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Frankfurt in China nicht willkommen

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Von: Georg Leppert

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Die Reise einer politischen Abordnung aus Frankfurt ins chinesische Guangzhou ist erst einmal vertagt. Im Bild das Kreisgebäude in Guangzhou.
Die Reise einer politischen Abordnung aus Frankfurt ins chinesische Guangzhou ist erst einmal vertagt. Im Bild das Kreisgebäude in Guangzhou. © rtr

Der Besuch des Dalai Lama im Römer vor drei Monaten wirkt nach: Eine geplante Delegationsreise in Frankfurts Partnerstadt Guangzhou muss abgesagt werden.

Die Delegationsreise in Frankfurts Partnerstadt Guangzhou fällt aus: Aus China kamen keine Einladungen, die für die Erteilung von Visa zwingend notwendig gewesen wären. Ursprünglich wollten Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU), seine Stellvertreter und die Fraktionschefs im Römer in diesem Monat nach China reisen.

So hatte es Siegler mit dem chinesischen Generalkonsul in Frankfurt, Liang Jianquan, im vergangenen Jahr vereinbart. Bei der Reise sollte es um parlamentarische Bräuche in China und Deutschland gehen. Auch über die Entwicklung hin zu stetig wachsenden Städten wollten sich die Parlamentarier austauschen.

Doch je näher der Besuch des Dalai Lama rückte, desto kühler wurde der Ton zwischen dem Generalkonsul und den Frankfurter Politikern. Wie Siegler berichtete, machte sich Jianquan auf eine „ganz große Runde durch den Römer“ und versuchte, Mandatsträger davon zu überzeugen, den Dalai Lama wieder auszuladen oder zumindest nicht im ehrwürdigen Kaisersaal zu empfangen.

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„Wir haben ihm dann erklärt, dass der Besuch des Dalai Lama aus unserer Sicht kein Affront gegen China ist“, sagt Grünen-Fraktionschef Manuel Stock. Doch der Generalkonsul sah das offenbar anders. Nachdem das geistige Oberhaupt der Tibeter Mitte Juli anlässlich seines 80. Geburtstags im Römer willkommen geheißen worden war, brach der Kontakt zwischen Jianquan und den Frankfurter Offiziellen ab.

Reise nach China noch nicht abgehakt

Stephan Siegler findet das schade: „Ich wäre da gerne hingefahren.“ Zumal auch ein kurzer Abstecher ins japanische Yokohama, ebenfalls Frankfurter Partnerstadt, auf dem Programm gestanden hätte. Die Entscheidung aus China müsse man aber akzeptieren, sagt Siegler.

Für die Regierung in Peking sei es offenbar unerträglich gewesen, „dass der Dalai Lama in Frankfurt über einen roten Teppich läuft“. Obwohl – oder gerade weil – wenige Wochen zuvor der Parteisekretär Han Zheng aus Shanghai im Römer empfangen worden war.

Siegler und seine Kollegen im Römer geben sich derzeit betont unaufgeregt. Weder stünde Guangzhou als Partnerstadt zur Disposition, noch müsse man um die wirtschaftlichen Beziehungen zu China fürchten. „Am Rhein-Main-Gebiet führt doch ohnehin kein Weg vorbei“, sagt Siegler.

Deshalb werde die Stadt auch ihr Verhältnis zum Dalai Lama nicht ändern. „Der Respekt einem Nobelpreisträger gegenüber“ gebiete es, ihn weiterhin einzuladen. Die Reise nach Guangzhou hat Siegler aber noch nicht abgehakt. Bis Mitte oder Ende nächsten Jahres könnten sich die diplomatischen Beziehungen normalisiert haben, glaubt er: „Wenn ich dann noch Stadtverordnetenvorsteher bin, fliege ich gerne hin.“

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