Folgen für die Wirtschaft

Frankfurt: Brexit schadet hessischen Unternehmen

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Der Austritt Großbritanniens aus der EU hat vor allem negative Effekte auf die hessische Wirtschaft. Besonders trifft er Unternehmen, die stark vom Export abhängig sind.

Als die Briten im Sommer 2016 für den Austritt des Vereinigten Königsreichs aus der Europäischen Union votieren,stimmt sich Frankfurt auf einen starken Zuzug englischer Banken ein. Landesregierung und Stadt werben in London für den Finanzstandort Frankfurt. Maklerhäuser spielen Szenarien durch, nach denen bis zu 36 000 Arbeitsplätze von der Themse an den Main wandern könnten. Der DGB befürchtet einen „wohnungspolitischen Super-Gau“. Dass Londoner Investmentbanker in Scharen nach Frankfurt ziehen, gilt vielen in der Stadt eher als Bedrohung denn als Chance.

Dreieinhalb Jahre später sind die Auswirkungen des Brexits auf die hiesige Wirtschaft eher überschaubar. Vor allem amerikanische Großbanken haben ihr Geschäft in Frankfurt ausgebaut oder wollen das noch tun. Schon im Frühjahr hatten 48 Unternehmen der Finanzwirtschaft einen Antrag auf eine neue Bankenlizenz oder eine Erweiterung der Bankenlizenz gestellt. Für den Büromarkt spielt der Brexit aber bislang eine geringere Rolle als zunächst viele annahmen. In Frankfurt wäre man schon froh, wenn der Brexit-Effekt den geplanten Stellenabbau der ansässigen Banken ausgleichen könnte.

Für die hessische Wirtschaft ist der Brexit einer von mehreren internationalen Faktoren, die die Stimmung trüben. Besonders betroffen sind Unternehmen, die stark vom Export leben. Das Vereinigte Königreich ist der viertgrößte ausländische Absatzmarkt für hessische Produkte. Schon 2018 sanken die Ausfuhren nach Großbritannien um 3,8 Prozent. Das hat sich in diesem Jahr noch verstärkt. Nach Zahlen der Industrie- und Handelskammer Frankfurt lagen die Exporte in den ersten drei Quartalen 9,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Auch das Interesse, im Vereinigten Königreichs zu investieren, sinkt. Noch Anfang 2018 gaben 5,5 Prozent der hessischen Unternehmen an, dort investieren zu wollen. Anfang 2019 waren es noch 2,5 Prozent.

Der Brexit setzt zudem den in Hessen ansässigen britischen Unternehmen und dessen Töchtern zu. Als durch den geplanten EU-Austritt mitverschuldet gilt etwa die Pleite des Tourismuskonzerns Thomas Cook, dessen Deutschlandzentrale in Oberursel ist.

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