Landschaftsgärtner Stefan Rieger mit Umweltdezernentin Rosemarie Heilig auf dem grünen Dach.
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Landschaftsgärtner Stefan Rieger mit Umweltdezernentin Rosemarie Heilig auf dem grünen Dach. 

Umwelt

Frankfurt: Blühende Landschaft im dritten Stock

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Das Umweltamt präsentiert ein Vorzeigeprojekt für die Begrünung der Stadt auf Dächern und Fassaden. Privatleute erhalten bis zu 50 000 Euro Zuschuss.

Ist das noch eine Dachterrasse oder schon eine Grünanlage, fragt sich der staunende Besucher im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses in Sachsenhausen. Die Umgebung könnte urbaner nicht sein: Direkt südlich verlaufen die Gleise zum Südbahnhof, zu sehen sind ferner die Skyline, die kahle Spitze des Henninger Turms und viel Beton der umliegenden Häuser. Doch wer auf dieser Dachterrasse in der Nell-Breuning-Straße steht, der vergisst das alles, und so ist auch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) völlig verzückt: „So einen schönen Dachgarten haben wir noch nie gesehen.“

„Wir“ ist in diesem Falle das Umweltamt der Stadt Frankfurt, das Bürger unterstützt, die ihre tristen Dächer und Fassaden begrünen wollen. Neben der finanziellen Hilfe gibt es auch eine kostenlose Beratung, ob und inwiefern das Ganze denn Sinn ergibt. 430 dieser Beratungen sind seit Programmauftakt Anfang 2018 bereits erfolgt, 100 Projekte wurden unterstützt. „Manchmal spielt der Vermieter nicht mit“, verrät Projektleiterin Lara Mohr.

Klimabonus

Das Begrünungsprogramm „Frankfurt frischt auf“ unterstützt Bürgerinnen und Bürger, die ihre Hausfassaden und Dächer von Häusern oder Garagen begrünen wollen. Das Umweltamt bietet dazu auch kostenlose Beratungen an.

Die Stadt gibt zur erforderlichen Investition die Hälfte dazu, maximal jedoch 50 000 Euro.

In der Nell-Breuning-Straße war das nicht das Problem; die knapp 200 Quadratmeter große Dachterrasse gehört zu einer Eigentumswohnung. Die stolzen Besitzer, die namentlich nicht genannt werden wollen, wohnten zuvor in der Holbeinstraße. „Wir haben irgendwas mit einem Garten gesucht“, sagt der Hausherr. Um den Garten anzulegen, hat sich das Ehepaar die professionelle Hilfe eines Landschaftsarchitekten geholt. Stefan Rieger schuf ein Refugium mit Rasen, Kräutern, Wildblumen, Wasserspielen, Brombeer- und Johannisbeersträuchern.

Das Prunkstück aber sind vier Bäume, die auf der Terrasse ordentlich Schatten spenden. Dafür musste Rieger einen Statiker zu Rate ziehen, verrät er. Die Bäume, Fächerahorn und Felsenbirnen, stehen erhöht auf kleinen Erdhügeln, damit sie ordentlich wurzeln können. Für dieses kleine Paradies haben die stolzen Besitzer die volle Unterstützung der Stadt in Höhe von 50 000 Euro erhalten, was aber nicht mal die Hälfte der Kosten deckte.

Natürlich geht das alles auch deutlich kleiner. Projektleiterin Mohr verrät, dass es in den meisten Fällen um die Begrünung von Garagendächern geht. Und die Umweltdezernentin kann sich auch dafür erwärmen, wenn es nur hilft, dem Klimawandel und der Überhitzung der Stadt die Stirn zu bieten. „Jede kleine Fläche zählt, wir brauchen Begrünung auf Teufel komm raus“, sagt Heilig.

Wobei die Stadt selbst ja auch noch an einigen Stellen nachbessern könnte, etwa auf dem Walther-von Cronberg-Platz, der eher wie eine Betonwüste aussieht. Die darunterliegende Tiefgarage kann als Ausrede für eine fehlende Begrünung wohl kaum taugen, wenn schon Bäume auf Dachterrassen wachsen.

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