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Blättern, wie hier bei der Buchmesse, ist schon okay. Aber die Lust, ein Buch zu kaufen, sinkt.

Literatur 

Buchhandel in Frankfurt zwischen Krisenangst und Hoffen

Wenn über die Buchbranche gesprochen wird, ist auch in Frankfurt das Wort Krise schnell bei der Hand. Doch der Standort bietet auch Chancen. 

Sinkende Buchverkaufszahlen, eine alternde Lesergeneration und scheinbar wenig leseaffiner Nachwuchs: Wenn der ehemalige Verleger Rainer Weiss auf die aktuelle Situation in der Buchbranche angesprochen wird, dann wird er nachdenklich: „Zu meiner Berufszeit hätte ich immer von einer großen Zukunft gesprochen, jetzt bin ich ein bisschen skeptisch.“

Den Großteil seiner Berufszeit hat Weiss bei Suhrkamp verbracht, zuletzt als Programmgeschäftsführer. 2008 gründete er in Frankfurt zusammen mit Anya Schutzbach den Weissbooks-Verlag. Dieser wird, wie zuletzt bekannt wurde, ab Juli unter dem Dach des Unionsverlags von Zürich aus geleitet.

Weiss ist 70 Jahre alt und hat sich mittlerweile aus dem Tagesgeschäft des Independent-Verlages zurückgezogen. Die Situation der Branche sei lange falsch eingeschätzt und schöngeredet worden. Nur durch sogenannte „Megaseller“ habe sich der Buchhandel am Leben gehalten. Für kleine Verlage sei es immer schwierig gewesen.

Rainer Weiss:  Buchhandel bietet weitestgehend Einheitsware

Im Jahr 2017 betrug der Umsatz von Büchern und Fachzeitschriften laut Börsenverein des deutschen Buchhandels rund neun Milliarden Euro und sank damit um 1,6 Prozent. Auch die Anzahl der Buchkäufer nahm ab, 2017 kauften 29,6 Millionen Menschen Bücher, 2016 waren es 33 Millionen.

Der Autor: Stefan Katzenbach besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor. 

Gut gehalten hat sich laut Weiss hingegen der Frankfurter Westend-Verlag „mit seinem streng sachbuch-orientierten Programm“. Die auf Belletristik oder Lyrik spezialisierten kleinen Verlage hätten es dagegen schwer: „Jedes einzelne literarische Buch hat eine beinharte Konkurrenz.“ Darunter würden auch junge Autoren leiden. Seiner Ansicht nach ist der literarische Markt nicht auf literarische Debütanten ausgerichtet. Der Buchhandel wiederum biete weitestgehend Einheitsware. „Wenn Sie in Buchläden gehen, dann finden Sie immer das Gleiche. Ein Autor, der von Null kommt und kein Netzwerk mitbringt, der hat es sehr schwer.“

Auch Sonja Vandenrath, die Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt, sorgt sich um die Zukunft der Branche: „Die Krise ist manifest, die Situation sehr sehr angespannt.“ Für Frankfurt sei der Wegzug des Suhrkamp-Verlages im Jahr 2009 eine „Zäsur“ gewesen. Mittlerweile sei der Fischer-Verlag der einzig verbliebene große Verlag in der Stadt.

Rainer Weiss sieht in Frankfurt „guten Nährboden für Verlage“

Eine schnelle und allgemeingültige Lösung für die Situation hat die Literaturreferentin nicht. Das Kulturamt der Stadt könne nur Impulse liefern und sei im Rahmen rechtlicher Gegebenheiten zur Förderung bereit. 70.000 Euro stünden dem Amt dafür zur Verfügung. Auch gebe die Stadt den Verlagen auf Veranstaltungen wie dem Lesefest Open Books eine Bühne für Autoren und Bücher. Jede Förderung, die darüber hinausgehe, sei problematisch, weil Verlage Wirtschaftsunternehmen seien.

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Eine Sichtweise, die Rainer Weiss nicht nachvollziehen kann: „Filmproduktionen sind auch Wirtschaftsunternehmen. Da wird munter gefördert, nur bei Verlagen ist der Geldbeutel zu. Verlage können zukünftig nicht ohne Förderung existieren.“

Er sieht in Frankfurt dennoch „einen guten Nährboden für Verlage, aber auch für junge Autoren“. Sonja Vandenrath sieht das ähnlich: „Die Stadt Frankfurt ist von der Literatur und allgemein vom Buch geprägt.“ Solange die Buchmesse und der Börsenverein des deutschen Buchhandels hier seien, mache sie sich um die Zukunft Frankfurts als Literaturstandort keine Sorgen.

Von Stefan Katzenbach

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