+
Alix Puhl war immer und überall für Schulthemen ansprechbar: im Restaurant, beim Walken, im Supermarkt.

Alix Puhl

Netzwerkerin in Sachen Schule in Frankfurt

  • schließen

Die ehemalige Stadtelternbeirätin Alix Puhl erhält die Bürgermedaille.

Um 5.45 Uhr eine Mail von Alix Puhl zu bekommen, ist nicht ganz ungewöhnlich. Um die Uhrzeit kann sie gut arbeiten. Da liegen die vier Kinder noch im Bett. Aber wer um 5.45 Uhr Mails schreibt, bekommt auch zu nachtschlafender Zeit schon Anrufe. Zumindest war das so, als sie Stadtelternbeirätin war. Da klingelte dann auch mal vor sechs das Handy. Aber auch sonst wollten Eltern eigentlich ständig mit ihr reden. Über die Schulwahl, über Schultoiletten, über die Suche nach Hortplätzen. Ob im Supermarkt an der Kasse, beim Walken, im Restaurant, am Sportfeldrand beim Hockeyspiel der eigenen Kinder. „Da stand ich oft mit den Eltern der gegnerischen Mannschaft und hab geredet, statt mir das Spiel anzuschauen“, sagt sie. „Aber man muss eben immer ansprechbar sein.“ Um zu wissen, wo die Eltern, die man schließlich vertritt, überall der Schuh drückt.

Sechs Jahre lang, bis 2018, gehörte Alix Puhl dem Stadtelternbeirat an, vier Jahre davon als Vorsitzende. Sie ist in dieser Zeit stadtweit bekannt geworden. Bei allen Fragen zum Thema Schule war ihre Meinung gefragt. Sie hat unter anderem für die Sanierung maroder Gebäude und für mehr Schulen gekämpft – und wenn nötig, hat sie sich dabei mit jedem angelegt. Ob mit Politikern, Stadtverwaltung, Staatlichem Schulamt oder Ministerium. Sie hat nirgendwo locker gelassen, bis sie gehört wurde. Bei ihrer Verabschiedung vor einem Jahr sagte Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) zu Puhl: „Sie waren hartnäckig. Und Sie haben den Eltern in Frankfurt ein Gesicht und eine Stimme gegeben.“ Am heutigen Montag erhält Puhl nun für ihr ehrenamtliches Engagement die Bürgermedaille der Stadt.

Ehrenamtliche Engagement hat bei ihr Familientradition. Ihr Vater ist der Bankier Michael Hauck, die Familie lässt sich in Frankfurt bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. „Es war immer selbstverständlich, dass man ein Ehrenamt hat“, sagt Puhl. Sie war Schulsprecherin am Gagern-Gymnasium, übernahm den Platz vom Vater im Beirat des Bürgerinstituts. An ihrem Geburtstag sammelt sie regelmäßig Spenden, im vergangenen Jahr etwa für die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“. Oder sie unterstützt mit ihrem Mann Oliver, der in der Finanzbranche tätig ist, den Frankfurter Kinderschutzbund oder den Club des Frankfurter Schauspiels.

Job für die Familie aufgegeben

Es ist daher auch fast selbstverständlich, dass sie sich in der Elternarbeit engagiert. „Das ergab sich einfach so“, sagt die 47-Jährige. Und so wurde sie direkt in der Mini-Kita des ersten Kindes in den Vorstand gewählt. „Es ist eine tolle Möglichkeit, dranzubleiben und nicht nur am Sandkasten zu sitzen“, sagt Puhl. Denn ihren Job hat die Juristin für die Familie aufgegeben. „Mit vier Kindern zu arbeiten, ist organisatorischer Wahnsinn, so wollten wir das nicht.“

Aber dann kam die Elternarbeit im Kindergarten, in der Grundschule, im Gymnasium. Und eben die Wahl zur Stadtelternbeirätin. Da habe sie dann das Engagement etwas „überschwappen“ lassen, erzählt Puhl. „Das Themenfeld ist so groß, da hat man immer das Gefühl, nicht allem zu genügen.“ Und deshalb noch mehr arbeiten zu müssen. Denn wer gerade erst als Mutter an der Grundschule angekommen ist, weiß nicht, wie ein Berufsschule funktioniert, wer auf dem Gymnasium ist, hat erst einmal keine Ahnung von einer integrierten Gesamtschule. Doch es sind schließlich die Eltern von mehr als 60 000 Schülern, die vertreten sein wollen. Also schafft sich Puhl das Wissen drauf, sitzt in unzähligen Planungsgruppen, Arbeitsgruppen, Versammlungen.

Zu Terminen kommt sie in der Regel mit dem Fahrrad. Meist im Poloshirt, immer die Haare zum Zopf gebunden. Sie ist ein pragmatischer Mensch. „In Frankfurt kommt man mit dem Rad am schnellsten voran.“ Weil aber nicht alle so pragmatisch sind wie sie, ist sie auch öfter mal „stinksauer“. Denn wenn etwa die Schülerzahlen steigen, dann muss man mehr Schulen bauen. So einfach ist das. Und wenn das nicht passiert, dann regt sie sich auf, sitzt kopfschüttelnd im Bildungsausschuss. Wenn sie dann redet, dann redet sie schnell. Packt viele Worte in wenig Zeit. Als würde sie allen alleine schon so sagen wollen: Kapiert endlich, dass keine Zeit mehr zu verlieren ist.

Doch nach sechs Jahren war es genug. Da kannte sie alle Schulprobleme der Stadt, aber nicht die der eigenen Kinder. Das älteste Kind ist heute 17 Jahre alt, das jüngste geht in die fünfte Klasse. Noch immer ist sie in drei Klassen Elternbeirätin. Und im vergangenen Jahr hat sie bei der IHK eine Ausbildung zur Mediatorin gemacht. Sie hilft nun bei der Lösung von Konflikten. Die gibt es an den Schulen genug. „Als Stadtelternbeirätin hatte ich oft Anfragen von Eltern, ob ich mit zu Gesprächen an die Schule komme“, sagt Puhl. Doch das sei in dem Amt nicht ihre Aufgabe gewesen. „Jetzt kann ich da helfen.“

Überhaupt lassen sie die Schulen und deren Probleme nicht los. Zum Beispiel, dass Kunst und Sport dort oft untergehen. „Das sind Lebensfächer, aus denen man Lebensglück ziehen kann“, sagt sie. Gerade die Kunst liegt ihr besonders am Herzen, sie sammelt in ihrem Haus in Sachsenhausen Fotografien der Künstlerin Barbara Klemm. Sie selbst wurde als Kind ins Städel gescheucht und ins Konzert geschickt. „Es bereichert das Leben“, sagt Puhl. „Aber es kann nicht sein, dass es vom Glück abhängt, Eltern zu haben, die es einem nahebringen.“

Sie arbeitet derzeit an einem Projekt, das sie „Sing your life“ nennt. Lehrer sprechen mit Schülern über das Leben. Was sie nervt, was sie super finden, was ihnen Freude macht. Es sei viel zu wenig Zeit an den Schulen zum Reden, findet Puhl. Am besten solle das in Vertretungsstunden gemacht werden, denn „da passiert oft wenig Sinnvolles“. Die Gedanken der Kinder und Jugendlichen sollen dann zu Songs, Charakteren und einer Handlung werden: in einer Rock-Pop-Soul-Rap-Oper. Pragmatisch, wie sie nun einmal ist, sagt Puhl: „Da können wir ihnen dann gleich auch ein paar andere Musikstile unterjubeln.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare