Büromarkt

Frankfurt: Büromieten bleiben trotz Corona hoch

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Corona-Krise könnte den Büromarkt Frankfurt sehr verändern. Plötzlich spielt Infektionsschutz bei der Flächenwahl eine große Rolle. Die Mieten bleiben erstmal sehr hoch.

In Frankfurt ist im ersten Halbjahr nach Zahlen des Maklerhauses NAI Apollo so wenig Bürofläche wie nie seit der Jahrtausendwende neu vermietet worden. Der Flächenumsatz liege mit gut 116 000 Quadratmetern fast 50 Prozent unter dem zehnjährigen Mittel. Besonders wenig passierte demnach im von der Krise noch heftiger getroffenen zweiten Quartal. Noch der größte Abschluss war, dass der Schwab-Versand 3800 Quadratmeter Fläche an der Hanauer Landstraße in Fechenheim mietete. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftkanzlei Freshfields sich 14 600 Quadratmeter im Hochhausprojekt „Four“ gesichert, Google 4600 Quadratmeter große Flächen im „Global Tower“ gemietet.

Mittlerweile sei ein Anziehen der Flächennachfrage aber wieder erkennbar, sagt NAI-Apollo-Geschäftsführer Andreas Wende. „Somit könnte beim Umsatz der Tiefpunkt bereits erreicht sein, zumal einige Großgesuche im Raum stehen.“

Unternehmen hätten in der Krise bei weitreichenden Entscheidungen drei Monate Pause eingelegt, heißt es beim Maklerhaus Knight Frank. Nun befänden sich viele in einer Orientierungsphase. Das liege auch daran, dass Infektionsschutz nun für alle als Topthema auf der Agenda stehe. Bei der Büroflächenauswahl spielten jetzt, um Abstände einzuhalten, etwa die Größe von Fluren, Konferenzräumen und Teeküchen eine wichtigere Rolle. Gleichzeitig beschäftigten sich Unternehmen mit der Entzerrung von Flächen und bauten ihre flexiblen Arbeitsplatzmodelle wie Desksharing und Homeoffice weiter aus, sagt Lukas Kasperczyk, Leiter des Bereichs Bürovermietung bei Knight Frank in Frankfurt.

Trotz dieser Entwicklungen sind nach Zahlen der Maklerhäuser die in Frankfurt sehr hohen Mieten noch nicht gesunken. Knight Frank sieht diese im Schnitt weiter bei 22 Euro pro Quadratmeter, in der Spitze bei 45 Euro pro Quadratmeter. NAI Apollo nennt noch höhere Werte.

Knight Frank beobachtet trotz Krise einen sogar gesunkenen Leerstand. Das habe mit der relativ kleinen Zahl an neuen Flächen zu tun, die zuletzt auf den Markt kamen, und der Umwandlung von Büroraum. So soll ein Teil des früheren Neckermann-Areals zum Rechenzentrum werden, ein Bürogebäude am Ben-Gurion-Ring eine Schule. Bei NAI Apollo sieht man dagegen einen kleinen Anstieg des Leerstands. Und geht davon aus, dass sich die Krise zeitversetzt auch auf das Mietniveau auswirken dürfte.

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