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Ein chinesisches Restaurant in Frankfurt hat die Reservierungen von chinesischen Reisegruppen abgesagt.

Isolation

Frankfurt: Chinesen bleiben zu Hause

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Die Geschäftsführerin des Konfuzius-Instituts befürchtet soziale Isolation wegen des Coronavirus.

Neben all der Aufmerksamkeit, die der neuartige Coronavirus seit Anfang des Jahres auf sich zieht, wird nun auch ein Thema diskutiert: Wie geht es der chinesischen Gemeinde in Deutschland, seit der Ausbruch publik wurde? Unter dem Hashtag „Ich bin kein Virus“ schildern in Deutschland lebende Asiatinnen und Asiaten von Anfeindungen im Alltag aufgrund ihres asiatischen Aussehens. Während dabei oft gar nicht zwischen unterschiedlichen Herkunftsländern differenziert würde, werde auch ein anderer Umstand ausgeblendet : Virale Erkrankungen werden nicht durch ethnische Zugehörigkeiten, sondern durch Viren übertragen.

Die Geschäftsführerin des Frankfurter Konfuzius-Instituts, Christina Werum-Wang, sieht die Verkettung als äußerst bedenklich an. Sie mahnt insbesondere vor den sozialen Folgen für die chinesische Community in Deutschland. Viele der hier lebenden Chinesinnen und Chinesen gingen aus Angst sowohl vor dem Virus als auch vor Stigmatisierungen nicht mehr vor die Tür. „Das konnte man bei den diesjährigen Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest beobachten“, sagt sie. Auf den Veranstaltungen, die normalerweise gut besucht seien, kamen dieses Jahr nur eine Handvoll aus der Community, sagt Werum-Wang.

Informationen

Das Frankfurter Gesundheitsamthat mit dem Hessischen Sozialministerium eine Info-Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Sie ist montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr erreichbar. Die Telefonnummer lautet 069 / 212 774 00.

Auch die AOK Hessenhat ein kostenfreies Info-Telefon zum Thema eingerichtet, das rund um die Uhr und auch am Wochenende erreichbar ist unter 0800 / 126 526 5.

Die Barmer-Krankenkassestellt ebenfalls rund um die Uhr eine kostenlose Telefonleitung für Fragen an Medizinexperten zum Virus bereit unter 0800 /848 411 1.

Die Bundeszentralefür gesundheitliche Aufklärung hat darüber hinaus eine Website mit Antworten auf die wichtigsten Fragen veröffentlicht. Diese ist unter folgender Adresse zu finden: www.infektionsschutz.de/ coronavirus-2019-ncov.html.

Die interne Stimmung sei über das Wochenende des 25. Januar total gekippt. „Allein die Vorstellung vor einer möglichen Ansteckung führt innerhalb der Community dazu, sich stark zu beschränken“, sagt sie. Die Folgewirkungen seien der Bedrohung durch den Virus nicht angemessen. Damit verweist die studierte Sinologin auf die sekundären Folgen für die hier lebenden Chinesen. Die Ausbreitung des Coronavirus habe auch deutliche Auswirkungen auf ihr soziales Leben. Die Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft lässt geplante Veranstaltungen im Februar ausfallen. Auch die chinesische Sprachschule setzt den Unterricht bis einschließlich dieser Woche aus, wie es auf der Homepage der Huayin Chinese School heißt. „Das ist absolut unüblich“, sagt Werum-Wang, „die Schulen haben normalerweise nie zu.“ Sie hätten mittlerweile auch Angst vor ihren eigenen Leuten, sagt sie. Ein Mitarbeiter in einem chinesischen Restaurant erzählt, dass sie Reservierungen von chinesischen Reisegruppen abgesagt hätten. Andere Restaurants und Geschäfte in der Frankfurter Innenstadt berichten teilweise von weniger Tourismus als üblich. Grund dafür ist auch der beschränkte Flugverkehr und abgesagte Reisegruppen aus China.

In den Geschäften auf der Berliner Straße, nahe dem Römer ist man auf Tourismus aus China spezialisiert. Hier werden vor allem deutsche Markenprodukte verkauft, die beliebt bei Touristen sind. Seit dem Ausbruch des Virus tragen die Verkäuferinnen und Verkäufer täglich Mundschutz. „Das ist reine Vorsorge“, sagt eine Mitarbeiterin. Das Geschäft habe schon einige Krankheiten überstanden. Normalerweise kämen viele Besucherinnen und Besucher der Messe. „Die sind jetzt weniger, aber das legt sich hoffentlich wieder“, sagt sie.

Anders als beim Sars-Virus würden beim Coronavirus die sozialen Medien eine tragende Rolle spielen. „Ich würde mir wünschen, dass diese Panikmache aufhört. Das nutzt ja nichts“, sagt Werum-Wang. (mit dpa)

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