ParkingDay03_200920
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Mal mehr Menschen als Autos in der Töngesgasse.

Aktion

Bierbänke in den Parklücken

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Beim internationalernPark(ing) Day in Frankfurt werden Parkplätze in der Innenstadt in Beschlag genommen.

Das Pärchen in dem schwarzen Porsche mit Autokennzeichen aus dem Main-Taunus-Kreis blickt sich suchend um. Dann lässt der Fahrer den Motor röhren und das Auto rollt davon. Am Samstag finden Autofahrer in der Töngesgasse hinter der Liebfrauenkirche kaum Parkplätze. Rund 30 Abstellmöglichkeiten wurden im Rahmen des international stattfindenden „Park(ing) Day“ von mehreren Initiativen in Beschlag genommen, die den Aktionstag in Frankfurt zum fünften Mal organisieren.

Auch in der Berliner Straße werden im Laufe des Nachmittags die Parklücken vorübergehend reduziert. Ab der Querstraße Schärfengäßchen stehen links und rechts am Fahrbahnrand, wo sonst Fahrzeuge parken, Liege- und Klappstühle, Bierbänke und Pavillons.

Neben dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), der in einer Parkbucht Radinspektionen anbietet, Umweltschutzgruppen vom BUND, Greenpeace und Transition Town haben die Frankfurter Grünen sowie die Gruppe „People for future“ zu der Aktion aufgerufen. Daniela Moroz, Mitglied der Gruppe, sagt, „wir sind für weniger Autos in den Innenstädten und wollen zeigen, wie schön man sie umgestalten kann.“

Während Moroz spricht, müssen immer wieder Autos und Fahrräder in der schmalen Straße stehen bleiben. Teils ruhig, teils genervt reagieren die Verkehrsteilnehmer. Autofahrer seien größtenteils geduldig, sagt Moroz. Berührungspunkte gebe es dagegen kaum, „weil ein Austausch aus dem Auto heraus schlecht möglich ist“. Positiv sei, dass Passanten stehen blieben und die Aktivisten mit ihnen ins Gespräch kämen. „Einige gesellen sich auch dazu und malen mit uns Plakate“, berichtet die 38-jährige Hattersheimerin.

Fußgänger nehmen Straße schnell in Besitz

Sie steht an einem Tisch und malt mit Kreide „Gerechtigkeit“ auf ein orangefarbenes Transparent. Mit Acrylfarbe will sie danach die Buchstaben sichtbar auf den Stoff bannen. In schwarzer Farbe steht bereits „Generationen-“ darauf. Die Transparente seien für den Klima-Aktionstag am nächsten Freitag, so Moroz.

Ein Mann, der sich im Vorbeigehen kurz nach dem Hintergrund der Aktion erkundigt, sagt, „Autos müssen raus aus der Stadt“ und „Abgase machen krank“. In einer Parklücke haben Mitglieder des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) einen grünen Teppich ausgerollt. Darauf stehen Sitzhocker und Stühle. Matthias Biemann, Vorstand des VCD, sagt: „Hier kann man schön sehen, wie schnell die Straße von Fußgängern in Besitz genommen und mitgenutzt wird.“ Einige Menschen nutzen sie tatsächlich, obwohl der Bürgersteig frei ist. Sie bekäme so den „Charakter einer Fußgängerzone“, sagt der 55-jährige Bockenheimer, obwohl die Aktivisten bewusst auf den Antrag einer vorübergehenden Sperrung verzichtet hätten.

„Wir wollen zeigen, wie viel Autoverkehr hier an einem Samstag herrscht“, sagt Daniela Moroz. Als ein silbergrauer Mercedes anrollt und eine Frau mit ihrem Fahrrad im Weg steht, ist der genervte Blick des Fahrers durch das halb geöffnete Seitenfenster deutlich zu erkennen. Er hupt so laut, dass die Frau zur Seite springt.

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