So sieht’s unter der Rinde aus, wenn die Larven des Borkenkäfers zu Gast waren.

Frankfurter Stadtwald

Borkenkäfer macht Frankfurter Forstleuten große Sorgen

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Noch so ein trockener Sommer wie im vorigen Jahr, und Frankfurt hat ein „gewaltiges Problem“.

Kleine Presse-Horrorschau gefällig? „Drohende Borkenkäfer-Plage“ (Schleswig-Holstein). „Invasion der Borkenkäfer“ (Niedersachsen). „Borkenkäfer-Befall an mindestens einem Drittel der Nadelhölzer“ (Rheinland-Pfalz). „Gefahr durch Borkenkäfer spitzt sich zu“ (Sachsen). „Borkenkäfer: Der Tod ist fünf Millimeter groß“ (Bayern).

Es handelt sich um Schlagzeilen aus den vergangenen vier Tagen, und wenn Sie jetzt den Eindruck haben, das sei ein ziemlich bundesweites Problem: Ja, da ist was dran.

Aber wie sieht’s in Frankfurt aus? „Wenn wir so einen trockenen und heißen Sommer kriegen wie im vorigen Jahr, dann haben wir ein gewaltiges Problem“, sagt Peter Rodenfels, der stellvertretende Leiter der Abteilung Stadtforst im Grünflächenamt. Er sagt nicht „Katastrophe“, wie die Kollegen in Rheinland-Pfalz, aber er weiß, was sie damit meinen.

Katastrophe bedeutet: Die Bäume sind so sehr geschwächt, dass sie sich nicht gegen Käfer wehren können. Das tun sie normalerweise mit Harz, in dem sie die Käfer ertränken, wie der Forstmann erklärt. Aber fehlen Wasser und Nährstoffe, ist der Baum wehrlos. Eine Kettenreaktion beginnt: Die lange Trockenheit schwächt den Baum entscheidend, die Käfer vermehren sich ungebremst, fressen ihre Gänge unter die Rinde, dadurch kann sich der Baum gar nicht mehr selbst versorgen, er stirbt.

Die Borkenkäfer in Frankfurt werden kommen

Wird er nicht schnell genug gefällt und abtransportiert, breiten sich die Käfer auf umliegende Bäume aus. Wird er zügig gefällt, entstehen Freiflächen, und die verbliebenen Bäume sind einem weiteren heißen Sommer ohne Deckung ausgeliefert. Und obendrein kann der Forst nicht so viel ins Wiederaufforsten investieren, weil der Holzpreis wegen des Überangebots sinkt.

„Die Borkenkäfer werden kommen“, sagt Peter Rodenfels. „Schlimm wird es, wenn viele kommen.“ Noch ist Frankfurt davon nicht so stark betroffen wie andere Gegenden, weil der größte Teil des Stadtwalds in der Ebene liegt. Hier gibt es weniger Fichten. Doch im Taunus, der teils zu seinem Gebiet gehört, verlor der Frankfurter Stadtwald im vorigen Jahr 4000 Festmeter an den Borkenkäfer. In der Ebene sind mehr Kiefern als üblich ausgefallen, vielfach durch Spätfolgen erst im Herbst. In den Wipfeln waren Spechte am Werk, ein Hinweis auf Käfer. Eichen droht der Heldbock.

Was kann man ihnen entgegensetzen? Douglasien würden der Trockenheit gut widerstehen – sie darf man aber nicht in großen Stückzahlen setzen, weil sie hier ursprünglich nicht heimisch waren; so steht es in den Richtlinien fürs FSC-Umweltzertifikat, das der Stadtwald trägt. Am allerbesten wirkt Borkenkäfer-feindliches Wetter. Leider ist dieses Wetter aber auch bei Menschen unbeliebt. Rodenfels: „Wenn wir einen kühlen und feuchten Sommer kriegen, haben wir weniger Probleme.“ Mit viel Regen im April, Mai, Juni „und am liebsten auch im Hochsommer“.

Der Mann weiß, wie man sich Freunde macht – unter Bäumen. Der 31-jährige Rodenfels vertritt die Forstchefin Tina Baumann, die zurzeit in der Babypause ist.

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