+
Der Flohmarkt in der Exzess-Halle findet zweimal im Jahr dank vieler Ehrenamtlicher statt. 

Bockenheim

Frankfurt-Bockenheim: Lieber Punk als Klassik

  • schließen

Der Vinyl-Flohmarkt im Exzess wird bei Händlern und Besuchern immer beliebter. Der Fokus liegt auf Gitarrenmusik.

Musikalische Einschränkungen gibt es beim Vinyl-Flohmarkt in der Halle des Café Exzess an der Leipziger Straße 91 nicht. Neben Punk, Gitarrenmusik und Heavy Metal könnte man dort auch Klassische Musik in den Kisten finden. Wenn sich jemand dafür interessieren würde. Das sei aber eher nicht der Fall, beobachtet Frank, der den Flohmarkt seit Jahren mitorganisiert und seinen vollen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Auch sonst unterscheidet sich der Vinyl-Flohmarkt von herkömmlichen Plattenbörsen. Das fängt schon beim Ambiente an.

Dort, wo sonst die Dramatische Bühne ihre Theaterstücke aufführt, findet seit 2011 zweimal jährlich die ehrenamtlich organisierte Schallplatten-Börse des selbstverwalteten Kulturzentrums statt, das nächste Mal im Frühjahr 2020.

Pippi schaut auf Motörhead

„Die obskure Punk-Single von vor fünf Jahren findest du hier eher als in Höchst“, sagt Frank. Damit spielt er auf die Plattenbörse in der Jahrhunderthalle Unterliederbach an. Schon die Flyer und Plakate unterscheiden sich. Während die für Standardbörsen oft „sehr textlastig und plakativ“ seien und wenig variierten, kreieren die Veranstalter in Bockenheim für jede Ausgabe mit viel Aufwand neue Flugblätter, mal nach Vorbild eines Plattencovers, mal mit Pippi Langstrumpf, die beschwörend auf eine grüne Motörhead-Single blickt.

Silke Weimar und ihr Partner Dominik Schroeter kommen extra aus Stierstadt bei Oberursel nach Bockenheim, um in den vielen Plattenkisten zu kramen. „Hier möchte man Platten kaufen, nicht in der Jahrhunderthalle“, findet Silke Weimar, die beim vergangenen Flohmarkt Ende November Alben von Herbert Grönemeyer, Barclay James Harvest und der Steve Miller Band zu je vier Euro erstanden hat. „Eigentlich hören wir gerne Punk“, sagt die 40-Jährige. Die in die Jahre gekommene Exzess-Halle erinnere sie an „Stagediving, Zigaretten und lustige Leute“. Ihrem Partner, der einen Stapel mit mehr als 20 Platten unter dem Arm geklemmt hat, „mag diese authentische Atmosphäre.“

Metal, Punk und Independent hat Mit-Veranstalter Frank in seine zehn Verkaufskisten gepackt. Er gehört zu einer „Kern-Crew“ von sechs Leuten, die seit acht Jahren den Flohmarkt organisiert. Die Runde von Plattensammlern stamme aus dem Exzess-Umfeld, habe sich schon länger zum Austausch getroffen und sei regelmäßig auf die europaweit größte Börse nach Utrecht gefahren, berichtet Frank.

Um das nötige Kleingeld für Neuerwerbungen zusammen zu kriegen und die eigene Sammlung auszudünnen, hätten sie ihren eigenen Platten-Flohmarkt ins Leben gerufen. Im ersten Jahr fand dieser noch im Café vorne zur Leipziger Straße statt. Bereits im zweiten Jahr musste er aus Platzgründen in die angrenzende Halle ziehen. „Seit einigen Jahren haben wir einen Mail-Verteiler von Verkäufern und losen aus, wer kommen darf“, erläutert Frank. Bis zu 70 private Händler würden pro Flohmarkt gerne mitmachen. Die Hälfte davon werde gelost. Und dafür muss Platz geschaffen werden.

Erst nach Ende einer Vorstellung der Dramatischen Bühne gegen 22 Uhr am Abend zuvor, könne der Umbau für den Flohmarkt erfolgen. Rund ein Dutzend Helfer sind damit bis Mitternacht beschäftigt. Sie müssen hundert Stühle zur Seite räumen, extrem schwere Bühnenelemente neben Bierbank- und Cafétischen in Reihen zu Verkaufsständen aufstellen. Und nach dem Flohmarkt muss wieder kräftig mitangepackt werden. Da helfen auch viele Verkäufer mit, damit am Folgetag wieder das Theaterpublikum in der Halle Platz nehmen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare