Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hier, in der Friedberger Anlage, stand einst eine große Rotbuche. Jetzt ist sie nicht mehr da, und wir kennen die Schuldigen.
+
Hier, in der Friedberger Anlage, stand einst eine große Rotbuche. Jetzt ist sie nicht mehr da, und wir kennen die Schuldigen.

Klimawandel

Bitteres Ende einer Blutbuche

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
    schließen

170 Jahre stand sie im Anlagenring, dann brachten Pilze sie um. Doch dahinter steckt eine höhere Macht.

Die Tragödie spielt sich vor unseren Augen ab. Praktisch jeden Tag kündigt die Stadt an, wo Bäume gefällt werden; ebenso oft sind die Leute vom Grünflächenamt zu sehen, wie sie mit der Motorsäge beenden, was jahrzehnte-, manchmal jahrhundertelang Schatten und Leben spendete. Diese Geschichte aus dem Nordend erzählt beispielhaft, was oft dahintersteckt.

Im November meldet sich ein FR-Leser, der am Bethmannpark wohnt: Gestern sei am Anlagenring gegenüber dem Park die letzte große Blutbuche gefällt worden. „Angeblich war es wieder ein Pilz.“ Ihm sei gesagt worden, die Standfestigkeit sei nicht sicher. Schwer zu glauben, findet der Leser, „wenn man die riesigen Reste sieht“. Ihn plagt die Frage, ob es denn nicht möglich gewesen wäre, den mächtigen Baum zu retten. „Wieder ist etwas Grünes in Frankfurt verschwunden“, schreibt er traurig.

Der Baum, um den es geht, ist eine Rot- oder Blutbuche, Fagus sylvatica. Der Frankfurter Baumkataster führt sie noch als Nummer 416, ein großer grüner Kreis im Knick zwischen Friedberger Anlage, Friedberger Tor und Seilerstraße. Ein roter Kreis träfe es besser: Das Luftbild im Internet zeigt eine beeindruckende rote Frisur inmitten grünblättriger Nachbarn.

Internet? Als diese Blutbuche gepflanzt wird, gibt es noch nicht den leisesten Gedanken daran – es ist 1850. Erfinder experimentieren mit Glühlampen. Bis das erste Auto an unserer Blutbuche vorbeifährt, ziehen noch Jahrzehnte ins Land. Zwei Weltkriege überlebt dieser Baum, den Einzug der Straßenbahn, 36 Stadtoberhäupter sieht er kommen, von Carl Heinrich Georg von der Heyden bis Peter Feldmann, und 35 wieder gehen.

Ein Risikopatient

Wer die Buche schließlich zur Strecke bringt: schwer zu sagen. Bernd Roser, Abteilungsleiter im Grünflächenamt, kann drei Schuldige nennen: Riesenporling, Austernseitling und Zunderschwamm, allesamt Pilze. Aber es gibt noch andere, die hinter den Übeltätern stehen, die Auftraggeber gewissermaßen. Zu ihnen kommen wir später.

„2010 ist der Riesenporling aufgetaucht“, sagt Roser. „Der Fruchtkörper war zu sehen, der Baum war befallen.“ Damit muss die Rotbuche in die intensive Beobachtung durch die Baumkontrolleure. Es geht vor allem um die Standsicherheit an einem so zentralen Ort in der Stadt. Neun Jahre hält sich unsere Blutbuche tapfer. 2019 dann die Diagnose: Austernseitling im Kronenansatz, Allgemeinzustand schlecht bis sehr schlecht. Und ein Jahr später der Zunderschwamm. „Nicht mehr stand- und bruchsicher“, lautet nun das Urteil.

„Wir lassen Bäume so lange wie möglich stehen“, sagt Roser, „hier hatten wir aber keine Wahl. Das war ein Risikopatient.“ Die Fachwelt erforsche Mittel gegen diese Pilze – bisher vergeblich. Das Perfide: Oft seien die Faulstellen von außen nicht zu sehen. Dann gebe es Beschwerden aus der Bevölkerung, wenn gefällt wird.

Dass die Pilze sich seit 2019 so sehr in der Blutbuche vermehrten, ist kein Zufall. Die jüngsten extrem trockenen Sommer haben die Widerstandskraft vieler Bäume zerstört. Hauptschuldige sind somit die Verursacher des Klimawandels. Die Auftraggeber der Killerpilze sind: wir.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare