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Da fliegt sie ja: Die Hummel informiert, wo Wildwiesen blühen ? aber das dauert noch.

Artenvielfalt in Frankfurt

Frankfurt braucht Insekten

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Ein bisschen Wildnis braucht die Stadt Frankfurt für ihre Insekten. Da helfen extensiv gepflegte Wiesen am besten. Und eine ganz spezielle Hummel-Botschafterin.

Seit jeher gilt die Hummel als beste Freundin des Menschen. Im Gegensatz zu anderen Tieren bellt sie nicht, hat keine auffällige Verdauung und jagt auch keine unschuldigen Lebewesen während der Brut- und Setzzeit durch die Gegend. Grund genug also für die Frankfurter Umweltverantwortlichen, die Hummel zur Botschafterin zu machen: für die Artenvielfalt in der Stadt.

Wir dürfen hiermit vorstellen: die lustige Hummel, die Schüler der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode ersonnen und hergestellt haben. Sie hat einen dicken Bauch, wie sich das gehört, weiße Flügel, Fühler wie Zöpfe und ein fröhliches Gesicht. Noch bessere Laune macht sie, wenn man sich dazu vorstellt, wie 20 Schüler der Klasse 11 Intea 4 aus Syrien, Afghanistan, Kroatien, der Slowakei und Eritrea insgesamt 100 Exemplare dieses plüschigen Prototypen genäht haben – alles junge Männer ungefähr zwischen 17 und 20 Jahren.

„Die Hummel ist unser Maskottchen“, sagt Simone Jacob vom Grünflächenamt stolz. Das Tier braucht noch einen Namen, und gesucht werden auch lokale Betriebe, die es produzieren oder umweltfreundliche Stoffe dafür liefern wollen, denn: „Wir wollten als Botschafterin für unsere urbane Biodiversität am liebsten ein richtiges Frankfurter Original“, wie Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sagt. Vorschläge an: gruenflaechenamt@stadt-frankfurt.de.

Aber zum Thema: Die Hummel ist ja nur Botschafterin, eigentlich geht es ums Ganze. In der Stadt werden diverse Flächen zu Wildwiesen erklärt, auf denen einfach alles wachsen darf, was Insekten mögen. Damit die Bürger das verstehen und nicht nur meckern („Mäht hier niemand mehr die Wies’?“), taucht unsere Hummel dort auf Schildern auf.

Das heißt: hier Wildwiese. Funktioniert das? „Es wird besser“, sagt Simone Jacob. „Die Leute kriegen das Insekten- und Vogelsterben mit, es macht sie betroffen.“ Mehr Menschen als früher seien bereit, Wildnis in der Stadt zu akzeptieren, auch wenn es durchaus noch Anwohner gebe, die sich gegen eine Wildwiese heftig zur Wehr setzten. Der Artenreichtum in Frankfurt übersteige jedenfalls jenen des Umlands, vor allem dank des Verzichts auf Gifte, aber auch dank der zunehmenden Wildzonen.

Senckenberg-Forscher Andreas Malten hört bereits Hilferufe aus Kindertagesstätten: Wildbienen! Ein tolles Zeichen. Und es gebe Flächen, beispielsweise im Mertonviertel, mit großen mageren Wiesen, auf denen sich binnen kurzer Zeit Blumen und Bienen angesiedelt hätten. Was kann also die Bevölkerung für die Artenvielfalt tun? „Im Garten einfach ein bisschen gehen lassen, extensiv pflegen“, sagt Malten.

So wie auf den Wildwiesen. Deren Verwandte liegen übrigens vor den Toren der Stadt und heißen Ackerrandflächen: Zonen, auf denen die Landwirtschaft etwas für die Tierwelt wachsen lässt. „Artenvielfalt ist auch ein Anliegen der Bauern“, sagt Bauernverbandssprecher Bernd Weber. Das gestiegene Interesse lässt sich in Zahlen ausdrücken: Voriges Jahr orderten Hessens Landwirte rund 1000 Kilo einer speziellen Blühflächen-Saatgutmischung für Bienen – und in diesem Jahr 8000 Kilo. Der Vorwurf, die Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und Ackergiften sei schuld am Artensterben, habe wehgetan, sagt Weber. „Sicher haben wir einen Teil beigetragen, aber es kann keine Rede davon sein, dass es nur an der Landwirtschaft liegt.“ Ein Problem bleibt: Das Blühflächen-Saatgut dürfen die Bauern nur innerhalb bestimmter Fristen aussäen. „Aus Sicht des Naturschutzes ist das kontraproduktiv“, urteilt Weber.

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