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Frankfurt: Bunte Botschaften im Angebot

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Von: Clemens Dörrenberg

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Picasso-Gesichtscreme oder ein spezielles Gleitgel: Künstlerin Silke Thoss hat aus einer Galerie ihre Version eines Kiosks gemacht.
Picasso-Gesichtscreme oder ein spezielles Gleitgel: Künstlerin Silke Thoss hat aus einer Galerie ihre Version eines Kiosks gemacht. © Peter Jülich

Künstlerin Silke Thoss verbindet ihre Kunstmarkt- und Konsumkritik in einem temporärem „Kiosk“, den sie in einer Galerie in Frankfurt eingerichtet hat.

Zeitungen sind so ziemlich das Einzige, was in „Silkys Späti“, in der Fahrgasse nicht im Sortiment zu sein scheint. Aber sie stecken in jedem der farbig bepinselten und übergroß gestalteten Produkte, die Silke Thoss unter ihrem Künstlernamen Silky in der Galerie „Der Mixer“ verkauft. Wie einen Kiosk, in Berlin auch Spätkauf oder Späti genannt, hat die Künstlerin ihre „interaktive Installation“ eingerichtet.

Aus Kleister und alten Zeitungen, die Thoss während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 in ihrer Nachbarschaft gesammelt hatte, rührte die Künstlerin in ihrem Berliner Atelier Pappmaché an, formte daraus, was ihr in den Sinn kam, bemalte und beschriftete es mit popkulturellen Bezügen. Mehrere Hundert Verpackungen ohne essbaren Inhalt, dafür mit mal mehr, mal weniger plakativen Sprüchen sind auf diese Weise entstanden. „Man tut so, als ob“, sagt Silke Thoss zu ihren Kunstwerken und weiter: „Ein schönes Spiel.“

Sixpacks Bier, auf denen Arnold Schwarzenegger und Iggy Pop abgebildet sind, stehen neben einer „Fuck the Jobcenter-Gleitgel“-Tube und einer Tüte, auf der „Everyday is a Holiday“ geschrieben steht. Weitere vermeintliche Flaschen und Tetrapaks stehen in Kühlschränken aus Holz. „Freud’sche Verbrecher“ gibt es ebenfalls im Angebot wie „Alter weißer Mann“ in Rotweinflaschen.

Auf einem Schild an der Wand steht in Leuchtreklameoptik: „Wake up! Life is a just dream“, daneben das schreiende Gesicht von Sängerin Nina Hagen. In einem Regal vor der Theke liegt zwischen zahlreichen weiteren Verpackungen, die Schokoriegeln ähneln, eine mit der Aufschrift „Good is better“, darunter der Preis von 29,99 Euro. Für rund 20 bis etwa 60 Euro sind die einzelnen Kunstwerke mit Pop-Art-Bezug zu haben. Manch Besucher:in würde aber auch „zielstrebig zum Zigaretten- oder Chipskauf“ in die Galerie kommen.

Neben „Ironie“ und „lustige Sprüche klopfen“ will Thoss mit ihrer Installation Kritik am „Kunst-Business“ üben. „Mein Späti ist einfach zugänglich und hat wenig mit Elitekunst zu tun, die sonst oft gezeigt wird“, sagt die Künstlerin, die in Bremen und London Freie Kunst studiert hat. „Es geht um Konsum, mit dem ich aufgewachsen bin“, ergänzt die 53-Jährige, die sich beim Entstehungsprozess ihrer Kunstwerke an Verwandtschaftsbesuche in den USA während ihrer Jugendzeit erinnerte und von Werbetafeln, die aus den 60er Jahren übrig geblieben waren, inspirieren ließ.

„Das ist ein völlig anderes Format, als Skulpturen oder Bilder an der Wand zu präsentieren“, sagt Besucher Haiko Emmel, der einen rosa-gelben Quader mit den Aufschriften „Don’t cry“ und darunter „Work“ für 39,99 Euro erstanden hat. „Das kann man sich noch leisten“, sagt der 60-Jährige und fügt hinzu, dass die „ironisch-kritische“ Einrichtung der Galerie einen „Kontrapunkt“ zu den übrigen Kunstausstellungen in der Straße bilde.

Bis 26. Februar ist „Silkys Späti“ , in der Galerie „Der Mixer“, Fahrgasse 22, jeweils mittwochs bis freitags von 15 bis 20 Uhr geöffnet.

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