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Solidaritätsaktion für die Menschen in Belarus vor dem Römer.

Proteste

Blick auf Belarus mit großer Sorge

  • vonKathrin Becker
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In Frankfurt lebende Belarussen möchten mit einer Aktion am Römer Solidarität wecken. Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen sorgen sie sich um das Wohl ihrer Angehörigen.

Mit einer Solidaritätsaktion am Frankfurter Römer haben am Donnerstagabend etwa 100 Menschen auf die eskalierende Gewalt in Folge der Präsidentschaftswahlen in Belarus aufmerksam gemacht. Seit Tagen wird dort gegen die Wiederwahl des autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko demonstriert und das amtliche Wahlergebnis angezweifelt. Zu der Aktion aufgerufen hatte eine Gruppe in Frankfurt lebender Belarussinnen und Belarussen.

Einer davon ist Viachaslau. Er lebt seit 19 Jahren in Deutschland und beobachtet die Situation mit großer Sorge, aber auch ein wenig Hoffnung. Die Entwicklungen seien „schrecklich, besorgniserregend, aber auch faszinierend“, sagte er wenige Stunden vor der geplanten Aktion. Er beobachte, wie Lukaschenko mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf Verluste seine Macht zu erhalten versuche und dabei nicht davor zurückscheue, Gesetze zu brechen. Gleichzeitig sei aber auch ein Aufbruch in der belarussischen Bevölkerung zu erkennen: „Es ist die Geburt einer Nation, die nicht mehr dazu bereit ist, einen illegitimen Herrscher zu dulden.“

Shyfryn erzählt, dass er die ersten 25 Jahre seines Lebens in Belarus verbracht hat, dort zur Schule gegangen sei und studiert hat. Viele seiner Freunde und Teile seiner Familie leben auch heute noch in dem Land, von dem oft gesagt wird, es sei „die letzte Diktatur Europas“. Mit ihnen hält er regelmäßig Kontakt – sofern die Internetverbindung das zulässt. Nach der Wahl wurde diese immer wieder von der Regierung gestört. Viele seiner Freunde trauten sich nur noch zum Einkaufen auf die Straße. Nur einer seiner Bekannten beteilige sich an den Protesten.

Parallel zu der Bildung eines demokratischen Widerstandes in Belarus nehme laut Shyfryn auch die Vernetzung der in Deutschland lebenden belarussischen Staatsangehörigen zu: „Bis vor wenigen Tagen kannte ich nur wenige Menschen aus Weißrussland.“ Jetzt seien es etwa 3000 Menschen, die sich in Telegramm und Facebookgruppen untereinander austauschten.

Die genaue Zahl der in Frankfurt lebenden belarussischen Staatsbürger konnte die Stadt Frankfurt auf FR-Anfrage nicht nennen. Nur, dass es weniger als 500 seien. Etwa 150 Menschen aus der Region haben sich laut Shyfryn nun zusammengetan, viele aus Sorge um Freunde und Verwandte. „Wir machen es, um den Menschen in Weißrussland zu helfen“, sagt er. Ziel sei, die Situation in Belarus bekannter zu machen, um Solidarität zu erzeugen, „die die Belarussen dringend brauchen“. Es sei seine erste politische Aktion seit 19 Jahren. „Ich hoffe, nie mehr an einer teilnehmen zu müssen.“

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