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Notgeld mit Max und Moritz von 1921
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Notgeld mit Max und Moritz von 1921

Geldmuseum der Bundesbank

Frankfurt: Bundesbank eröffnet neue Ausstellung

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank eröffnet eine neue Ausstellung. Sie zeigt auf, warum sich für Banknoten oder Bitcoins fast alles kaufen lässt, was Menschen umtreibt.

Die Idee des baltischen Kaufmanns Johan Palmstruch war bestrickend. In Schweden zahlte man Mitte des 17. Jahrhunderts wie im übrigen Europa mit im wahrsten Sinne unhandlichem Kupfergeld - wie erleichternd wäre es da doch, stattdessen mit Papierscheinen zu bezahlen, die man im Fall der Fälle einfach wieder umtauschen könnte? Mit königlicher Erlaubnis gab die Palmstruch-Bank so die ersten Geldscheine Europas aus, und es ist auch gleich eine Geschichte, die zu denken gibt, wie Bundesbankvorstand Johannes Beermann berichtet.

„Diese Kreditzettel waren nicht vollständig gedeckt, und als der Kupferpreis stark anstieg, geriet die Bank in Zahlungsschwierigkeiten“, sagt er bei der Eröffnung der neuen Ausstellung des Geldmuseums in der Bundesbank, die vom morgigen Mittwoch an bis Ende Mai 2022 zu sehen sein soll. „Wer Geld macht, hat Macht“, sagt der CDU-Politiker Beermann, der seit 2015 im Vorstand der Bundesbank sitzt. Allerdings, das zeigt schon das historische schwedische Beispiel wie so viele nach ihm, brauchen Währungsschöpfer und -hüter das Vertrauen der Menschen, die Leistungen und Waren gegen Papier oder Ähnliches tauschen.

„Geldmacher. Wer bestimmt, was Geld ist?“ im Geldmuseum beschäftigt sich mit einem Thema, das umso komplexer wird, je intensiver man sich damit befasst. Warum kann man für manche Scheine (oder auch für elektronische Bitcoins und ähnliches) Kostbarkeiten kaufen, und warum sind andere heute nur noch wertloses Papier?

Bei Gold, Silber oder auch Kupfer scheint die Sache ja auf den ersten Blick schon klar: Das Material an sich ist wertvoll - allerdings spielen gerade beim Gold auch viele irrationale Dinge wie seine strahlende, unverwüstliche Reinheit und der jahrtausendealte Mythos eine entscheidende Rolle für den Reiz, den der Stoff ausübt. Und natürlich glitzert und glänzt es in etlichen Vitrinen.

Die Ausstellung

Die Deutsche Bundesbank hütet nicht nur den zweitgrößten Goldschatz der Welt (3374 Tonnen waren es 2018), sie sammelt auch seit Jahrzehnten Banknoten, Münzen und Ähnliches. Das wohl kostbarste Objekt ist eine Goldmünze, die Brutus für seinen ermordeten Stiefvater Julius Caesar prägen ließ. Weltweit seien nur zwei weitere erhalten, sagt Museumsleiter Ulrich Rosseaux.

Eine Auswahl der rund 350 000 Objekte ist im Geldmuseum der Bank ausgestellt. Das Museum auf dem Bundesbankgelände in der Wilhelm-Epstein-Straße 13 in Frankfurt kann für seine jüngste Ausstellung „Geldmacher. Wer bestimmt, was Geld ist?“ auf diese riesige Sammlung zurückgreifen. Das Stuttgarter Atelier Schubert hat die Ausstellungsarchitektur entworfen.

Zu sehen ist die Ausstellung bis Ende Mai 2022 von Mittwoch an täglich außer samstags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. aph

Anderes ist da schon rätselhafter, um nicht zu sagen skurril, zumindest auf den ersten eurozentrischen Blick: Warum bezahlen Menschen in der Südsee mit Muscheln oder in Zentralafrika mit spatenförmigen Eisenbarren? Aber Moment: Auch Fußballbildchen können trotz geringen materiellen Aufwands etwas sehr Kostbares sein, ein überaus wertvolles Gut für die leidenschaftliche Sammlerin, den passionierten Sammler.

Und sind Euro-Geldscheine letztlich nicht auch nur weitgehend fälschungssichere Papierbögen von äußerst geringem Materialwert - selbst wenn in der Ausstellung die erste von der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde unterzeichnete Fünf-Euro-Note liegt? Es muss eben jemand für den Wert dieses Papiers geradestehen, ob eine Präsidentin oder eine Staatengemeinschaft.

Dass das auch gehörig schiefgehen kann, verschweigt die Ausstellung nicht. Inflationsgeld ist zu sehen, mit so vielen Nullen, dass die Zahlen schwindelerregend sind, und Notgeldscheine von verzweifelten Kommunen, die während der Inflation eigene Währungen herausgaben - ein ganz ungewöhnliches Beispiel ist da eine Serie des Dorfes Wiedensahl, Geburtsort von Wilhelm Busch. Wiedensahl setzte 1921 dessen Geschichte von Max und Moritz auf seine kleinen quietschbunten Scheine. Die haben so heutzutage zwar keinen Geld-, aber dafür wenigstens noch einen Sammlerwert.

Aber wie wird sich die Finanzwirtschaft in den kommenden Jahren entwickeln? Werden Münzen und Scheine verschwinden, vielleicht durch so etwas Abstraktes wie Bitcoins ersetzt? Aktuell gibt es weltweit mehrere Tausend digitale Währungen, Fachleute sprächen da eher von Krypto-Token oder Krypto-Assets, heißt es in der Ausstellung. Diese abstrakten Währungen anschaulich darzustellen, sei nicht einfach, da Alltagssituationen zur Illustration bisher fehlten, sagt Museumsleiter Ulrich Rosseaux. Das Geldmuseum hat aber dennoch versucht, selbst diesen Themenbereich auch für Kinder verständlich darzustellen.

„Ich bin davon überzeugt, dass es immer reales Geld geben wird. Allerdings denken die Zentralbanken weltweit verstärkt über digitales Geld nach“, sagt Bundesbankvorstand Beermann. Die Besucher:innen können am Ende mit bunten Aufklebern an einer Wand voller Thesen selbst eine Prognose abgeben, wohin der Weg gehen wird.

Dass Scheine und Münzen zurückgedrängt werden, kann manchmal aber auch ganz praktische Gründe haben: „Eine Kollegin von den Fidji-Inseln berichtete mir zum Beispiel, wie schwierig die Logistik sei, Geld auf die vielen Hundert Inseln zu bringen“, sagt Beermann. Wer mit Kreditkarte oder Smartphone bezahlt, muss sich um solche Probleme nicht mehr kümmern.

Einst ein kostbares Gut: Muschelgeld aus Nordamerike.
Fußballbildchen können begehrte Tauschobjekte sein - fast schon eine Währung für sich.
In Währungskrisen verliert das Geld seinen Wert - und die Obrigkeit, die oft daran schuld ist, appelliert ans schlechte Gewissen.
Zwischen Materialwert und Kunstfertigkeit: Geld aus Nigeria in Form eines Kupferrings.
Die Deutsche Bundesbank sammelt alles zum Thema Geld aus den letzten Jahrtausenden.
Wer Geld macht, hat Macht - in der Ausstellung symbolisiert mit Krone und Zepter als Kinderspielzeug zum Anfassen.

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