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Viele wollen, dass im ehemaligen „Backhaus“ ein soziales Zentrum entsteht. 

Frankfurt-Bockenheim

„Backhaus“: Wohnungen statt Stadtteilzentrum

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Frankfurt-Bockenheim: Im „Backhaus“, das kurzzeitig besetzt wurde, sollen Wohnungen entstehen. Initiativen plädieren für ein Stadtteilzentrum. 

Zu einer offenen Konfrontation um die Zukunft des ehemaligen „Tibethauses“ im Frankfurter Stadtteil Bockenheim kam es am Montagabend im Planungsausschuss des Stadtparlaments. Vertreterinnen der Bürgerinitiative „Social Hub“, die am 5. Oktober das Gebäude Kaufunger Straße 4 kurzzeitig besetzt hatten, trafen auf Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD).

„Backhaus“ war kurzzeitig besetzt 

Josef und die Leiterin der städtischen Bauaufsicht, Simone Zapke, stellten zum ersten Mal die Pläne des privaten Eigentümers für das ehemalige Backhaus aus dem 19. Jahrhundert vor. Dabei wurde deutlich, dass das Konzept von „Social Hub“ für ein offenes Bürgerzentrum keine Chance auf Verwirklichung besitzen.

Nach den Worten von Josef und Zapke plant der Eigentümer in dem Haus Kaufunger Straße 4 „acht bis neun Wohnungen“. Dabei werde das alte Backhaus „integriert“, wie Zapke sagte. „Hier wird nichts abgerissen“, versprach auch Josef. Einen förmlichen Bauantrag gebe es noch nicht.

Stadtrat spricht mit ehemaligen Besetzerinnen vom „Backhaus“

Derzeit liefen „Beratungen“ der Bauaufsicht mit dem Eigentümer, so Zapke. Es sollten „Wohnungen mit unterschiedlichen Grundrissen“ entstehen, sagte die Leiterin der Bauaufsicht. Unklar blieb, ob es sich um teure Eigentumswohnungen handelt, wie die Bürgerinitiative glaubt. Josef betonte, die Stadt habe „eine Genehmigungspflicht“ für die Pläne des Eigentümers: „Wir sind gebunden an das, was das Recht sagt!“

Der Stadtrat versprach den ehemaligen Besetzerinnen aber, er werde mit dem Eigentümer über eine „kulturelle, soziale Nutzung im Erdgeschoss“ des Gebäudes noch weitere Gespräche führen.

Die Besetzerinnen legten dagegen ihre Pläne dar. „Social Hub“ wünscht sich in dem ehemaligen Backhaus „eine Bibliothek, eine offene Werkstatt, ein nicht kommerziell betriebenes Café und eine Kinderbetreuung“.

Bockenheimer unterstützen Projekt der Initiative

Von der Stadt und von Josef erwarten die Mitglieder der Initiative, „dass weiteren Bauplänen nicht stattgegeben wird“. In den „drei intensiven Tagen“ derBesetzung bis zum 8. Oktober – dann räumte die Polizei das Haus – habe sich gezeigt, dass im Stadtteil Bedarf für ein offenes Zentrum bestehe. Viele Bockenheimer unterstützten das Projekt.

Die drei bestehenden Wohnungen im Nachbargebäude Friesengasse 13 bleiben zunächst auf zehn Jahre erhalten, weil der Eigentümer eine sogenannte Abwendungserklärung mit dem städtischen Amt für Immobilien (ABI) unterschrieben hat. Das bedeutet, dass die Wohnungen in dieser Zeit nicht in Eigentum umgewandelt werden dürfen.

Die Initiative sieht in den Bauplänen des privaten Eigentümers „einen Schlag ins Gesicht der Bewohner Bockenheims“.

Von Claus-Jürgen Göpfert

Der Kampf um den Erhalt des ehemaligen Tibethauses in Frankfurt, das viele auch Backhaus nennen, ist nicht vorbei. Initiativen demonstrieren. 

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