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„Gebet für das Leben“: Mahnwachen vor der Beratungsstelle von Pro Familia

Abtreibungen

Bündnis „Frankfurt für Frauenrechte“ kämpft weiter gegen Mahnwachen

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Diesmal keine täglichen Proteste gegen Abtreibungsgegner.

Brigitte Otts Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Als vor fast genau zwei Jahren erstmals Abtreibungsgegner von der Initiative „40 Tage für das Leben“ mit ihrer sogenannten Mahnwache Position vor der Beratungsstelle von Pro Familia im Westend bezogen, dachte die Geschäftsführerin des hessischen Pro-Familia-Landesverbandes noch, dass sich das Problem aussitzen ließe. „Vielleicht muss man das einmal ertragen“, habe sie damals überlegt. Inzwischen weiß sie es besser.

Zweimal im Jahr, vor Ostern und im Herbst, halten christliche Fundamentalisten inzwischen je 40 Tage lang ihre Mahnwachen in der Palmengartenstraße ab. Frauen, die die Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch nehmen wollen, müssen immer noch an ihnen vorbei. Nächsten Mittwoch ist es wieder so weit. „Wir sind der Meinung, dass das die Frauen massiv beeinträchtigt“, sagt Claudia Hohmann, Geschäftsführerin der Frankfurter Beratungsstelle.

Sie ist längst nicht mehr allein. Ende Februar 2018 gründete sich in Reaktion auf die Mahnwachen das Bündnis „Frankfurt für Frauenrechte“. 2017 hatte es nur vereinzelte Proteste gegeben. Das änderte sich 2018. Unter anderem durch Demonstrationen gelang es dem Bündnis, auf die „Belagerung“ der Beratungsstelle aufmerksam zu machen. Auf die „latente Aggression und permanente Abwertung“, wie Brigitte Ott es formuliert. Seitdem hat sich einiges getan.

Im März 2018 richtete die Grünen-Stadtverordnete Ursula auf der Heide erstmals eine Anfrage an den Magistrat, um ausloten zu lassen, welche Möglichkeiten es gebe, um den „Belagerungszustand“ vor Pro Familia aufzulösen. Daraus entwickelte sich im Römer eine lang anhaltende Diskussion über die Einrichtung einer Schutzzone von 150 Metern vor der Beratungsstelle. Am Ende stimmte die Mehrheit der Stadtverordneten dafür - Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) aber weigert sich, die Schutzzone umzusetzen, weil sie seiner Überzeugung nach rechtlich nicht haltbar wäre.

„Wir sind auf uns geworfen, wenn es darum geht, den Beratungskontext zu schützen“, sagt Claudia Hohmann. Zwar hat die schwarz-grüne Landesregierung in Wiesbaden im Koalitionsvertrag festgelegt, dass Möglichkeiten zur Einschränkung von Demonstrationen vor Beratungsstellen geprüft werden sollen, doch einstweilen müssen Pro Familia und das Frauenrechte-Bündnis weiter mit den Mahnwachen umgehen.

Im letzten Herbst nutzte das Bündnis die Möglichkeiten des Demonstrationsrechts. Als Erstanmelder blockierten sie 40 Tage lang den Bereich vor dem Eingang zu Pro Familia mit Gegenkundgebungen. Die Abtreibungsgegner mussten in den hinteren Bereich des Platzes vor der Beratungsstelle ausweichen. „Doch die Lösung kann ja nicht sein, dass wir das zwei Mal im Jahr machen“, betont Beatrix Baumann, Vorstandssprecherin der Grünen. Tägliche Demonstration wird es dieses Jahr nicht geben.

Stattdessen will das Bündnis die Diskussion um die Mahnwachen weiter in die Stadt tragen. Geplant sind unter anderem ein Flashmob an der Hauptwache sowie eine Podiumsdiskussion in der Evangelischen Akademie.

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