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Lange Schlangen vor dem Bürgeramt Frankfurt: „Das tut doch weh“

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Von: Sabine Schramek

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Ansturm aufs Bürgeramt in der Langen Straße. Rainer Rüffer
Ansturm aufs Bürgeramt in der Langen Straße in Frankfurt. © Rainer Rüffer

Im Juli ist mittwochs kein Termin für Angelegenheiten im Bürgeramt Frankfurt notwendig. Die Nachfrage ist groß, die Schlangen sind lang.

Frankfurt - Die stolze Fontäne des mehr als 200 Jahre alten Rechneigrabenweihers schräg gegenüber vom Bürgeramt Frankfurt in der Langen Straße wirkt wie eine aufgeregte Betrachterin ihrer Umgebung: Autos und Straßenbahnen rauschen an ihr vorbei, und vor dem Bürgeramt mit der Hausnummer 25 hat sich bis weit um die nächste Ecke in die Rechneigrabenstraße eine lange Schlange von Wartenden gebildet.

Müde Gesichter um 7 Uhr morgens, Hände voller Papiere, quengelnde Kleinkinder mit Müttern, die nach Fläschchen und Stofftieren in Kinderwagen greifen, Leute in Anzügen, in Handwerkermonturen, in Sommerkleidern und Shorts. Es ist jetzt schon heiß und stickig. Maria Klein (62) fächert sich mit Unterlagen Luft ins Gesicht. „Das wird ja was werden“, seufzt sie. „Ich muss um acht Uhr spätestens los zur Arbeit und muss mich ummelden. An Termine kommt man nicht dran. Alles ist immer voll, und viele Bürgerämter sind ja auch noch ganz zu.“

Im Juli ohne Termin ins Bürgeramt Frankfurt

Wer etwas im Bürgeramt zu erledigen hat, braucht im Juli mittwochs keinen – online mitunter schwer buchbaren – Termin, sondern kann sich anstellen. Der Andrang ist groß.

Viele starren auf ihre Handys, manche lesen Zeitung, andere kommen miteinander ins Gespräch. Chung Nguyen hatte am Vortag einen Termin um 13.35 Uhr, um ein Touristenvisum für seine Schwester zu holen. Er war pünktlich, hatte alles dabei außer seinem Portemonnaie mit dem Ausweis darin. „Sie haben mich weggeschickt, ich bin nach Bornheim mit dem Rad gefahren, habe ihn geholt, war um 13.53 Uhr zurück, und ich durfte nicht mehr rein, weil sie um 14 Uhr schließen wollten. Den Termin haben sie mir einfach nicht mehr freigeschaltet“, sagt der Vietnamese, der seit 25 Jahren bei der Lufthansa arbeitet und eine schwere Tumorerkrankung hat.

Frankfurt: Lange Schlange an Rechneigrabenstraße - „Dachte gerade schon, es ist etwas passiert“

„Jetzt muss ich hier anstehen und habe eigentlich keine Zeit“, so der Mittdreißiger. Vor einem Jahr habe das Touristenvisum 25 Euro gekostet, jetzt 29 Euro. „Das tut doch weh. Man zahlt seine Steuern, höhere Gebühren, wartet ewig auf Termine, und wenn man einen kleinen Fehler macht, wird man doppelt bestraft, wenn man etwas braucht. Ein Bürgeramt sollte für Bürger da sein und sie nicht abweisen“, sagt er enttäuscht und schüttelt den Kopf.

Wer in der Rechneigrabenstraße wartet, hat Glück. Ein Kiosk hat offen, es gibt Kaffee. „Ist das immer so voll hier am Amt?“, fragt ein Mann. „Nein, so voll war es noch nie“, antwortet der Betreiber. „Ich dachte gerade schon, es ist etwas passiert, als ich die vielen Menschen gesehen habe. Letzte Woche ging die Schlange nicht mal bis zur Ecke. Heute hört sie gar nicht auf.“

Bürgeramt in Frankfurt: „Logisch ist das nicht“

Der Kaffee läuft. Zwei Kundinnen überlegen lachend, ob sie sich nächste Woche gegen Bezahlung als Platzhalter in der Schlange anbieten sollen. „Aber im Ernst. Erst kommt man kaum an Termine ran, und jetzt, wo überall wieder Corona ist, machen sie auf. Nicht verteilt auf alle Tage, sondern einmal die Woche. Logisch ist das nicht“, finden sie. Um 7.30 Uhr kommt Bewegung in die Schlange. Die Tür zum Amt öffnet sich, die ersten Besucher:innen verschwinden im Gebäude. Ein Security-Mitarbeiter lenkt freundlich die Geschwindigkeit, mit der die Leute eintreten dürfen. „Ein Lächeln am frühen Morgen ist schon etwas Schönes“, bemerkt ein junger Mann mit Aktentasche. Eine Viertelstunde später ist die Warteschlange deutlich kürzer. Nach 20 Minuten kommen die ersten Besucher wieder raus. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich doch noch pünktlich zur Arbeit komme“, ist Maria Klein erleichtert. „Die waren nett und schnell. Jetzt wird alles gut“, sagt sie strahlend und geht rasch zur Bahn.

Die Öffnung der Bürgerämter am Mittwoch erklärt die Dezernentin für Bürgerservice, Eileen O’Sullivan (Volt), als Versuch, „den unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bedürfnissen möglichst gleichermaßen gerecht zu werden“. Wie es nach Ende Juli weitergeht, steht noch nicht fest. Wann die noch geschlossenen Bürgerämter wieder geöffnet werden, ist ebenfalls noch offen. (Sabine Schramek)

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