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Großrazzia der Polizei im Bahnhofsviertel schlägt auf die Stimmung

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Von: Sabine Schramek

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Nach einer Großrazzia im Bahnhofsviertel gibt es 60 Anzeigen. Ladenbetreiber beschweren sich über den Zeitpunkt. Andere wollen weglaufen – kommen aber nicht weiter.

Frankfurt – Wer am Samstag (14. August) ins Bahnhofsviertel kam, wurde von Dutzenden Polizeieinsatzwagen und Kontrollen überrascht. Vom frühen Abend bis weit nach Mitternacht wurden Bordelle, Spielotheken und bekannte Drogenpunkte zwischen Kaisersack, Taunus-, Elbe- und Moselstraße durchsucht.

Dicht an dicht und leise fahren Polizeiwagen von der Kaiserstraße und vom Hauptbahnhof am Kaisersack vor und jede Menge Beamte in Uniform betreten den vollen Platz gegenüber vom Haupteingang des Hauptbahnhofs. Passanten eilen zum Zug über den Platz, den Reisende zuerst sehen, wenn sie nach Frankfurt kommen. Junkies und Obdachlose tummeln sich dort. Es wird regelmäßig Crack geraucht, Drogen werden vertickt.

Frankfurt: Offensive Kontrolle im Bahnhofsviertel

Personenkontrolle. Ruhig, aber bestimmt werden Ausweise kontrolliert, Taschen durchsucht und festgehalten, wer sich verdrücken will. Es ist leise, nur wenig Gemurre ist zu hören. Wer Durst hat, bekommt Getränke von zivilen Polizisten, wer Drogen dabei hat, ist sie los und bekommt eine Anzeige. „Wir kontrollieren hier heute offensiv“, sagt Christoph Bosecker, Leiter der regionalen Einsatz- und Ermittlungseinheit REE.

Die Türsteher in der Taunusstraße tragen am Samstagabend Uniform.
Die Türsteher in der Taunusstraße tragen am Samstagabend Uniform. © Rainer Rüffer

Das Viertel ist wegen vieler Delikte in Verruf geraten. Bosecker nennt „Taschen- und Trickdiebstahl, Raubstraftaten bis hin zu Körperverletzungsdelikten bis in die frühen Morgenstunden als größte Probleme“. Auch Drogen mit den Drogenhilfeeinrichtungen im Bahnhofsgebiet seien eine Begleiterscheinung, die durchaus Sorgen bereite.

Frankfurt: Kontrolle im Bahnhofsviertel „wirkt sich schlecht auf das Geschäft aus“

Die Straßen sind voller Polizei. In Sekunden wird die Taunusstraße gesperrt, weitere Kontrollen. Bordelle, Spielotheken, Bars und Passanten werden überprüft. Statt Türstehern stehen Polizisten in Uniform vor den Eingängen, Beamte durchsuchen die Etagen, überprüfen Mitarbeiter und Kunden ebenso wie Passanten. Flatterband wird dort angebracht, wo Leute von unzähligen Polizisten an Hauswänden kontrolliert und durchsucht werden.

„Es ist ja schön und gut, dass die Polizei kontrolliert. Aber ausgerechnet am Samstagabend, wenn bei uns am meisten los ist, vertreibt uns das die Gäste. Das wirkt sich schlecht auf das Geschäft aus, wenn keiner rein- oder rauskommt“, stöhnt ein Barbetreiber, der anonym bleiben möchte.

Ein weiterer stimmt zu. „Zwei Jahre war alles zu, jetzt ist ausgerechnet Samstagabend überall Blaulicht statt Rotlicht. Das ist schwer zu verstehen und noch schwerer, es den Kunden zu erklären.“ Auch er will, dass „weniger Kriminalität im Viertel ist, aber Razzien am Samstag wirken sich negativ auf das vergnügliche Nachtleben aus“, schimpft der 52-Jährige.

Frankfurt: Im Bahnhofsviertel ist es ungewohnt leise

Die Polizei kontrolliert stundenlang die Taunusstraße zwischen Elbestraße und Hauptbahnhof. Tüten voller Reizgas werden aus Häusern getragen, um zu überprüfen, ob die Dosen legal sind. Einige Personen werden zu Polizeiwagen geführt, aus Fenstern und in der Nähe der Absperrungen betrachten andere das Geschehen. Auch hier ist es ungewohnt leise. Viel leiser als an anderen Samstagabenden, wenn die Polizei Streife fährt und keine Großaktionen durchführt.

Vor Lokalen und Cafés sitzen Leute, die essen, trinken und lachen, als sei alles normal. Sie wurden bereits kontrolliert und machen dort weiter, wo sie vorher aufgehört haben. Geflucht wird nur leise. Am Rand der Sperren wird getuschelt, einige versuchen, sich mit dem Fahrrad oder E-Scooter durch die Polizeiwagen zu schlängeln und werden gestoppt. Auch sie werden kontrolliert. Vor Bordellen warten Prostituierte darauf, dass das Geschäft weitergehen kann.

Frankfurt: Bahnhofsviertel wegen Rotlicht und Drogenszene ein „polizeilicher Schwerpunkt“

Leise fahren Polizeiwagen vor ein Wettbüro in der Moselstraße. Die Sicht darauf wird durch einen Bauzaun versperrt. Etliche Männer stehen dahinter. Einige versuchen wegzulaufen, als sie merken, dass die Polizei da ist. Keine Chance. Alle Wege sind versperrt. Auch hier wird jeder kontrolliert, jede Tüte und Schale auf dem Boden ebenso gecheckt wie Taschen und Kleidung. Diskussionen nutzen nichts.

Christoph Bosecker ist zufrieden mit dem Einsatz. „Die Drogenszene und das Rotlichtviertel stellen seit jeher einen polizeilichen Schwerpunkt dar. Das alles kontrollieren wir verstärkt“, sagt er. „Die Kontrollen werden erduldet. Natürlich sind die Personen hier nicht begeistert, aber die Kontrollen verlaufen ohne besondere Vorkommnisse.“

Insgesamt seien rund 300 Personen kontrolliert worden, meldet die Polizei am Sonntag. Ergebnis der Razzia seien auch mindestens 60 Strafanzeigen. Die Polizei geht davon aus, dass weitere Ermittlungen noch mehr Strafanzeigen nach sich ziehen werden. Bei den Kontrollen erwischten die Beamt:innen außerdem neun per Haftbefehl gesuchte Personen. (Sabine Schramek)

Der Elendstourismus im Bahnhofsviertel in Frankfurt nimmt immer weiter zu. Zuletzt erschoss die Polizei im Frankfurter Bahnhofsviertel einen Mann.

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