: Baum ist nach Räuber benannt

Die Frauen, Männer und Kinder sind allerdings nicht so freundlich wie der Bader und fordern Gold und Perlen: Sie sind Spessart-Räuber. Die Drohung mit Gewehren, Säbeln und einer Gefangenen, die nichts mehr zu lachen hat, zeigt Wirkung. Kurstadt-Bürgermeister Roland Weiß bezahlt die Halunken mit Goldmünzen. Dass diese sich als Schokolade entpuppen, freut besonders die Kinder in der Räuberbande.

Die Spessart-Räuber stoßen mit Salzwasser auf einen erfolgreichen Coup an.

Der Räuberhauptmann gibt den Weg aber noch nicht frei. Zunächst muss die Reisegruppe noch mit salzigem und angeblich gesundheitsförderndem Solewasser anstoßen. Als auch diese Hürde gemeistert ist, darf der Weg fortgesetzt werden. Thomas Feda verspricht der Theatergruppe, die die Spessart-Räuber verkörpert, dass der Baum in diesem Jahr nach ihnen benannt wird: Peter von Orb. Der soll im Dreißigjährigen Krieg ein Wilderer und Räuber gewesen sein, der einen Teil seiner Beute den Armen gab.

Frankfurter Weihnachtsbaum misst 28 Meter und ist 80 Jahre alt

Nur kurze Zeit später steht am Wegesrand des Langgutswegs schließlich der erste Baum. Eine Fichte mit einer Höhe von gut 28 Metern. Förster Federspieler schätzt sie auf circa 80 Jahre. Optisch macht sie einen guten Eindruck, doch restlos überzeugt ist noch niemand. Erstens ist sie mit 28 Metern gerade so über dem Mindestmaß, denn 27 Meter ist die unterste Grenze. Zum zweiten steht sie mitten im Dickicht. Leicht kommt man nicht daran. Und drittens, sagt TCF-Chef Feda, hat sie dünne Äste. Also weiter zum nächsten Nadelbaum.

Der steht nur ein paar Kilometer entfernt und zwar im hiesigen Wildpark. Ob es am guten Dünger der Wildtiere liegt oder an der freistehenden Lage – der Baum ist ein Bild von einer Fichte, sagt der TCF-Geschäftsführer. 32 Meter, etwa 80 bis 85 Jahre alt und gut sieben Tonnen schwer.

Glück für Frankfurt: Weihnachtsbaum wurde vom Borkenkäfer verschont

 „Packen sie ihn uns ein, den nehmen wir“, ergänzt er noch. Tatsächlich sieht man mit etwas Abstand, dass der Baum schon etwas schief ist. Doch das bekomme man beim Aufstellen noch in den Griff. „Er kommt der Perfektion schon sehr nahe“, sagt Feda. Auf der Plusseite hat die Fichte auf alle Fälle einen dichten und gleichmäßigen Wuchs

„Keine 300 Meter Luftlinie von hier wütet der Borkenkäfer“, sagt der Stadtförster. Ein Wunder, dass diese Fichten und ihre kleineren Geschwister rundherum verschont blieben. Über kurz oder lang, so Florin Federspieler, wäre aber auch er befallen worden. Der Käfer sei ein ernstes Problem im Stadtwald. Thomas Feda hat derweil andere Sorgen. Nach der Freude über den Baum folgt nun die Angst: Schafft es der Peter heil nach Frankfurt? Am 31. Oktober gibt es die Antwort. 

von Micksch Steven

In Bayreuth ist der erste Weihnachtsmarkt Deutschlands bereits eröffnet. Für Mutige, die in Badekleidung kommen, haben sich die Veranstalter etwas Besonderes ausgedacht, berichtet fr.de*.

An mehreren Orten in Hessen haben Weihnachtsbaum-Diebe zugeschlagen. Die Polizei ermittelt und will die Täter dingfest machen.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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