+
Schnuppertag auf dem Mediencampus: Dozentin Karin Herber-Schlapp und David Greiner.

Buchhändler

Das Buch ist zurück in Frankfurt

  • schließen

Der Buchhändler-Nachwuchs fürchtet nicht um die Läden. Vertreter der Branche informieren sich auf dem Mediacampus.

Die Buchhandlung – vor wenigen Jahrzehnten, der Ort an dem das große Weltwissen wohnte und die Unterhaltung zu erwerben war. Da gibt es heute im Internet viel mehr, als ein Mensch je lesen kann. Das Buch muss sich behaupten, der Buchhändler seine Qualitäten neu erkennen. In Frankfurt-Seckbach sitzt eine der größten Ausbildungsstätten für Buchhandel bundesweit – und weil die Veränderungen so groß sind, heißt das Areal schon seit etwa zehn Jahren nicht mehr „Schulen des Deutschen Buchhandels“, sondern „Mediacampus Frankfurt“.

Am Sonntag wurden dort bei einer Informationsveranstaltung der Bachelor-Studiengang „Publishing und Mediamanagement“ vorgestellt und die Fachwirtsfortbildungen „Medienmarketing und -vertrieb“ und „Fachwirt des Buchhandels“.

Die Branche strukturiert sich um, hat den Wandel auf dem Schirm. „Klar, wer 55 ist und einen Buchhandel betreibt, der kann sagen: Die zehn Jahre wird das so schon noch klappen“, begrüßt der Dozent Andreas Eiling von der Steinbeis School of Management and Innovation (SMI) die Interessierten. „Vor 30 Jahren hätte niemals jemand gedacht, dass es so was wie Amazon gibt. Aber da hat mal einer in die Zukunft geguckt und den ganzen Buchhandel, die ganze Wirtschaft, auf den Kopf gestellt.“

Das Wort „Amazon“ löst in den Augen der Anwesenden keinen Schrecken aus. Die meisten Anwesenden sind Anfang 20, Buchhändler, manche noch in der Ausbildung. Sie sind interessiert daran, in zwölf Monaten berufsbegleitend die Zusatzqualifikation „Fachwirt“ zu erwerben. Das Ziel: anspruchsvollere Aufgaben, die Erlaubnis, selbst Azubis zu betreuen, bessere Bezahlung. Die Ambition, ein zweiter Jeff Bezos zu werden, scheint keiner zu haben; ebenso sind sich alle einig: Amazon ist nicht das Ende, der „stationäre Buchhandel“ hat Zukunft.

Das Buch ist am nächsten Tag da

„Das mit dem ,Leute, die das gekauft haben, kaufen auch das‘ funktioniert nur begrenzt. Das ist doch keine Beratung“, findet eine Teilnehmerin aus Erlangen. Außerdem sei die Logistik fast so stark ausgebaut wie bei den Apotheken, sagt eine andere Teilnehmerin. „Das ist der Öffentlichkeit gar nicht so bewusst, aber es kann versandkostenfrei bestellt werden. Das Buch ist am nächsten Morgen da, und man muss sich nicht nach dem Postboten richten.“ In ihrem „inhabergeführten Betrieb“, also keiner Filiale, in Koblenz könne man auch per WhatsApp bestellen. „Crossmedia“ heißt diese Möglichkeit, den Kunden überhaupt erst einmal in den Laden zu bekommen.

Wie das noch geht, wissen alle Teilnehmer: Autoren einladen, Gewinnspiel-Aktionen, Jugendliche zu einem Lese-Café mit Neuerscheinungen einladen. „Wir nennen das: die Schwellenangst nehmen“, heißt es. Eine Facebookseite pflegen gehöre genau so dazu wie eine gut gestaltete Auslage.

Auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs wird seit 1962 auf allen Niveaus aus- und weiter gebildet – mittlerweile nicht nur für den Buchhandel, sondern das gesamte Verlagswesen. Der Campus verfügt über Lehrräume, eine Bibliothek, Wohntrakte und eine Schau-Buchhandlung für Praxisübungen.

„Besonders ist, dass hier auch mehrmals in der Woche Abendveranstaltungen stattfinden“, sagt David Greiner, der die Leitung vom „Fachwirt Buchhandel“ und „Medienmarketing und -vertrieb“ sowie dem Studium innehat. „Durch unsere Nähe zum Börsenverein des deutschen Buchhandels kommen häufig Autoren zu Lesungen vorbei, oder Vertreter der Verlage stellen sich vor. Die Auszubildenden und Studenten und haben so die Möglichkeit, sich in der Branche zu vernetzen.“

Der Buchhändler-Nachwuchs gibt sich entspannt. „Das E-Book war ein Hype, im Urlaub ganz praktisch.“ Aber die Gegenbewegung, in einem richtigen Buch zu blättern, sei längst zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare