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Frankfurt: Bündnis für marodes Schauspiel am Willy-Brandt-Platz

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Von: Oliver Teutsch

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Für den Erhalt der Städtischen Bühnen samt Wolkenfoyer machen sich mehrere Bündnisse stark. Rolf Oeser
Für den Erhalt der Städtischen Bühnen samt Wolkenfoyer machen sich mehrere Bündnisse stark. Rolf Oeser © ROLF OESER

Initiativen setzen sich für den Erhalt der Städtischen Bühnen ein und kritisieren Stabsstelle

Kurz bevor sich die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag erneut mit der Zukunft der Städtischen Bühnen befasst, haben sich mehrere Interessengruppen für den Erhalt der Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz ausgesprochen. Eine Sanierung der historischen Anlage sei aus finanziellen, ökologischen und denkmalschutztechnischen Gründen sinnvoller, betonte die „Initiative Zukunft Städtische Bühnen“ am Dienstag.

Ein Bericht der eigens ins Leben gerufenen Stabsstelle hingegen favorisiere in unlauterer Weise eine Neubauvariante in der Neuen Mainzer Straße, die als Variante zwei bekannt wurde, monierte Maren Harnack für die Initiative. Darin seien weder die Kosten für den Erwerb des Grundstücks noch für den dann notwendigen Umbau der Neuen Mainzer Straße berücksichtigt. Eine Vergleichstabelle mit den Kosten sei daher „völlig irreführend“, ergänzte Philipp Oswalt. Statt 811,2 würden für Variante zwei 952,3 Millionen Euro fällig. Der Bericht der Stabsstelle argumentiere „sehr selektiv in Richtung Neubau“, sagte Oswalt. Dabei seien grundlegende Informationen des zugrunde liegenden Gutachtens nicht einsehbar, auch nicht für die Stadtverordneten, befürchtet Oswalt.

Die Initiative wolle sich im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung erneut an die Fraktionen wenden, um sie von einem Erhalt der maroden Doppelanlage zu überzeugen. Dabei gehe es auch darum, das Thema Theater zukunftsorientierter zu denken als bislang, forderte Sascha Köhl. Die Stadt halte an einem Projekt fest, „das im 20. Jahrhundert gefangen ist“. Klimadebatte, Denkmalschutz und die Auswirkungen der Pandemie seien bislang zu wenig berücksichtigt worden.

Im Hinblick auf den Klimaschutz unterstützt Architects for Future ebenfalls eine Sanierung der Städtischen Bühnen. Der Bausektor sei für 40 Prozent der Treibhausemissionen verantwortlich, sagte Miriam Rabmund für das Bündnis. Die Planungen für die Neubauvariante berücksichtigten die sogenannten grauen Emissionen, die etwa durch die Herstellung von Baumaterialien entstünden, nicht ausreichend. Oswalt räumte für die Initiative ein, die jetzige Doppelanlage sei „eine Energieschleuder“. Es müsse ordentlich investiert werden, aber letztlich sei ein Erhalt energieeffizienter als ein Neubau.

Unterstützung erhielt die Initiative am Dienstag vom Bund Deutscher Architekten (BDA). In Frankfurt werde immer noch zu viel alte Bausubstanz abgerissen. Bauen müsse vermehrt ohne Neubau auskommen, forderte der BDA Frankfurt. Der folgenlose Abriss bestehender Gebäude ohne Berücksichtigung des ökologischen Werts der verbauten Ressourcen sei nicht länger hinnehmbar. Dem Umgang mit den Städtischen Bühnen komme dabei „eine besondere symbolische Bedeutung“ zu.

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