+
Die Villa Wertheim an der Arnsburger Straße /Ecke Habsburgerallee steht seit kurzem unter Denkmalschutz und darf deshalb nicht mehr abgerissen werden.  

Bornheim

Frankfurt-Bornheim: Rettung für Villa Wertheim

  • schließen

Das historische  Gebäude an der Arnsburger Straße steht seit kurzem unter Denkmalschutz. Ein Abriss des knapp 150 Jahre alten Hauses ist vom Tisch.

Die Zukunft der historischen Villa Wertheim an der Arnsburger Straße/Ecke Habsburgerallee ist gesichert. Das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden hat das Gebäude des jüdischen Nähmaschinenfabrikanten und Mäzen Joseph Wertheim Ende vergangenen Jahres als Einzelkulturdenkmal unter Denkmalschutz gestellt. Damit ist die Behörde einem Antrag der Stadt Frankfurt gefolgt.

Für die spätklassizistische Stadtvilla von 1870 gibt es nun eine „Genehmigungspflicht für innen und außen“, sagt Heike Kaiser vom Frankfurter Denkmalamt. Möchte der Eigentümer etwas ändern, muss er sich mit der Behörde abstimmen. „Das ist eine gute Nachricht für alle, die sich Sorgen um das alte Gebäude gemacht haben“, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat. „Die Villa wird nicht abgerissen.“ Die Stadt gehe davon aus, dass sie saniert wird.

Der jüdische Nähmaschinenfabrikant Joseph Wertheim ließ die Villa gegen 1870 an der Arnsburger Straße errichten. Bis zu seinem Tod 1899 war sie der Hauptwohnsitz der Familie. 


1888 ließ Wertheim das Gebäude nach Westen erweitern. Die neuen Bauteile, an deren Stelle nun ein Neubau steht, boten Platz für moderne Sanitäranlagen, ein Billardzimmer, eine Veranda und eine Kegelbahn.

Nach dem Tod der Eheleute fiel die Villa an deren Sohn Paul, der bis zu seinem Freitod 1938 dort mit seiner Schwester Elsa lebte. Die Nazis zwangsenteigneten sie 1940. bos

Heike Kaiser hat das Gebäude bereits zusammen mit dem Besitzer, der namentlich nicht genannt werden möchte, in Augenschein genommen, sagt sie. Dabei habe er ihr zugesagt, das alte Haus wieder instand zu setzen. Das hatte er bereits Anfang 2018 im Gespräch mit der FR zugesichert. Damals hatte der Bauherr auch damit begonnen, die beiden angrenzenden Häuser an der Habsburgerallee, die ebenso zum ehemaligen Sitz der Familie Wertheim gehörten, abzureißen. Inzwischen steht dort ein Neubau mit Wohnungen.

Die Villa ist aus geschichtlichen, künstlerischen sowie städtebaulichen Gründen als Kulturdenkmal eingetragen worden. Passend zum zunehmend städtisch geprägten südlichen Ortsrand Bornheims sei das Gebäude bauzeitlich „ein selbstbewusstes Zeugnis des wirtschaftlich erstarkenden Bürgertums“, heißt es im Denkmalverzeichnis. Das Haus sei damit „von orts- und sozialgeschichtlicher Bedeutung“. Die Raumstruktur mit dem „vertikal eingebrachten ovalen Treppenhaus“ und dem Eingangspavillon sei „baukünstlerisch bemerkenswert“. Im Inneren sei zudem aufwendiger Wand- und Decken-stuck zu finden, sagt Kaiser. Türen und Treppenhaus seien sehr gut erhalten. Vom Fußboden gebe es dagegen nur noch Reste.

Carlos Guilliard ist erleichtert, dass die Villa seines Urgroßvaters jetzt unter Denkmalschutz steht: „Das ist eine gute Nachricht“, sagt der in München Lebende auf Anfrage. Fast alle Spuren, die auf seine Familie hinwiesen, seien verwischt. Dabei sei sein Vorfahr maßgeblich daran beteiligt gewesen, Industrie nach Frankfurt zu bringen. Die erste Nähmaschinenfabrik entstand an der Burgstraße. Auch engagierte sich Joseph Wertheim sozial und in der Kommunalpolitik. Wünschenswert wäre es, wenn etwa noch eine Plakette am Haus angebracht werden könnte, die auf die Geschichte hinweise.

Sorgen um das historische Gebäude hatte sich der Stadtverordnete der Fraktion Die Frankfurter, Bernhard Ochs, gemacht. In jüngster Zeit hätten sich mehrere Anwohner an ihn gewandt. „Sie haben Risse gesehen und sorgen sich, dass die Villa doch noch abgerissen wird.“ Auch Ochs hat Schäden in der Außenwand gesehen. Außerdem habe er beobachtet, dass die Fenster im Obergeschoss monatelang offen standen beziehungsweise entfernt waren. „Das sieht nicht nach fachgerechter Erhaltung der alten Bausubstanz aus.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare