_200724strohballen15_210820
+
Zu Frankfurt gehört auch die Landwirtschaft.

Bodenflächen

„Frankfurt braucht seine Landwirtschaft“

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
    schließen

Der Ernährungsrat spricht sich gegen neue Gewerbegebiete auf Ackerflächen aus. Anlass ist die Diskussion um ein Gewerbegebiet in Nieder-Eschbach gegenüber von Ikea.

Vehement gegen den Bau neuer Gewerbeanlagen, wie sie beispielsweise für Nieder-Eschbach im Gespräch sind, hat sich der Frankfurter Ernährungsrat ausgesprochen. „Frankfurt sowie die Städte und Gemeinden der Region brauchen ihre landwirtschaftlichen Flächen“, betont Bärbel Praetorius, die Sprecherin des Gremiums, das sich für eine Ernährungswende einsetzt.

Der Rat unterstütze zwar grundsätzlich die Ansiedlung neuer Unternehmen und zusätzlicher Arbeitsplätze in Frankfurt – aber nicht auf Flächen, die zum Anbau regionaler Lebensmittel künftig noch größere Bedeutung erlangen sollen. „Langfristig bedeutet Nachhaltigkeit auch die Wiederverwendung von ,alten‘ Immobilien und Industrieflächen“, sagt Praetorius. „Neue Versiegelungen müssen unbedingt vermieden werden.“

Hintergrund ist das Ringen um Flächen. Sowohl Industrie und Handel als auch der Verkehr und die ökologische Landwirtschaft brauchen Boden in Stadtnähe, um ihre Ziele zu verfolgen. Flächen seien dabei „ein Flaschenhals“; jeder Neubau verknappe den verbleibenden Raum. Der Bauernverband habe dieses Phänomen als zentralen Kostentreiber in der Landwirtschaft bezeichnet, erinnert der Ernährungsrat. Schon jetzt sei die Entwicklung zukunftsfähiger landwirtschaftlicher Betriebe „massiv durch die stetige Verknappung von Flächen eingeschränkt“.

Die Entwicklung Frankfurts zur modernen Metropole sei auch durch die Versorgung mit Lebensmitteln aus stadtnahen, außergewöhnlich fruchtbaren Ackerböden befördert worden, erinnert der Rat. „Es ist keine Nostalgie, sondern vielmehr die besorgte Vorausschau auf sich verknappende natürliche Ressourcen und das Verantwortungsgefühl gegenüber kommenden Generationen, die uns antreibt“, sagt Susanne von Münchhausen, die Leiterin des Arbeitskreises Produktion und Vermarktung des Ernährungsrats. Das zeige die Corona-Krise: Unerwartet schnell könne die Sorge um sich greifen, nicht genug frische und gesunde Lebensmittel zu haben. Aber auch ohne Krise wünschten sich immer mehr Menschen regional und nachhaltig erzeugte hochwertige Lebensmittel. Andere Großstädte, etwa Kopenhagen und Mailand, hätten darauf bereits vorbildhaft reagiert.

Lokale und globale Bedürfnisse, Ernährungssicherheit und Klimaschutz machten es „unerlässlich, den Verlust von Ackerflächen mit allen Betroffenen und in aller Offenheit zu diskutieren“, hält der Ernährungsrat fest. „Wenn der Mutterboden eines Ackers erst einmal ausgehoben und abtransportiert ist, lässt sich selbst nach Rückbau eines Gewerbegebiets kein fruchtbares Feld auf die Schnelle wieder anlegen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare