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Die Bundespolizei wirbt bei einer Tasse Kaffee neue Mitarbeiter.

Ausbildung

Auf einen Kaffee mit der Bundespolizei in Frankfurt

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Die Bundespolizei versucht mit einem ungewöhnlichen Ansatz, im Hauptbahnhof Berufsanfänger für sich zu gewinnen.

Der junge Mann im Hauptbahnhof wirkt ziemlich actionorientiert. Was es für so eine Kampfhundeausbildung brauche, fragt er. Der Bundespolizist mit dem Hund an der Leine erklärt ihm geduldig, dass Lexi kein Kampfhund ist, sondern sein tägliches Fressen als Sprengstoffspürhund eher mit der Nase verdient. Am vergangenen Freitag hat Lexi noch einen ICE am Südbahnhof nach Sprengstoff durchschnuppert, jetzt gehört die achtjährige Hündin zum Rekrutierungsteam der Bundespolizei.

„Coffee with a cop“ heißt die ungewöhnliche Form der Nachwuchsgewinnung. Die Idee stammt aus den USA, wo Polizisten in Problemviertel gingen, um mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen. „Wir haben das für uns umgemünzt in die Nachwuchsgewinnung“, sagt Bundespolizistin Christina Mohr, die eigens aus Potsdam angereist ist, um Nachwuchsgewinnung und Kaffeetafel zu koordinieren. 

Für die Plauderstunde am Freitag im Hauptbahnhof hat die Bundespolizei sogar Werbung auf Instagram gemacht. Die Presseeinladung klingt hingegen eher nach Wellnessurlaub: „Für eine entspannte Gesprächsatmosphäre und besten Kaffeegenuss sorgt ein Barista mit seinem Coffee-Bike und italienischer Kaffeemaschine.“ Doch nur mit Kaffeetrinken kommt niemand zur Bundespolizei. Die Anforderungen sind hoch, wie der Vizepräsident der Bundespolizeidirektion Koblenz, Michael Schuol verdeutlicht. „Wir suchen aktive junge Leute die vor allem aufgeschlossen, selbstbewusst und sportlich sind.“

Michael Wiener sieht durchaus sportlich aus. Der 20-Jährige aus Darmstadt trinkt zwar keinen Kaffee, hat von der Werbemaßnahme aber auf Instagram gelesen und will sich das mal anhören vor seinem Weg zur Uni. Mit seinem Jurastudium ist er nicht so ganz zufrieden. Da hört er von einem Einstellungsberater gerne, dass er im gehobenen Dienst ein duales Studium absolvieren dürfe, bei dem er auch gleich etwas Praxis vermittelt bekomme.

Etwa 500 junge Leute hofft Oberkommissarin Mohr, im Laufe des Tages am Hauptbahnhof ansprechen zu können. Das zumindest gibt die Erfahrung ähnlicher Kaffeetafeln im vergangenen Jahr in München, Stuttgart, Berlin und Essen her. Das Gros der jungen Leute wird am frühen Nachmittag erwartet, wenn die Schule aus ist. Am Mittwoch sind die kaffeeaffinen Bundespolizisten dann noch am Frankfurter Flughafen, auch dort werden Leute gebraucht. Die Nachwuchsgewinnung der Bundespolizei läuft zwar zentral, doch wer mit der Ausbildung fertig ist, hat große Chancen, im Rhein-Main-Gebiet seine erste Verwendung zu finden. Im März etwa, werden in der Inspektion im Hauptbahnhof gleich 36 neue Kollegen erwartet.

Bundespolizei stellt ein

Einstellung:

Die Bundespolizei sucht jedes Jahr zwischen 2700 und 3000 neue Kollegen im Alter zwischen 16 und 39 Jahren. Im Mittleren Dienst können Bewerber mit Hauptschulabschluss anfangen, im Gehobenen Dienst mit Abitur.

Bewerber gibt es laut Bundespolizei reichlich, alleine für das Jahr 2019 waren es bundesweit 33 000. Auf jede offene Stelle kommen somit zwischen acht bis zehn Bewerber.

Das Auswahlverfahren erfolgt regional und umfasst unter anderem einen Intelligenztest und Fitnessprüfungen. Die Ausbildungsdauer im Mittleren Dienst dauert zweieinhalb Jahre und im Gehobenen Dienst drei Jahre. (ote)

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