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Gerichtsbezirk in der Frankfurter Innenstadt. (Symbolbild)

Kriminalität

Frankfurt: Bizarre Reaktionen im Prozess gegen Pädophilen-Therapeut

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Ein selbsternannter Therapeut nimmt einen Pädophilen auf „Therapie-Reise“ nach Thailand mit und hortet für seine „wissenschaftlichen Arbeit“ Kinder-Pornographie.

Im Landgerichts-Prozess gegen einen selbsternannten Therapeuten, dem Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen wird, hat gestern ein Gutachter ausgesagt – und für bizarre Reaktionen auf der Anklagebank gesorgt.

Der Angeklagte hatte sich von einem Mann, der in einer Selbsthilfegruppe gegen seine pädophilen Neigungen ankämpfen wollte und an den „Therapeuten“ G. geraten war, nicht nur eine „Therapie-Reise“ nach Thailand bezahlen lassen. Er hatte nach Aussage des als Zeuge geladenen Mannes, der mittlerweile eine Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs verbüßt, diesen auch noch zum Kindesmissbrauch motiviert und ihn dabei gefilmt – und auf seine Kosten „alles gevögelt, was nicht bei Drei auf den Bäumen war“.

Nach der Aussage eines Gutachters, der an einem vorherigen Verhandlungstag ausgesagt hatte, die missbrauchten jungen Thailänder könnten unter Umständen bereits oder zumindest fast volljährig gewesen sein, ist die Anklage wegen Herstellung von Kinderpornographie so gut wie vom Tisch. Es bleiben die enormen Mengen an kinderpornographischem Material auf dem Computer des Angeklagten – laut Gutachter mit „vorwiegend präpubertären Jungs“. Der Angeklagte erklärt den Besitz mit seiner „wissenschaftlichen Arbeit“.

Wie bereits in den vergangenen Verhandlungstagen verwechselte der Therapeut von eigenen Gnaden auch am Mittwoch die Anklagebank mit einem Lehrstuhl. Er sprach den Gutachter mit „Kollege“ an, obwohl er dessen „dürftige Mainstream-Bildung“ zutiefst verachte. Er pöbelte, dozierte und redete wirr, bis dem echten Wissenschaftler – einem ruhigen, höflichen Forensiker – doch noch der Kragen platzte. „Sie haben Menschen therapieren wollen, ohne eine Therapeuten-Ausbildung zu haben“, so der Forensiker. Dabei praktiziere der Angeklagte „absurde Therapiemaßnahmen“ – einen Pädophilen auf eine Lustreise nach Thailand zu quacksalbern, sei „wie einen hochgefährdeten Alkoholiker mit zum Ballermann“ zu schleppen. G., immerhin ein Diplom-Psychologe, „überschätze seine Fähigkeiten deutlich“, und zudem sei das Horten von Kinderpornos „in keiner Weise notwendig“, um wissenschaftlich zu arbeiten. Und falls doch, benötige es eines „Ethikvotums der zuständigen Ethikkommission“, welches diese aber nie erteilt habe.

Einer aus der mittlerweile zum Trio angeschwollenen Verteidigerphalanx des Angeklagten ließ sich schließlich noch zu einer Kritik der reinen Schulwissenschaft hinreißen. „Haben abstruse Wissenschaftler nicht ganz tolle Dinge erreicht für unsere Welt?“, fragte er in die Runde und erntete ausschließlich Kopfschütteln, als er ausgerechnet Sigmund Freud als Paradebeispiel für solch einen abstrusen Wissenschaftler nannte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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