Kultur

Frankfurt: Dem Blues auf die Sprünge helfen

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Alfred Gaertner gründet ein Nachwuchsfestival für Bluesmusiker. Ein großer Musikalienhändler mischt als Sponsor mit.

Welthauptstadt des Jazz und Blues, sagt Alfred Gaertner, war Frankfurt einmal. Er muss es wissen – in den großen Zeiten war er Mitinhaber des Jazzkellers, und da trafen sich die Besten der Besten. „Aber die Zeiten sind vorbei“, sagt der Vorsitzende des Frankfurter Blues-Forums.

Dabei soll es natürlich nicht bleiben. Gaertner, einst mit den Allergrößten des Blues in den USA unterwegs, heute mit seiner Al Frinderman Band aktiv, will dem Blues in Frankfurt und der Region wieder auf die Sprünge helfen: mit einem Wettbewerb für den Nachwuchs. Der Auftakt dazu ist bereits erklungen, die Bewerbungsfrist läuft bis 19. April, Teilnehmer sind willkommen.

Ihnen winkt Beachtliches. Hans Thomann, Chef des größten Musikalien-Onlinehandels der Welt, ist für zunächst drei Jahre als Sponsor eingestiegen. Und er hat sich nicht lumpen lassen: Den Siegern winken drei Gibson-Gitarren der Extraklasse im Wert von mehreren Tausend Euro.

Zum Showdown soll es am 20. Juni in Steinbach kommen, und zwar im neuen Domizil des Frankfurter Blues-Forums, erst vor einigen Monaten fertiggestellt. Die acht Besten – sowohl Solo-Interpreten als auch Bands können sich bewerben – werden dann auf der Bühne das Finale unter sich ausmachen. Verlangt sind jeweils zwei eigene Songs. Das Alter der Bewerber: 18 bis 29 Jahre, und das gilt für sämtliche Bandmitglieder.

Information und Bewerbungskriterien: www.frankfurter-blues-forum.de.

Eine Berühmtheit soll an dem Tag auch auf der Bühne stehen – wer es ist, wird noch nicht verraten. Wie kommt es zu dem Coup? Christoph Wenk-Fischer, Geschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel, selbst Bassist, sprach Thomann auf den Frankfurter Plan an. „Er sagte sofort zu“, freut sich Gaertner, „und ich habe mich dann ans Konzept gesetzt“.

Edle blaue Pokale für die kommenden drei Wettbewerbe sind bereits fertig, jetzt fehlen nur noch die Bewerber. „Der Blues ist unterrepräsentiert“, sagt der Initiator, „aber er lebt.“ Ein Problem sei der Mangel an Auftrittsmöglichkeiten. Mit dem Ende der Ära Hilmar Hoffmann (SPD) als Kulturdezernent sei die Infrastruktur für Blues und Jazz in Frankfurt dramatisch zurückgegangen.

„Wir wollen gern wieder die Geschichte des Blues beleben, zeigen woher er kommt.“ Das tat Gaertner bereits in der Reihe „Blues Academy“ im Heddernheimer Kulturtreff „Habel.elf“. Ihm ist es ein Anliegen, die Erinnerung daran wachzuhalten, dass der Blues die Sprache der unterdrückten schwarzen Bevölkerung Amerikas war – „und dass er das Fundament der gesamten Rockmusik ist“.

Die Al Frinderman Band macht sich in dem Zusammenhang auch für soziale Belange stark, sie spielt beispielsweise regelmäßig im Knast für die Gefangenen. „Da kommen sogar Leute von draußen, um uns zu sehen.“ Beim Nachwuchs-Finale im Juni, so viel steht fest, wird Alfred Gaertner auch wieder vor dem Publikum über den Blues sprechen. „Das schafft ja auch für die jungen Musiker ein Bewusstsein: Was mach’ ich eigentlich hier?“

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